Gern wäre sie noch geblieben. Doch Ursula Telge macht heute das letzte Mal als Schulleiterin die Tür der Grundschule Ludwig Uhland hinter sich zu. Sie muss gehen - mit 65 Jahren.

Staßfurt l Ihr Lehrerkollegium hatte sie schon Anfang der Woche von der Schulbank auf eine Gartenbank gesetzt. Donnerstagvormittag war Ursula Telge erneut den Tränen nah, als eine Abordnung der Viertklässler im Sekretariat stand und ein liebevoll gestaltetes Buch zum Abschied überreichte. Alle 270 Kinder der Schule hatten sich mit ihren kleinen Händen darin verewigt.

"Es ist schön in Rente zu gehen, aber es wird mir was fehlen", bekennt die gebürtige Magdeburgerin, die 1966 mit der Hospitation als Studentin des Instituts für Lehrerbildung Staßfurt erstmals "ihre" Uhlandschule betrat. 48 Jahre - mit wenigen Unterbrechungen - blieb es ihre Schule. Generationen von Kindern sind ihr hier ans Herz gewachsen. Und die sind es auch, die sie am meisten vermissen wird.

Ursula Telge wird von ihren Kollegen als ehrlich und direkt beschrieben. Was sie besonders an ihr schätzen, sei die Art, mit Kindern umzugehen. Sie habe für jedes ein offenes Ohr und öffne ihr Herz für jedes Kind, egal, aus welchem Elternhaus es kommt.

"Ich wollte immer Lehrerin werden. Das habe ich auch nie bereut."

Und wie haben sich die Kinder rückblickend entwickelt, Frau Telge? "Sie sind heute selbstbewusster, selbständiger. Früher waren die Schüler doch ruhiger, artiger. Es war aber immer ein angenehmes Arbeiten gewesen. Ich wollte immer Lehrerin werden. Das habe ich auch nie bereut", so die 65-Jährige, die nach der Rentenreform schon einen "Strafmonat" länger arbeiten durfte. Wenigstens noch das Schuljahr zu beenden, ist ihr leider nicht vergönnt.

Sie gehört ab morgen zur Reihe der ehemaligen Direktoren und Leiter, mit denen sie selbst in der Uhlandschule unterrichtete. Von ihrer ersten Chefin angefangen ("Fräulein Südecum hat bei uns immer noch die Rocklänge kontrolliert."), über die Direktoren Barczinski und Fürstenberg bis zuletzt Lutz Sentner, mit dem Ursula Telge 1991 die Aufteilung der damaligen Polytechnischen Oberschule in die Grundschule und die Sekundarschule erlebte.

"Wir haben die Schulreform gemeistert und viele Politiker- und Politik-Wechsel mitgemacht", bemerkt die Grundschulleiterin an ihrem vorletzten Tag noch.

"Wir haben die Schulreform gemeistert und viele Politiker- und Politik-Wechsel mitgemacht."

Die schönsten Höhepunkte in ihrem Schuldienst seien immer die Einschulungen gewesen, "wenn die Kleinen mit großen Augen gucken, was da wohl mit der Schule auf sie zu kommt. Aber auch, wenn man sie nach vier Jahren Begleitung und Entwicklung wieder abgeben muss."

Bis vor wenigen Tagen wusste Ursula Telge übrigens nicht, wer ihre Nachfolgerin wird. Genau genommen weiß man das noch immer nicht. Denn Kathrin Hätsch-Johannes wird als Leiterin der Grundschule Westeregeln nur zweimal die Woche Stundenweise nebenbei die amtlichen Geschäfte der Uhlandschule führen. Fest steht derweil Petra Ring als "Leitende Lehrkraft".

Wenn Ursula Telge nun heute das letzte Mal verabschiedet wird, werden Garten, drei Enkel und hoffentlich noch viele Jahre Reisen bei Gesundheit und mit ihrem Mann Volker ihr Leben im (Un-)Ruhestand bestimmen. Reisen wird ja jetzt auch günstiger - außerhalb der Ferien...

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