Nach dem jüngsten Kellerbrand in der Großen Mühlenbreite wächst in der Saalestadt die Furcht vor einer neuen Brandserie. Indes ist der vermeintliche Feuerteufel, auf dessen Konto zwischen Winter 2013 und Sommer 2014 mehr als 50 Brandstiftungen in Kellern, an Fahrzeugen oder Containern gehen, weiter auf freiem Fuß.

Calbe l Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr waren bereits am Freitagnachmittag im Einsatz, um die Schäden des vorüberziehenden Sturmtiefs zu beseitigen. So räumten sie zerstörte Bäume von der Barbyer Straße, von der Ringstraße im Industriepark Calbe und vom Gelände des West-Bahnhofs. Im Anschluss folgte der reguläre Dienst im Feuerwehrdepot in der Arnstedtstraße.

Dieses Tagespensum hätte den Ehrenamtlichen wohl gereicht. Doch an einen Feierabend war nicht zu denken. Gegen 21.45 Uhr wurden sie zum Kellerbrand in der Großen Mühlenbreite alarmiert. Mit ihrer gesamten Fahrzeugtechnik rückten 25 Calbenser Kameraden im Wohngebiet an.

Auch die Schwarzer Ortswehr musste mit zwölf zusätzlichen Kameraden und zwei Fahrzeugen nachalarmiert werden. Sofort gingen sechs Blauröcke unter Atemschutz in den Keller, der in voller Ausdehnung brannte. Enorme Hitze- und Rauchentwicklung machten den Einsatz gefährlich.

Bürgermeister mahnt zu großer Wachsamkeit

Mächtige Rauchschwaden zogen nach oben, so dass Ortswehrleiter Uwe Wirth die Evakuierung einiger Bewohner der oberen Etagen über das Treppenhaus als zu gefährlich einstufte. Sie verließen bei Flutlicht ihre Wohnungen über den Korb der Drehleiter. Personen wurden nicht verletzt.

Und nun? Nach einigen Monaten der Ruhe vor dem Treiben des Calbenser Feuerteufels macht sich wieder eine Mischung aus Angst, Verzweiflung und Wut unter den Calbensern breit. Allein im sozialen Netzwerk facebook ist das erneute Aufflammen von Bränden ein großes Thema. Kennzeichnend für die derzeitige Problematik sind zwei Einträge über den Kellerbrand in der Großen Mühlenbreite 38. Vanessa Tanski fragt: "Gehts schon wieder los?" Darauf fragt Corina Gluschke: "Hat es je aufgehört?"

Tatsächlich wirft der erneute Brand im Wohnhaus der Mühlenbreite 38 viele Fragen auf. Vor allem deshalb, nachdem es im Keller des Wohnblocks in der Nacht des 18. Dezembers bereits schon einmal brannte und in der Nacht des 22. Dezember eine Gartenlaube in einer Anlage der Großen Mühlenbreite den Flammen zum Opfer fiel. Hat also der Feuerteufel von Calbe wieder zugeschlagen? Oder handelt es sich um einen Trittbrettfahrer beziehungsweise Nachahmer?

Marco Kopitz, Polizeisprecher des Salzlandkreises, kann die Sorgen der Calbenser nachvollziehen, bleibt gegenüber der Volksstimme allerdings vage und stellt vorerst keinen Zusammenhang her. "Die Aufgabe der Polizei ist es jetzt, nach der Sicherung und Dokumentation die Spuren der Brandorte auszuwerten und mögliche Zeugen intensiv zu befragen." Im Anschluss werden diese Ergebnisse mit denen der "Altfälle" nach Übereinstimmungen verglichen und der Staatsanwaltschaft übermittelt.

Doch dort liegen noch die Ermittlungsakten der langen Brandserie, die 2013/2014 in Calbe für Aufruhr sorgte. Weit über hundert Hinweise gingen damals bei der gesonderten Ermittlungsgruppe "Calbe" ein. Mehrere Verdächtige gerieten ins Visier der Ermittler, von denen zwei junge Männer später in den engeren Fokus rückten. Beide befinden sich nach Volksstimme-Informationen auf freiem Fuß, Anklagen wurden nicht erhoben. Nachfragen bei der Magdeburger Staatsanwaltschaft blieben bis zum gestrigen Redaktionsschluss unbeantwortet.

"Mehr ist uns auch nicht bekannt", sagt Calbes Bürgermeister Sven Hause auf Nachfrage. Das Stadtoberhaupt mahnt indes alle Calbenser zu großer Wachsamkeit. "Wem etwas Verdächtiges in seinem Umfeld auffällt, sollte sich mit sachdienlichen Hinweisen möglichst schnell an die Polizei wenden."

Ortswehrleiter Uwe Wirth hatte wie viele der Calbenser Kameraden gehofft, dass die Serie an Brandstiftungen nun ein Ende hat. Dass nun offensichtlich wiederholt Brände in der Großen Mühlenbreite gelegt werden, lässt ihn wenig Gutes für die Zukunft erwarten. Er plädiert für eine schnelle juristische Aufarbeitung der Ermittlungsergebnisse durch die Staatsanwaltschaft.