Neue Schweineställe mit 5184 Plätzen sind gestern Vormittag in Neundorf offiziell ihrer Bestimmung übergeben worden. Damit hat sich die Gesamtkapazität der Anlage auf rund 12 000 Schweine erhöht.

Neundorf l Die Brüder Anton und Hermann Heukamp aus dem benachbarten Strummendorf haben an diesem Standort insgesamt rund 2,5 Millionen Euro investiert. Davon wurde eine halbe Million Euro von der Europäischen Union gefördert.

Die Planungen für diese Anlage am Ortsrand von Neundorf reichen bis in das Jahr 2010 zurück, sagte Hermann Heukamp. Anfang Februar 2011 wurden dann die entsprechenden Anträge gestellt. "Das Genehmigungsverfahren hat sich hingezogen, weil das Landesverwaltungsamt als Genehmigungsbehörde forderte, dass die Immissionen nach der Erweiterung deutlich geringer ausfallen müssen als vor der Erweiterung", sagte Heukamp. Damit spielte er auf die alte Schweinemastanlage seines Vaters mit 6999 Plätzen an, die ab und an für unangenehme Gerüche im Dorf sorgte.

Erst als deren Abluftreinigungsanlage 2013 mit einem Aufwand von rund einer halben Million Euro komplett modernisiert wurde, hatte das Landesverwaltungsamt einer Erweiterung des Standortes seinen Segen gegeben.

Hermann Heukamp geht davon aus, dass es sich dabei um die erste moderne Abluftwäsche in der Region handelt, die Ammoniak und Staub in hohen Prozentzahlen reinigt. Das werde von Gutachtern ständig überprüft.

"Ich hoffe, dass durch diese Investition in Neundorf Ruhe einkehrt und wir Frieden haben mit den Bürgern und dass sie ihre Gärten und ihre Terassen genießen können."

"Das hat sich gelohnt. Es dürfte in der Ortslage Neundorf nicht mehr so stark riechen", sagte der Diplom-Agrar-Ingenieur und fügte hinzu: "Ich hoffe, dass durch diese Investition in Neundorf Ruhe einkehrt und wir Frieden haben mit den Bürgern und dass sie ihre Gärten und ihre Terassen genießen können."

Der Startschuss für den neuen Komplex mit insgesamt zwei Schweineställen fiel im Februar des vergangenen Jahres. "Im Juli haben wir dann schon das Richtfest gefeiert und im August war der Rohbau vollständig abgeschlossen", sagte Heukamp. Besonderer Wert sei auch hier auf die Abluftreinigung gelegt worden.

Der erste Stall ist bereits mit rund 2550 Ferkeln aus dem Osten von Sachsen-Anhalt bestückt worden. Wenn sie nach rund viermonatiger Mast nicht mehr 30 Kilogramm haben, wie am Anfang, sondern 120 Kilogramm auf die Wage bringen, werden sie zum Schlachthof nach Weißenfels gebracht. Gefüttert werden die Tiere drei mal täglich vollautomatisch mit einem Brei aus Weizen, Gerste, Raps, Soja und Mineralstoffen.

Das Fressen stellt die Heukamp GbR von Anton und Hermann, die den angrenzenden Betrieb des Vaters übernommen hat, in einem neuen Futterhaus selbst her.

Die anfallende Gülle wird gesammelt und dann auf die umliegenden gepachteten Äcker in Strummendorf, Hecklingen und Plötzkau ausgebracht.

Die Zahl der Arbeitsplätze gab Hermann Heukamp mit drei plus einen Lehrling an. Es sei schwierig, junge Leute für den Einsatz im Stall und auf dem Acker zu begeistern.

Auf weitere Investitionen angesprochen, sagte der Strummendorfer, er glaube nicht an eine nochmalige Erweiterung des Schweinestall-Komplexes in Neundorf. "Es ist zurzeit nichts in der Planung. Der Standort ist ausgelastet."

Die Preise für Schweinefleisch sind derzeit im Keller durch den Export-Stopp nach Russland, der auch für andere Rohstoffe gilt, sagte Hermann Heukamp, der für ein Schwein derzeit nur noch rund 150 Euro bekommt.

"In meiner Brust schlagen zwei Herzen. Zum einen wünsche ich den Investoren viel Erfolg und zum anderen, dass sie die Belastung für die Bürger nicht aus den Augen verlieren."

Staßfurts Oberbürgermeister René Zok (parteilos) sagte: "In meiner Brust schlagen zwei Herzen. Zum einen wünsche den Investoren viel Erfolg und zum anderen, dass sie die Belastung für die Bürger nicht aus den Augen verlieren. Sie haben es in der Hand, durch ein vernünftiges Management die Bürger zu überzeugen. Das werden wir im Auge behalten."

Das Stadtoberhaupt hatte gemeinsam mit CDU-Kreischef Gunnar Schellenberger, Kommunalpolitikern von Neundorf sowie mit Geschäftspartnern und Freunden der Investoren an einer kleinen Feierstunde im künftigen zweiten neuen Schweinestall teilgenommen.

Ortschaftsrat Klaus Maaß (Linke), der damals Unterschriften gegen die Erweiterungspläne der Familie Heukamp für Neundorf und gegen den oftmals zu vernehmenden penetranten Güllegestank im Dorf gesammelt hatte, ist inzwischen zufriedener. "Die Güllebelastung ist in Neundorf in den Keller gegangen", stellte er gestern erfreut fest.

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