Der Versorgungsgrad mit Hausärzten liegt in der Stadt Staßfurt derzeit bei 86,2 Prozent. Wie die Kassenärztliche Vereinigung (KV) mitteilte, sind damit sieben Stellen unbesetzt.

Staßfurt l "75 Prozent sind der Schwellenwert, ab dem durch Kassenärztliche Vereinigung und Krankenkassen geprüft wird, ob Unterversorgung droht oder sogar besteht", sagte der Sprecher der KV, Bernd Franke, der Staßfurter Volksstimme.

Seinen Worten zufolge sind heute insgesamt 25 Hausärzte im Umfang von 24,5 Versorgungsaufträgen ("Vbe") im Planungsbereich Staßfurt tätig, davon 17 Hausärzte mit 16,5 Versorgungsaufträgen in der Stadt Staßfurt selbst.

Franke: "In den letzten 12 Monaten konnte eine Hausarztpraxis in Staßfurt nicht wieder besetzt werden." Deshalb begrüßt die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen-Anhalt die Entscheidung von Dr. Alexandra Büscher ihre Niederlassung in Syke bei Bremen aufzugeben und heute offiziell die von Dr. Annegret Beyer aufgebaute Praxis in der Hohenerxlebener Straße 19 zu übernehmen und weiter zu führen.

"Das ist heute leider keine Routinesache mehr. Es kann auch beim Ausscheiden eines Vertragsarztes zu Praxisschließungen in der Folge kommen", sagte Franke.

"Man kann den älteren Kollegen nur dankbar sein."

Zur Übergabe am Montagvormittag waren auch Staßfurts Oberbürgermeister René Zok mit einem großen Blumenstrauß in den Stadtfarben weiß-rot sowie der Wirtschaftsförderer Christian Schüler erschienen. Denn eine gute medizinische Versorgung ist heutzutage ein wichtiger Standortfaktor für Investoren.

Zok dankte beiden Frauen dafür, dass sie für eine Weiterführung der Hausarztpraxis gesorgt haben. "Man kann den älteren Kollegen nur dankbar dafür sein, dass sie über das normale Rentenalter hinaus tätig sind und das als Verpflichtung gegenüber ihren Patienten ansehen", sagte Zok.

Beide Frauen haben sich so verständigt, dass Dr. Büscher die Vormittags-Sprechstunden übernimmt und Dr. Beyer für ein Jahr die Patienten in den Nachmittags-Sprechstunden betreut. Diese Regelung kommt Dr. Büscher als junger alleinerziehender Mutter sehr gelegen.

Die junge Medizinerin, die die Staßfurter Praxisräume sowie die dort tätigen zwei Vollzeitkräfte übernimmt, zögerte, als sie vom geplanten Rückzug von Dr. Beyer nach 42 Jahren hörte, nicht lange, um von Syke nach Staßfurt zurückzukehren. Denn sie wurde vor 37 Jahren in der Bodestadt geboren, in der auch ihre Eltern wohnen, und wollte gern wieder in ihrer alten Heimatstadt leben.

Staßfurt hatte sie vor Jahren verlassen, um in Göttingen Medizin zu studieren und zu promovieren und nach mehreren verschiedenen Stationen eine Hausarztpraxis in Syke bei Bremen zu eröffnen.

Kritik äußerten beide Frauen an der KV, weil die Niederlassung von Ärzten in Staßfurt im Gegensatz zu Syke nicht gefördert wird.

"Der Landesausschuss der Ärzte und Krankenkassen in Sachsen-Anhalt hat für Bereiche in Sachsen-Anhalt Sicherstellungszuschläge u.a. in Form von Förderungen für Niederlassungen beschlossen. Die Mittel dafür werden von Ärzten und Krankenkassen paritätisch aufgebracht. Für die Auszahlung der Mittel ist die KV zuständig und dabei an die Beschlüsse des Landesausschusses gebunden. Nach der derzeit gültigen Beschlusslage sind von der Gewährung von Fördermitteln Niederlassungen in Gebieten ausgenommen, die zum Stichtag am 31. Dezember 1991 zum Territorium der kreisfreien Städte und damaligen Kreisstädte gehörten. Damit können auch im größten Teil der Gebiete, die jetzt zur Stadt Staßfurt zählen, keine Sicherstellungszuschläge gezahlt werden", begründete Franke die Zurückhaltung der KV.