Staßfurt l Der Staßfurter Arbeitskreis zur Flüchtlingshilfe hat sich kürzlich zum zweiten Mal getroffen. Während konkrete Hilfe vor Ort vor allem durch Bürger zustande kommt, plant der zuständige Salzlandkreis etliche Hilfen für die Neuankömmlinge, die die Situation bald verbessern könnten.

Zunächst zur Lage in Staßfurt: "Auf ehrenamtlicher Basis ist viel angelaufen", erklärte Stadtrat Johann Hauser, der selbst eine Familie in seine "Obhut" genommen hat. Zwei Frauen und Wehrleiter Hans-Jürgen Lärz kümmern sich in Förderstedt um eine syrische Familie. Anette Pekrul unterrichtet in Staßfurt 15 Asylbewerber im Deutschen, gibt Hilfestellungen und hat eine Familie in ihrer persönlichen Betreuung. Weitere Staßfurter kümmern sich um ihre neuen Nachbarn, Kleiderspenden kommen schnell zusammen. Für den Einsatz all dieser Menschen bedankte sich Oberbürgermeister René Zok.

"Die Betreuung einer einzigen Familie ist ein riesiger Aufwand."

"Es wird zur Thematik ab jetzt einen Bericht meinerseits im Sozialausschuss und Stadtrat geben", erklärte er René Zok. Ein konkretes Konzept der Stadt forderten Stadtrat Walter Blauwitz und Anette Pekrul ein. Sie sagte: "Alle Flüchtlinge, die zu uns in den Kurs kommen, haben Probleme. Wir können das kaum leisten. Die Betreuung einer einzigen Familie ist ein riesiger Aufwand. Bitte beeilen Sie sich mit Ihrem Konzept!"

Da es Aufregung bei den Mietern in den Wohnblöcken der Straße der Solidarität und Völkerfreundschaft, wo Flüchtlinge untergebracht sind, gab, hat die Wohnungs- und Baugesellschaft (Wobau) Staßfurt im Dezember eine Mieterversammlung durchgeführt. "Es war eine sehr emotionale Diskussion. Es gibt viele Ängste bei den deutschen Mietern, und es ging um das Nichteinhalten der Hausordnung", erklärte der Wobau-Chef Dieter Naumann.

Seluan Al-Chakmakchi, der die Flüchtlinge als Mitarbeiter des Kreises betreut, hat den Flüchtlingen die Hausordnung daraufhin noch einmal in Gesprächen und Briefen vermittelt. "Sie versuchen sich daran zu halten ... aber Kinder sind nun einmal lebhaft", erklärt er. Nicht alle Konflikte zwischen alten und neuen Mieter könnten gelöst werden. Er machte auch klar, dass es unmöglich ist, gewisse Nationalitäten im selben Block unterzubringen: "Die zuweisende Stelle entscheidet tagtäglich neu, welche Menschen zu uns kommen."

Wird ein Asylantrag positiv beschieden, müssen die Ausländer aus den Wohnungen für die Neuankömmlinge heraus, fallen in den Bezug des SGB II des Jobcenters. Offenbar lassen diese Wohnungen, die die Wobau den Flüchtlingen dann anbietet, teilweise zu wünschen übrig. "Das liegt an den Vorgaben des Jobcenters, das die Miete nur bis zu einem gewissen Preis zahlt. Die Vorgaben wurden nicht an das aktuelle Preisniveau angepasst", erklärt Dieter Naumann.

"Wir kämpfen hier nicht um ein Event, sondern um Normalität."

Die Wobau lässt jetzt weitere Wohnungen für Flüchtlinge renovieren. Ralf-Peter Schmidt, Vorsitzender des Sozialausschusses, trug dem Oberbürgermeister auf, auch bei der Umland Wohnungsbaugesellschaft nach geeigneten Wohnungen zu suchen. Außerdem wollen zwei private Vermieter aus Staßfurt bald an Flüchtlinge vermieten. Auf ein Willkommensfest will der Arbeitskreis verzichten. "Wir kämpfen hier nicht um ein Event, sondern um Normalität", machte Ralf-Peter Schmidt deutlich.

Neu ist, dass Staßfurter Bürger, die sich ehrenamtlich um Flüchtlinge kümmern, von der Verwaltung namentlich erfasst werden und damit versichert sind - für den Fall eines Autounfalls oder anderes. "Wir würden uns freuen, wenn sich weitere Menschen dafür finden würden", sagte Oberbürgermeister René Zok. Interessenten können sich bei seiner Sekretärin Veronika Schulze (03925/981200) melden.

Während der Salzlandkreis pro Monat bisher 70 bis 80 Personen aufgenommen hat, werden es in Zukunft 80 bis 100 sein. Im Januar zum Beispiel sollen es 88 sein, verdeutlichte die in der Kreisverwaltung zuständige Fachbereichsleiterin Reingard Stephan die steigende Tendenz. Sie berichtete, dass der Kreistag im März ein Betreuungskonzept für Flüchtlinge beschließen will, wozu unter anderem "Soziallotsen" gehören. Zwei Soziallotsen pro Mittelzentrum, einer pro Grundzentrum sollen in den Verwaltungen sitzen und Flüchtlingen bei Anträgen helfen. Mit Verbänden und Vereinen will der Kreis Projekte und Sprachkurse umsetzen. "500000 Euro haben wir dafür in den Haushalt eingestellt", sagte Reingard Stephan. Das Geld ist aufgrund der Dringlichkeit sofort verfügbar, auf einen Haushaltsbeschluss muss nicht gewartet werden. "Staßfurter Einrichtungen wie die Urania oder Frau Pekrul können ihre Projekte und Kurse bei uns einreichen und einen Teil des Geldes abrufen", sagte sie.

Ein dickes Lob ihrerseits ging an den Arbeitskreis des Oberbürgermeisters insgesamt: "Staßfurt ist das einzige Großgebiet, das sich der Pro-blematik in dieser Form stellt." Dies sei im ganzen Salzlandkreis einzigartig.

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