In Förderstedt wollte eine kleine Gemeinschaft aus Bürgern, Lokalpolitikern und Feuerwehrleuten Deutschkurse für Flüchtlinge organisieren. Eine erste Beratung ergab, dass es dafür jetzt noch keinen Bedarf gibt.

Förderstedt l Eine erste Beratung zum Thema Flüchtlinge in Förderstedt gab es vor kurzem im Feuerwehrgerätehaus Förderstedt. Zuvor schon ist die Idee entstanden, den Flüchtlingen Deutschunterricht im Schulungsraum der Kameraden zu geben. Dies hatten Ortswehrleiter Hans-Jürgen Lärz und seine Kameraden, Deutschdozentin Anette Pekrul, Ortsbürgermeister Peter Rotter sowie Oberbürgermeister René Zok und seine Verwaltung vereinbart.

Bei der Beratung in Förderstedt erklärte Anette Pekrul, die in Staßfurt bereits fünf Flüchtlinge ehrenamtlich im Deutschen unterrichtet, es sei besser, wenn die Förderstedter Familie mit in Staßfurt in ihrem Kurs unterrichtet werden würde. Dabei handelt es sich um den Familienvater und seinen Bruder, die mit dem Bus nach Staßfurt kommen sollen. Diese Lösung sei für die Dozentin praktikabler, sie gibt den Unterricht immerhin auf ehrenamtlicher Basis.

Außerdem gebe es derzeit keine weiteren Flüchtlinge in Förderstedt, die Bedarf an einem Deutschkurs hätten. Entgegen vorherigen Informationen gibt es aktuell nur zwei Flüchtlingsfamilien in Förderstedt, die in Wohnungen der Wohnungsgesellschaft leben. Eine dritte Familie soll erst kommen. "Bei der anderen Familie handelt es sich um Bosnier, der Familienvater ist wohl schon länger hier und spricht schon gut Deutsch", erklärte Claudia Osterwald, die zusammen mit einer weiteren Bürgerin die syrische Flüchtlingsfamilie betreut.

Der syrischen Familie haben die Osterwalds bereits gezeigt, wie ein Busplan gelesen wird. Die beiden Männer könnten daher problemlos nach Staßfurt fahren. Der Unterricht findet bei Anette Pekrul einmal in der Woche statt. Es gibt einen Kurs für Kinder und einen für Erwachsene.

"Wir können ja festhalten, dass wir den Raum bei der Feuerwehr nutzen können, falls es in Förderstedt einmal mehr Flüchtlinge werden und es Bedarf für Unterricht hier im Ort gibt", sagte Susanne Henschke, Ordnungsamtsleiterin, die bei der Beratung anwesend war.

In der Diskussion wurden einige Aspekte der Flüchtlingsproblematik angesprochen. Anette Pekrul, die derzeit ein Wohnprojekt in Staßfurt aufbaut und den Bürgerverein "Staßfurt initiativ" gegründet hat, machte deutlich, dass es an einer Sammlung an Informationen für die Flüchtlinge fehlt. Daher will sie zeitnah ein Internetseite erstellen: "Die Seite wird so programmiert, dass sie die Inhalte automatisch übersetzt. Dort sollen alle wichtigen Infos für die Neuankömmlinge in allen Sprachen zur Verfügung stehen: Status, Kleiderkammer und so weiter." Auch Staßfurter, die den Flüchtlingen helfen wollen, können sich dort finden und organisieren.

Eines der Hauptprobleme sehen sie und Ortsbürgermeister Peter Rotter darin, dass in der Stadtverwaltung niemand direkt für die Flüchtlinge zuständig ist. "Es muss jemanden geben, der hauptamtlich verantwortlich ist. Wenn ich die Neuankömmlinge mit dem Auto fahre und es passiert etwas, gibt es keine Versicherung", so Anette Pekrul. Peter Rotter meinte: "Die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Staßfurt sollte zur Integrationsbeauftragten berufen werden. Der Beschluss war im Stadtrat, wurde aber leider in die Ausschüsse zurückverwiesen." In diesem Punkt sei die Stadt also noch nicht weitergekommen. Die Stelle des Integrationsbeauftragten des Salzlandkreises ist ebenfalls nicht neu besetzt worden.

Bei vielen Erledigungen brauchen Flüchtlinge die Hilfe der deutschen Bürger, die dafür wiederum viel Zeit investieren müssen. "Es geht um Anmeldungen für Kita und Schule, die Behandlungsscheine für Ärzte, die sie telefonisch abfordern müssen und vieles mehr", sagte Claudia Osterwald. Nicht alle Ärzte behandeln Patienten, deren Sprache sie nicht verstehen. In Förderstedt habe sich glücklicherweise ein Hausarzt gefunden, der dies tut.