Für unzählige Tierfreunde hatte Dr. Max Bothin aus Groß Börnecke in den vergangenen 50 Jahren ein offenes Ohr. Seit knapp einem Monat ist seine Praxis geschlossen. Der Veterinärmediziner verabschiedete sich Ende 2014 schweren Herzens in den wohlverdienten Ruhestand. Tiere sind aber auch weiterhin sein Ein und Alles.

Groß Börnecke l Der erste Patient von Dr. Max Bothin war ein Pferd in Hakeborn. Daran kann sich der Tierarzt mit dem freundlichen Wesen noch sehr gut erinnern. Das war vor über 50 Jahren, erzählt er. "Das Tier hatte eine Kolik, also Bauchschmerzen." Nach der Behandlung und einer Spritze sei es ihm aber wieder gut gegangen, erinnert sich der Groß Börnecker.

Am 1. April 1963 kam der damals 26-Jährige zusammen mit seiner Freundin und späteren Frau aus Sachsen nach Groß Börnecke, weil dort ein Tierarzt im Bezirk gesucht wurde. "Für mich stand die Wahl, entweder nach Groß Börnecke oder Groß Rosenburg zu gehen", denkt Max Bothin zurück. Die Entscheidung für die damals zur Verfügung gestellte Praxis in der heutigen Stadt Hecklingen hat er nicht bereut. Auch wenn er seinem Geburtsort den Rücken kehrte. 1937 in Groß Lehna bei Leipzig geboren und aufgewachsen, hatte Max Bothin auf dem Bauernhof der Eltern schon als Kind immer Tiere um sich. Mutter und Vater waren Kleinbauern. Auf dem Hof entdeckte er sein Interesse für den späteren Beruf und die Liebe zu Tieren. Das führte ihn nach Leipzig, wo er an der damaligen Karl-Marx-Universität Veterinärmedizin studierte und danach praktische Erfahrungen als Pflicht-Assistenzarzt in Halberstadt und Höthensleben sammelte.

In Groß Börnecke zählten große Tiere zu seinen ersten Patienten. Max Bothin behandelte hauptsächlich Rinder, Schafe und Schweine der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG) Hakeborn, Unseburg, Groß Börnecke und Schneidlingen. Die Betriebe wurden dem jungen Tierarzt damals zugewiesen. In seiner Praxis in Groß Börnecke kamen aber auch private Leute vorbei, die Hilfe für Haustiere suchten.

Nach der Wende sattelte der Tierarzt immer mehr zur Kleintierbehandlung um. Unzählige Katzen, Hunde, Hamster und Meerschweinchen zählten zu seinen tierischen Patienten. Wenn sie schnell wieder gesund wurden, war das immer wieder ein Glücksmoment für den Tierarzt. Tieren zu helfen, das sei für ihn das Besondere an seinem Beruf gewesen, sagt Max Bothin, wohlwissend, dass die Genesung keine Selbstverständlichkeit ist. Traurige Momente zählten ebenfalls dazu, eben wenn es keine Hoffnung mehr gab und er Tieren den Schmerz nehmen musste. Er kann aus eigener Erfahrung nachvollziehen, wie sehr ein Haustier ans Herz wachsen kann.

Im Moment kümmert sich der Tierarzt a.D. um die eigenen sechs Katzen und zwei Schildkröten, die ihm gehören. Tiere sind auch weiterhin sein Ein und Alles. Max Bothin weiß noch nicht, was aus seiner Praxis wird. "Vielleicht findet sich ein Nachfolger", hofft er. Der Tierarztkoffer steht für eine mögliche Übergabe seit Anfang des Jahres auf jeden Fall einsatzbereit.