Trotz großer Finanzsorgen möchte die Stadt Hecklingen das Volkshaus in Cochstedt nicht aufgeben. Mängel über eine halbe Millionen Euro wurden am Gebäude aufgedeckt. Der Saal ist wegen statischer Probleme am Dach seit Monaten gesperrt. Die Verwaltung klammert sich jetzt an die Hoffnung, Geld von der Europäischen Union als Zuschuss über das Fördeprogramm Leader zu erhalten.

Cochstedt/Hecklingen l Hat das Volkshaus eine Zukunft? Diese Frage scheint berechtigt. Seit knapp einem halben Jahr ist der Saal geschlossen. Statische Probleme am Dach machen eine Nutzung unmöglich. Ein Gutachter hat der Stadt Hecklingen Anfang des Jahres bescheinigt, dass der Sanierungsaufwand zum Erhalt des Volkshauses in Cochstedt viel höher als ursprünglich geplant ausfällt. 550 000 Euro müssten in die Hand genommen werden (die Volksstimme berichtete). Hecklingen kann sich als finanziell notleidende Kommune solche Ausgaben aber nicht leisten und ist auf Zuschüsse in Form von Fördermitteln angewiesen.

"Vier Millionen Euro - mit dieser Größenordnung kann die Region auch in der kommenden Fördeperiode rechnen."

Dazu sagte die Leiterin des Bau- und Ordnungsamtes der Stadt Hecklingen Sigrid Bleile jetzt, dass sie im Förderprogramm "Leader" der Europäischen Union die einzige Möglichkeit sieht, den Cochstedter Kultursaal zu retten.

Mit "Leader" (siehe Infokasten) haben sich Staßfurt, Egeln und Hecklingen als Region "Börde-Bode-Auen" in den zurückliegenden Jahren um Fördermittel beworben und bereits profitiert. Vereine, Vertreter der Städte und private Personen arbeiten zusammen. Über vier Millionen Euro Fördermittel konnten bereits eingeworben werden. "Mit dieser Größenordnung kann die Region auch in der kommenden Fördeperiode rechnen", kündigt Leader-Projektleiterin Gudrun Viehweg in einer Pressemeldung an. Hecklingens Hoffnungen ruhen daher darauf, einen Teil des Geldes nach Cochstedt zu holen. Eine andere Alternative für das Volkshaus sei nicht zu sehen, sagt Sigrid Bleile. Eine Bewerbung um Fördermittel über den Denkmalschutz sei mit Sicherheit nicht erfolgversprechende, meint sie. Dafür sei das Volkshaus zu klein. Dieses Programm komme eher für Burgen oder Schlösser infrage, argumentiert die Amtsleiterin.

Wie geht es jetzt weiter? Zunächst werden Mitarbeiter der Stadtverwaltung auch künftig an Beratungen der Leader-Aktionsgruppe "Börde-Bode-Auen" teilnehmen.

Jetzt soll der Bauausschuss das Thema beraten

Außerdem möchte Sigrid Bleile das Thema auf die Tagesordnung der kommenden Beratungen des zuständigen Bau- und Ordnungsausschusses setzen. Ziel müsse es sein, einen Fahrplan zu entwickeln. Das Gutachten mit der Einschätzung der Gesamtkosten sei die Grundlage für das weitere Handeln. "Es ist gut, dass wir diese Kostenschätzung jetzt in der Hand haben." Nur darauf basierend könne ein Weg gefunden werden, die Rettung der Einrichtung einzuleiten.

Vereine wie die Karnevalisten vom CKV, die den Saal in ihrer laufenden Session nicht nutzen können, sind im Moment die Hauptleidtragenden. Mitglieder waren immer wieder nach Hecklingen gefahren, um an Beratungen des Stadtrates teilzunehmen und ihre Sorgen anzusprechen. Veranstaltungen mussten in Nachbarorte verlagert werden. Auch wenn schon viele Karten verkauft wurden, der Karneval muss ein Heimspiel bleiben, sagen die Jecken. Sie bedauern es, das Volkshaus in diesem Jahr nicht nutzen zu können. "Wir sind im Moment ein Wanderzirkus", meint Vereinsmitglied Anke Stein. Jetzt gehe es darum, die Resonanz abzuwarten. Danach müsse entschieden werden, wie es mit dem Karneval weiter geht, sagte sie. Denn Ausweichquartiere in anderen Orten seien auf Dauer natürlich keine Lösung. Der Verein hofft daher auf ein positives Signal seitens der Stadt, wenn es darum geht, ein Fördeprogramm anzuschieben, dass einen Großteil der Kosten decken kann. Cochstedts Ortsbürgermeister Wolfgang Weißbart würde das ebenfalls begrüßen. Er sieht es aber als Problem, die Eigenmittel zum Zuschuss zu finanzieren. Denn im Haushalt der Stadt Hecklingen klafft seit Jahren ein riesiges Loch. Über 14 Millionen Euro beträgt das Defizit im Moment. Zwar wurde der Stadt vom Land jetzt in Aussicht gestellt, am Entschuldungsprogramm Stark IV teilzunehmen. Dafür müsste die Kommune aber weiter sparen und Steuern anheben. Ob es dazu kommt, ist offen.

"Wir sind im Moment ein Wanderzirkus."

Fest steht aber: Die Schäden am Volkshaus in Cochstedt werden der Immobilie weiter schaden, wenn nichts passiert. Das Hauptproblem ist das Dach und der Dachstuhl. Hier sind statische Mängel nachgeweisen worden. Auch Nässeschäden im Inneren bereiten große Sorgen. "Im Moment sind wir auf der Suche nach der besten Lösung", so Wolfgang Weißbart. Wie diese aussieht soll in einer der kommenden Beratungen im Bauausschuss besprochen werden. Wolfgang Weißbart und sein Ortschaftsrat haben den Ausschuss auf jeden Fall nach Cochstedt eingeladen.