Die Gemeinschaftsschule in Egeln wird Realität. Zum Tag der offenen Tür verkündete Schulleiterin Christine Jeske die Genehmigung für die Umwandlung. Doch was bedeutet das für die Schüler?

Egeln l Die Sekundarschule An der Wasserburg in Egeln wird mit Beginn des kommenden Schuljahres eine Gemeinschaftsschule. Damit ist der Antrag der Schule genehmigt, freut sich Schulleiterin Christine Jeske am Sonnabendmorgen in der Aula. Zum zweistündigen Tag der offenen Tür kann sie zahlreiche Familien begrüßen, die sich zusammen mit ihren Kindern das Bildungsangebot der Sekundarschule ansehen wollen.

Baulich muss sich die Schule nicht mehr verstecken. Untergebracht ist die Einrichtung in einem Gebäude mit der Egelner Grundschule. In den vergangenen Jahren hat der Steuerzahler rund 4,3 Millionen Euro in das Haus gesteckt. Nicht nur äußerlich macht das Schulgebäude nun etwas her. Auch innen ist viel passiert. Bei den unzähligen Glastüren, die es im Haus gibt, vielleicht etwas zuviel, meint ein Lehrer.

Beim Tag der offenen Tür geht es aber um Inhalte. Die einzelnen Fachbereiche stellen sich zusammen mit den Schülern vor. Im Chemieraum haben die beiden Fachlehrer eine einfache Nachweisreaktion vorbereitet. Zum Einsatz kommen hierbei Krautsaft und Gummibärchen. Da kann kaum ein Schüler widerstehen. Aufmerksam führen die Schüler den Versuch durch.

Um Versuche geht es auch gleich nebenan bei den Physikern. Chemie ist das, was knallt und stinkt und Physik ist das, was nie gelingt, reimten schon frühere Schülergenerationen. Doch bei den beiden Fachlehrern gelingt alles. Einige kleine Versuche aus den verschiedenen Fachgebieten haben sie aufgebaut. Hier können die Schüler mal probieren und alles anfassen, was sonst im Unterricht so kaum geht. Die Anziehungskraft der deutlich in die Jahre gekommenen Modelle ist allerdings begrenzt. Viel eher interessieren sich die Schüler für die modernen elektronischen Tafeln, wo ein Beamer nicht nur vorbereitete Tafelbilder darstellen kann, sondern die Schüler hier ebenso elektronisch malen können. Die Elektroniktafeln treffen eher den Zeitgeist der heutigen Generation.

Eltern und Kinder schauen sich das Haus an und suchen den Kontakt zu den Lehrern. Gerade Eltern, deren Kinder aktuell eine vierte Grundschulklasse besuchen, stehen vor der Frage, welche Schule danach besucht werden soll. Michael Sroka schaut sich mit seinem Sohn Paul die Schule an. "Ich habe schon viel gehört und will mir selbst ein Bild machen", sagt der Vater. Offen sind die Lehrer und kommen mit den Kindern schnell ins Gespräch.

Die Sekundarschule erlebte in der Egelner Mulde im laufenden Schuljahr eine große Nachfrage. Ungewöhnlich viele Schüler konnte Schulleiterin Christine Jeske im vergangenen Spätsommer begrüßen.

Offenbar, so mutmaßten einige Lokalpolitiker, lag das Interesse vor allem daran, dass das Egelner Gymnasium seine Eigenständigkeit verlor. Die angemeldeten Schüler reichten wieder einmal nicht aus, um fünfte Klassen in Egeln zu unterrichten. Die künftigen Abiturienten müssen nach Staßfurt fahren. Offenbar schreckte der Gedanke an stundenlange Busreisen ihrer Kinder viele Eltern ab, hieß es im Egelner Rathaus. Denn nur mit Mühe gelingt es dem Landkreis, die Schüler zeitlich korrekt nach den gesetzlichen Vorschriften in das Gymnasium zu bringen.

Ab dem kommenden Schuljahr könnte sich die Angst vor langen Busreisen erübrigen. Denn mit der Genehmigung der Gemeinschaftsschule kann die Sekundarschule in Egeln Klassen eröffnen und sie nach dem gymnasialen Lehrplan unterrichten. Damit würde ebenso ein Wunsch der Lokalpolitik erfüllt. Die politischen Vertreter der Verbandsgemeinde hatten sich vor allem dafür ausgesprochen, die jungen Jahrgänge des Gymnasiums in Egeln zu beschulen. Ihnen sollten keine täglichen Busfahrten zugemutet werden. "Kurze Wege für kurze Beine", lautet hier das Motto.

Diesen Wunsch kann die Schule nun erfüllen. Doch auch bei der Gemeinschaftsschule gibt es Mindestvoraussetzungen die erfüllt werden müssen, weist Christine Jeske hin. In der Genehmigung der Gemeinschaftsschule ist es ausdrücklich vermerkt, dass gymnasiale Klassen erst eröffnet werden dürfen, wenn sich mindestens 50 Schüler dafür angemeldet haben. Damit gelte für die Gemeinschaftsschule die gleiche Hürde wie für das Gymnasium, macht sie deutlich. Kommen keine 50 Schüler zusammen, gebe es auch keine gymnasiale Ausbildung. Die endet nach der achten Klasse dann an der künftigen Gemeinschaftsschule. Die restlichen Schuljahre müssen die Schüler dann das Staßfurter Gymnasium besuchen.

In den kommenden Monaten muss sich nun zeigen, ob die Eltern der neuen Gemeinschaftsschule vertrauen und ihre Kinder hier auf einen gymnasialen Bildungsweg schicken. Fachlich sei dies kein Problem, versichert die Schulleiterin. Bereits jetzt bietet die Sekundarschule vier Abschlüsse an. In den vergangenen Monaten habe sich das Bildungsangebot bereits deutlich in der Ganztagsschule verändert, schildert sie.

Werbung für die Gemeinschaftsschule müssen die Lehrer machen. Eine offizielle Werbekampagne für die neue Schulform fehlt bislang im Land. Ob die Lehrer Eltern und Schüler in den kommenden Wochen von dem neuen Konzept überzeugen können, muss sich zeigen. Der Tag der offenen Tür ist für die Sekundarschule An der Wasserburg aber ein guter Auftakt. Betont freundlich und höflich begegnen sich Schüler und Lehrer im Haus. Der erste Eindruck ist positiv, finden die Besucher nach dem Rundgang.

   

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