Die sich ändernde Schullandschaft in der Egelner Mulde beschäftigt den Verbandsgemeinderat. Am Mittwoch gestanden die Politiker ihr Versagen in der Frage des Gymnasiums öffentlich ein.

Egeln l Die Veränderung der Bildungslandschaft in der Egelner Mulde führte am Mittwochabend erneut zu einer leidenschaftlichen Debatte im Verbandsgemeinderat. So beklagte Verbandsgemeindebürgermeister Michael Stöhr in der Zukunft eine "Bildungsarmut". Er rechne mit dem Fortfall des Gymnasiums in Egeln damit, dass die Zahl der Kinder abnehme, die ein Abitur ablegen werden, sagte er. Anstatt die Kinder jeden Tag stundenlang in den Bus zu setzen, werden Eltern ihre Kinder in die Egelner Sekundarschule bringen, rechnet er mit einem spürbaren Schüleraufwuchs in der Sekundarschule.

Die Lage der Stadt Egeln zwischen den größeren Städten war 1928 bereits der Grund dafür, in der Stadt ein eigenes Gymnasium zu gründen. Eigentlich habe sich dieser Grund bis heute nicht verändert, fuhr er fort. Nur mit großer Mühe gelinge es dem Landkreis, den Schülertransport zum Gymnasium Staßfurt in der gesetzlich festgelegten Zeit zu realisieren, erinnerte er. Möglich werde dies nur, weil der Kreis auch Taxis einsetze, die die Schüler von der Haustür direkt zur Schule fahren. "Ich befürchte, dass die Kosten für den Schülertransport die Kosten für die Unterhaltung des Gymnasiums Egeln übersteigen", sagte er weiter.

Sven Rosomkiewicz (CDU) hatte sich noch bei Stöhr erkundigt, wie die Mindestzahl in der neuen Gemeinschaftsschule für die Bildung von gymnasialen Klassen zu verstehen sei. Er habe das so verstanden, sagte Stöhr, dass nach der achten Klasse mindestens noch 50 Schüler das Abitur anstreben und dann wechseln. Er könne sich kaum vorstellen, dass diese Schülerzahl zustande komme, meinte er weiter.

"Dazu fehlen die Kinder", meinte Manfred Püchel (SPD). Schüler, die einmal auf das Gymnasium gegangen sind nach der Grundschule, kommen nicht wieder. Ulrich Biermann (Linke) sieht sich vom Landkreis in der Gymnasium-Frage hinters Licht geführt. Das Ende des Egelner Gymnasiums sei eigentlich schon vor Jahren von einigen Leuten besiegelt worden, ist er überzeugt. Er warte jetzt nur noch darauf, dass das Gymnasium in Egeln verkauft werde und daraus ein Seniorenheim gemacht werde, prophezeite er.

Die Politik hätte früher und mehr mit den Familien reden müssen, um die Schülerzahlen für das Gymnasium zu bekommen, meinte Peter Fries (CDU). "Wenn wir alle an einem Strang gezogen hätten, dann hätten wir es gepackt", zeigte sich Manfred Püchel überzeugt.

Zwar hat Egeln noch eine Außenstelle des Staßfurter Gymnasiums. Allerdings dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, bis das Haus seine Türen schließt. Neue fünfte Klassen wurden wegen zu geringer Schülerzahl nicht erst eröffnet. Die vorhandenen Klassenstufen werden noch in der Kleinstadt unterrichtet. In einigen Jahren dürfte die Klassenzahl aber schon so gering sein, dass sich der personelle Aufwand kaum noch lohnen dürfte, glaubt der Verbandsgemeindebürgermeister. Die Eltern, die ihre Kinder auf das Gymnasium schicken wollen, suchen nun nach Alternativen, weiß er. Neben Staßfurt spielt ebenso das Gymnasium in Wanzleben eine Rolle. Mitunter ist die Fahrstrecke hier kürzer, als nach Staßfurt. Vor allem für die Bewohner von Börde-Hakel ist Wanzleben beispielsweise eine echte Alternative zu Staßfurt, sagte er.