Die Mitgliederversammlung des Mietervereins Staßfurt hat sich einstimmig für eine Fusion mit dem Mieterverein in Bernburg ausgesprochen. Sie soll rückwirkend zum 1. Januar wirksam werden.

Staßfurt l Mit den 17-Ja-Stimmen fiel die Abstimmung über das Zusammengehen und über den Verschmelzungsvertrag mehr als eindeutig aus, denn es wäre nur eine Zweidrittel-Mehrheit von 13 Stimmen notwendig gewesen. Die Bernburger wollen darüber am 21. Februar in einer Mitgliederversammlung entscheiden.

Mit dem Zusammenschluss erhöht sich die Mitgliederzahl des größeren Vereins um rund 215 auf 1015, wobei die Staßfurter automatisch übergeleitet werden. Das gelte allerdings nicht für diejenigen, die dagegen Widerspruch einlegen, sagte Peter Kaufmann, der beide Vereine als Vorsitzender leitet.

"Zur Fusion mit Bernburg gab es bereits seit 2013 ernsthafte Überlegungen. Diese Erkenntnis reifte auch in Beratungen des Landesverbandes in den letzten Jahren. Dass so ein Zusammenschluss vorteilhaft sein kann, wurde durch die regelmäßige Teilnahme von den Staßfurter Vorstandsmitgliedern an den Vorstandssitzungen in Bernburg bestätigt. Viele Aufgaben und Entscheidungen sind in beiden Mietervereinen sehr ähnlich. Die Kräfte können so gebündelt werden. Die Erfahrungen gehen schnell von einem Verein zum anderen über. Das alles führte auch schon zum Vorteil für die Mitglieder, die eine qualifizierte Beratung und politische Vertretung bekommen", fügte Kaufmann hinzu.

Im November 2014 hatten dann beide Vorstände in getrennten Sitzungen einen Entwurf eines Verschmelzungsvertrages erarbeitet, beschlossen und den Mitgliedern vorgelegt.

Gegen das Vertragswerk hatte es keine Veränderungsvorschläge gegeben. Es sieht unter anderem vor, dass der Mieterverein Staßfurt sein Vermögen als Ganzes mit allen Rechten und Pflichten nach seiner Auflösung ohne eine Abwicklung dem Bernburger Verein im Wege der Verschmelzung durch Aufnahme überträgt. Die Übernahme des Vermögens des Staßfurter Vereins durch den Bernburger erfolgt mit Wirkung vom 1. Januar 2015.

Die Finanzlage beider Vereine bezeichnete der Vorsitzende als gut.

"Wir freuen uns, dass die Anlaufstelle des Mietervereins in Staßfurt erhalten bleibt."

Das neuen Gebilde erhält den Namen "Deutscher Mieterbund Bernburg Staßfurt e.V.", kurz "DMB Bernburg Staßfurt e.V." Der Bernburger Verein wird die Arbeit des Staßfurter ab dem Verschmelzungsdatum fortführen, heißt es im Vertrag weiter.

"Wir freuen uns, dass die Anlaufstelle des Mietervereins in Staßfurt erhalten bleibt,und wir jetzt nicht nach Bernburg müssen", sagte Christel Görmer aus Atzendorf. Sie dankte dem Vorstand, dass er auch der Ansprechpartner der Atzendorfer und für seine Mitglieder immer verfügbar sei.

Auf ihre Frage, wie sich der Mitgliedsbeitrag entwickeln wird, antwortete Kaufmanns Stellvertreter Hans-Jürgen Achilles: "Vorläufig ändert sich nichts."

Zuvor hatte der Vereinschef im Beisein von Vertretern der Mietervereine Aschersleben, Bernburg und Köthen die Arbeit im vergangenen Jahr noch einmal Revue passieren lassen. "Als unsere Hauptaufgabe sahen wir die konsequente Vertretung der berechtigten Mietrechtsinteressen unserer Mitglieder und unser mieterpolitisches Engagement an. Zur wirksamen Interessenvertretung gehört, dass Mieter rechtzeitig zu uns kommen, um ihre Angelegenheiten im Rahmen einer Vereinsmitgliedschaft erfolgreich klären zu können. Um unsere Beratungstätigkeit ordnungsgemäß erbringen zu können, nahmen wir regelmäßig an den vom Deutschen Mieterbund Sachsen-Anhalt und vom Bundesverband angebotenen Schulungsveranstaltungen teil und pflegten ebenfalls den Erfahrungsaustausch mit den benachbarten Mietervereinen", sagte Kaufmann. Mit gewissem Stolz konnte er berichten, dass 2014 kein Mitglied des Staßfurter Vereins von seinem Vermieter verklagt wurde.

"Im Raum Staßfurt gehen wir von durchschnittlich 4,40 Euro Kaltmiete aus."

Er verwies darauf, dass sich die Belastung der Mieter in den vergangenen Jahren weiter erhöht hat. Nach Angaben des Verbandes der Wohnungswirtschaft mussten sie 2013 33 Prozent des Haushaltseinkommens für ihre Wohnung ausgeben. Vor zehn Jahren waren dies noch 30 Prozent. Die Nettokalt-Miete stieg von 2012 auf 2013 um 2,2 Prozent. Bundesweit lag sie bei Bestandsmieten bei 5,42 Euro je Quadratmeter und die Bruttowarm-Miete bundesweit bei 8 Euro.

"Im Raum Staßfurt gehen wir von durchschnittlich 4,40 Euro Kaltmiete aus", sagte der Vereinschef. Die Nebenkosten erreichen durchschnittlich auch im Staßfurter Vereinsgebiet 2,85 Euro pro Quadratmeter, wenn alle Positionen anfallen. Davon betragen die Kosten für Heizung und Warmwasser 1,49 Euro pro Quadratmeter, was gegenüber 2012 wieder eine Steigerung darstellt, die zu hohen Nachzahlungen für viele Mitglieder führte.

Inzwischen sei klar geworden, dass die von der Bundesregierung angestrebte Mietpreisbremse im Raum Staßfurt nicht zum Tragen kommen werde.

Verein beobachtet Wohnungsbaupläne

Den Mietern versicherte Kaufmann: "Wir werden mit wachem Geist die Umsetzung des vorgesehenen Umstrukturierungskonzeptes der Wohnungs- und Baugesellschaft Staßfurt verfolgen. Zumal darin neben den Begriffen Abriss und Verkauf auch von sogenannten Mietanpassungen die Rede ist. Wir können den Mietern nur empfehlen solchen nicht sofort zuzustimmen, sondern Mitglied im Mieterverein zu werden und die Erhöhungsverlangen uns zur Kontrolle vorzulegen, denn auch solche Schreiben sind oft fehlerhaft."

So zum Beispiel die dem Mieterverein vorgelegten Nebenkostenabrechnungen bis zu 50 Prozent fehlerhaft gewesen. Es gebe immer wieder Versuche, Reparaturen, Verwaltungskosten und unberechtigte Forderungen einfach in diesen Abrechnungen zu verstecken. "Eine Praxis, der sich der Mieterverein erfolgreich entgegenstellte, wobei vielen Mitgliedern Geld erspart blieb", sagte Kaufmann. Die durch Einwendungen des Mietervereins gewonnen Geldbeträge lagen seinen Worten zufolge pro Mietverhältnis zwischen zehn und 100 Euro.