Staßfurt l "Ein Aufschrei ging durch die Staßfurter Handwerkerschaft, als die Wohnungs- und Baugesellschaft (Wobau)Staßfurt mit ihrer neuesten Idee kam, Kosten zu sparen", sagte der Oberbürgermeister-Kandidat der UBvS, Eric Maindok, der Volksstimme.

Bisher sei es übliche Praxis gewesen, dass man die anfallenden Arbeiten auf hier ansässige Unternehmen verteilt und somit viele Unternehmen für die Wobau und für ihre sonstige Kundschaft arbeiten konnten.

Maindok: "Nun will man die Leistungen pro Gewerk nur noch an einen Unternehmer vergeben. Für einige Unternehmen ist dieses Auftragsvolumen dann zu groß. Und da man die Staßfurter Wirtschaft ,fördern` möchte, hat man diese Ausschreibung Sachsen- Anhalt-weit durchgeführt, mit dem Erfolg, dass wohl schon die ersten Gewerke an Unternehmen vergeben wurden, die von außerhalb kommen."

Bisher sei es durch die Nähe der Handwerker zu den Mietobjekten möglich gewesen, die Arbeiten schnell und ordentlich abzuarbeiten. Aber wenn bei einem Wasserschaden der Installateur erst von weit her kommen soll, frage ich mich, was passiert in der Zwischenzeit, so der Kommunalpolitiker.

Als er sich gegen den Verkauf der Wobau ausgesprochen und die Unterschriftenaktion gegen eine Veräußerung gestartet habe, sei es seine Absicht gewesen, hier vor Ort so viele Arbeitsplätze zu erhalten wie möglich, aber auch, dass die Arbeit hier in Staßfurt zu belassen, sagte Maindok.

Hier hätte der Aufsichtsrats-Vorsitzende der Wobau, Staßfurts Oberbürgermeister René Zok, der vor sieben Jahren als Kandidat der Wirtschaft angetreten sei, einschreiten müssen, um die Arbeitsplätze und damit auch die Steuereinnahmen für Staßfurt zu sichern, so der UBvS-Politiker.

Er verwies darauf, dass es auch Wobau-Mitarbeiter gebe, die Mieter dieses städtischen Unternehmens seien. "Miete können sie zahlen", so Maindok, "aber wo ihre Arbeit herkommt, interessiert den Oberbürgermeister scheinbar nicht. So fördert man nicht die Wirtschaft, so vernichtet man Arbeitsplätze und damit die Zukunft Staßfurts."

Aufträge wurden noch nicht vergeben

Von der Staßfurter Volksstimme auf die Vorwürfe angesprochen, räumte der Oberbürgermeister ein: "Es ist richtig, dass die Wobau Staßfurt die Handwerkerleistungen in Katalogform ausgeschrieben hat. Es handelt sich dabei um elf Leistungskataloge in den verschiedenen Gewerken. Der Leistungsumfang eines Katalogs umfasst maximal 150 000 Euro. Für die Ausschreibung wurde eine öffentliche Ausschreibung gewählt, welche bei diesem Umfang vorgeschrieben ist. Die Wobau mbH setzt damit die gesetzlichen Forderungen um."

Richtig sei auch, dass bisher alle Aufträge einzeln vergeben wurden. Individuelle Angebote seien eingeholt worden, extra Aufträge vergeben, separate Rechnungen gelegt, welche abschließend auch geprüft werden mussten.

Im Rahmen der Restrukturierung des Unternehmens habe der Stadtrat, welchem Eric Maindok zu dieser Zeit noch angehört habe, beschlossen, effektivere Strukturen zu schaffen. Ein Schritt dahin sei auch die Einführung des Mieterbestellsystems. Grundlage dieses Bestellsystems sei auch die genannte Vergabe der Handwerkerleistungen.

Zok: "Falsch ist die Aussage, dass bereits Aufträge vergeben wurden. Im Gegenteil - die Ausschreibung wurde in der vergangenen Woche aufgehoben und wird überarbeitet. Falsch ist auch das Schüren der Angst, dass der Mieter zukünftig auf die Handwerker über Gebühr warten muss. Eine Bedingung der Ausschreibung war auch die Absicherung des schnellen Bereitschaftsdienstes."

Maindoks Aufforderung, dass er als Aufsichtsratsvorsitzender hier hätte eingreifen müssen, wies Zok zurück, da sowohl der Stadtrat mit Beschluss des Restrukturierungskonzeptes, als auch der Aufsichtsrat die Vorgehensweise bestätigt habe.

"Ebenfalls weise ich die Drohung zurück, dass damit Arbeitsplätze vernichtet werden. Bei dem gewählten Verfahren handelt es sich um ein transparentes und offenes Verfahren, an dem sich jeder Handwerker beteiligen kann", betonte der Oberbürgermeister.

Eric Maindok erwecke mit seinen Äußerungen den Eindruck, dass er die Wobau mbH zu Verstößen im Vergabeverfahren aufruft, so Oberbürgermeister Zok und fügte hinzu: "Von diesem Aufruf muss ich mich distanzieren."

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