Atzendorf l In unserer Volksstimme-Serie "Was ist geworden ist" gingen wir im Dezember den Spuren der ehemaligen Eisfabrik in Atzendorf nach, die bis Anfang der 1990-er Jahre in der Hauptstraße des Dorfes leckeres Speiseeis produzierte. Doch die Wende überlebte das kleine Unternehmen nicht.

Wie Anwohner berichteten, sind die Gebäude damals abgerissen und der Bauschutt in den Keller geworfen worden. Das Ganze wurde einfach mit Erde überdeckt, so dass an eine Nachnutzung des Areals für andere gewerbliche Zwecke nur noch schwer zu denken ist. Auch die Errichtung eines Solarparkes durch private Investoren war im vergangen Jahr gescheitert.

Wie es damals in diesem Betrieb vorging, beschreibt ein Beitrag der Volksstimme Staßfurt aus dem September 1988, den Eisfabrikant Jürgen Pecher damals ausgeschnitten und der Lokalredaktion jetzt zur Vergügung gestellt hat.

Den 26 Jahre alten Zeitungs-Beitrag mit der Überschrift ",Eisköniginnen` mit Herz fürs Dorf - Tonnen von Speiseeis erfrischen sieben Bezirke" wollen wir den Lesern als wichtiges historisches Zeugnis nicht vorenthalten:

"Produziert wird unser Eis in verschiedenen Fettstufen, wobei die Fruchteis-Geschmacksrichtungen den geringen Milchfettanteil enthalten."

Atzendorf. Auch nach den heißen Tagen dieses Sommers sind Speiseeisspezialitäten gefragt, laufen die Anlagen des Eiskremwerkes in Atzendorf auf Hochtouren.

Seit 1974 werden in diesem zu den größten Eiskremproduzenten der Republik gehörenden Werk "kühle Küsse" hergestellt, die die Herzen großer und kleiner Eisschlecker höher schlagen lassen.

"Produziert wird unser Eis in verschiedenen Fettstufen, wobei die Fruchteis-Geschmacksrichtungen den geringen Milchfettanteil enthalten, was besonders für Figurbewusste und solche, die es werden wollen, wichtig ist", hebt Genossin Brigitte Zies, Betriebsteilleiterin, hervor.

Täglich verlassen zirka 12 Tonnen Speiseeis den Atzendorfer Betrieb. Im Jahr sind das etwa 2930 Tonnen.

Trotzdem können die fleißigen Frauen den ständig steigenden Bedarf noch nicht ganz decken. Deshalb soll demnächst eine weitere Produktionssteigerung vorgenommen werden.

Schon jetzt arbeitet die zu 75 Prozent aus Frauen bestehende Belegschaft im Drei-Schicht-System, damit die Kaufhallen und Geschäfte in den Bezirken Magdeburg, Halle, Frankfurt (O.), Potsdam, Rostock, Schwerin und in Berlin kontinuierlich mit den begehrten Molkereierzeugnissen beliefert werden können.

Besonders aber für die Bürger der eigenen Gemeinde haben die "Eisköniginnen" ein Herz, in dem sie die Verkaufsstelle, wenn es sein muss, sogar mit dem Handwagen beliefern, damit sich auch die Atzendorfer von der Qualitätsarbeit "ihres" Kühlbetriebes überzeugen können.