Der internationale Flüchtlingsstrom ist auch bei der Urania spürbar. Im aktuellen Integrationskurs sind elf Nationalitäten vertreten. Der größte Wunsch der Teilnehmer: Arbeit.

Staßfurt l Satinderjit Singh aus Indien sagt: "Mein Name ist Herr Singh, ich bin seit 2007 in Staßfurt und komme aus Indien". Er kann seine Hobbys und seinen Beruf nennen, sein Deutsch ist fließend und klar und vor allem erstaunlich gut, wenn man bedenkt, dass der Kurs erst Ende Oktober begonnen hat.

Unter den 21 Kursteilnehmern sind Menschen, die aus Krisengebieten geflüchtet sind: Zwei junge Männer und eine Frau mit ihrer 18-jährigen Tochter aus Syrien und eine 24-jährige Frau von der Krim-Halbinsel.

"In der nächsten Woche kommen neue Teilnehmer hinzu", sagt die Dozentin Anneliese Deubeler. Einige müssen lange auf so einen Kurs warten: Satinderjit Singh ist seit 2007 in Staßfurt, durfte aber erst jetzt dabei sein. "Manchmal dauert es tatsächlich solange bis die Anträge durch sind", sagt Urania-Geschäftsführerin Andrea Maindok.

Erst wenn der Asylbewerber einen bestimmten Aufenthaltstitel hat - in der Regel dauert es drei Monate bis ein Antrag überhaupt bearbeitet ist - darf er an dem Integrationskurs teilnehmen. "Nach diesem Kurs haben die Teilnehmer einen richtigen Abschluss, die sogenannte Niveaustufe B1. Dadurch werden sie beim Jobcenter als arbeitssuchend aufgenommen", erklärt Andrea Maindok. Dieser Integrationskurs ist in Staßfurt der einzige, der die Ausländer für die Vermittlung auf den ersten Arbeitsmarkt befähigt.

Die Deutschkurse, die bald über die Kreisvolkshochschule in Staßfurt beginnen und auch der Kurs von Walter Blauwitz bei der Urania ist ein Grundkurs ohne Abschluss, eine Art Vorbereitung. "Dort wird mit einfachen Dingen wie Schreiben, der Unterscheid zwischen kleinen und großen Buchstaben, mit Bilderkarten und ähnlichem begonnen", so Andrea Maindok. Organisiert wurden diese Kurse in Zusammenarbeit mit der Kreisverwaltung.

Der halbjährige Integrationskurs aber wird über das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge finanziert und umfasst 660 Stunden. "Normalerweise führen wir einen Kurs im Jahr durch, aber wenn dieser endet, fangen wir gleich mit dem nächsten an, wegen der großen Nachfrage", so Andrea Maindok. Sobald die Asylbewerber eine Erlaubnis zum Aufenthalt bekommen, dürfen sie sich selbständig in so einem Kurs anmelden.

Der Kurs ist für viele die Voraussetzung, um Arbeit zu bekommen. "Ich möchte arbeiten", sagt Satinderjit Singh und viele weitere Teilnehmer äußern diesen Wunsch auch. Einen Nebenjob haben aber nur ein Grieche, der nachmittags als Kellner arbeitet, und Olga Teslenko (24), die in ihrer Heimat, der Krim, Englisch auf Lehramt studiert hat und bei der Urania nun einen Englischkurs gibt.

Christina Numes Da Silva De Sousa (39) aus Portugal ist nach Deutschland gekommen, um ihren drei Kindern eine bessere Zukunft zu bieten. Die 47-jährige Elena Gordienko folgte ihrer Familie von Russland nach Staßfurt. Olga Malgorzata Pieczykolan (24) lebt in der Bodestadt, weil ihr Mann hier Arbeit hat. Und der Rumäne Stefan-Victor Secara (25) hatte über drei Ecken Kontakt zum HV Rot-Weiss Staßfurt. "Ich bin wegen des Handballs nach Staßfurt gekommen", sagt der studierte Jurist.

Als die Teilnehmer gefragt werden, wie sie Staßfurt finden, sagt Nikolay Maier (30): "Staßfurter ist ruhiger als Moskau" und sorgt für einen Lacher. Der Diplombiologe findet die Altstadt schön und sein Wohngebiet in Nord ganz "bequem", denn da seien alle Geschäfte vorhanden. Satinderjit Singh meint: "Ich fühle mich wohl, weil meine Familie hier ist, auch wenn es nicht viel zu sehen gibt in der Stadt."

Anneliese Deubeler ist stolz auf ihre Schüler: "Am Anfang waren sie sehr ängstlich, aber jetzt ist das Eis gebrochen. Sie sind aufgeschlossen und sehr fleißig. Über die Weihnachtsferien wollten sie Hausaufgaben für zuhause haben, damit sie etwas lernen können."

Die Prüfung steht im Juni an. "Deutsch ist sehr schwer", lächelt Satinderjit Singh.