Gegen die geplante neue Schweinezuchtanlage bei Glöthe haben einige Nachbarn ihr Veto bei der zuständigen Genehmigungsbehörde eingelegt. Sie werfen dem Betreiber rücksichtsloses Verhalten vor. Dieser weist alle Vorwürfe zurück.

Glöthe l Seit den 1990er Jahren gibt es ein Problem zwischen den Familien, die am Ortsausgang von Glöthe wohnen, und Ingo Wöhler, dem Betreiber der Schweinezuchtanlage, die kurz hinter dem Ortsausgang liegt. Der Streit wird jetzt wieder aktuell, wenn es um die Genehmigung zum Bau von Wöhlers neuer Anlage, etwas weiter Richtung Eickendorf, geht.

Roswitha Venzke, die sich gemeinsam mit ihrem Ehemann Franz und ihren Nachbarn Sigrid und Ulrich Schulze gegen die neue Anlage wehrt, erklärt das Problem: "Es stinkt, manchmal jeden Tag." In der Sammelgrube für Gülle müsse Tongranulat eingefüllt werden, damit der Geruch vermindert wird, sagt sie. Aber Ingo Wöhler tue dies einfach nicht. "Im Sommer haben wir riesengroße Brummer bei uns im Garten. Der Gestank ist nicht auszuhalten", so Roswitha Venzke.

Ingo Wöhler ist ganz anderer Meinung: "Ich muss kein Granulat benutzen", sagt er über den Güllebehälter. Dieser würde auch nicht stinken, weil die Gülle nicht bewegt werde. "Aufgrund der Beschwerden der Familien war das Umweltamt drei oder vier Mal bei mir und hat kontrolliert. Es wurde immer festgestellt, dass es nicht stinkt." Was den Geruch der Schweine angeht, sagt er: "Schweine stinken immer." Dieser Geruch sei bei einer bestimmten Windrichtung nicht zu vermeiden. "Aber gerade deswegen habe ich den neuen Standort nach außen verlegt."

"Mit der Lebensqualität auf dem Lande ist es hier vorbei."

Dazu komme die Lärmbelästigung: "Da werden nachts die Schweine verladen." Es sei ein mörderischer Lärm, wenn die Schweine quieken, die Mitarbeiter laut reden und die Lkw auf das Gelände fahren. "Die Lkw mit dem Futter kommen früh am Morgen, auch das ist unzumutbar", erklärt Roswitha Venzke.

Ingo Wöhler muss auch das zurückweisen: "Die Schweine werden nachts nicht verladen. Die Lkw dürfen doch nachts gar nicht fahren. Es kam in zehn Jahren vielleicht einmal vor, dass die Schweine um 6 Uhr verladen wurden. Das Futter kommt per Lkw um 7 Uhr an." Der Lkw-Verkehr auf seinem Gelände würde abends bis maximal 18 Uhr dauern.

"Mit der Lebensqualität auf dem Lande ist es hier vorbei. Wir haben mit der Anlage nur unschöne Erfahrungen gemacht", beklagt Roswitha Venzke. Versuche, mit dem Betreiber ins Gespräch zu kommen, seien erfolglos verlaufen. Ingo Wöhler hingegen kann sich nicht erinnern, dass je ein Gespräch mit ihm gesucht wurde.

Was werde denn erst aus dem Dorf, "wenn man uns nun noch so eine blöde Anlage hinsetzt?", fragt Roswitha Venzke. Mit der neuen Anlage kämen noch mehr Lkw und noch mehr Lärm.

Deshalb haben die zwei Ehepaare eine gemeinsame Einwendung gegen den geplanten Bau gemacht: Für die Genehmigung einer solchen neuen Schweinezuchtanlage müssen die Pläne ausgelegt werden und alle Bürger und Ämter können ihre Bedenken eingeben.

Im Falle von Wöhlers neuer Schweinezuchtanlage wurde das Genehmigungsverfahren nach Paragraph 4 Bundes-Immissionsschutzgesetz mit Öffentlichkeitsbeteiligung geführt. Das Vorhaben wurde am 15. Januar 2014 im Amtsblatt des Landesverwaltungsamtes (LVwA) Sachsen-Anhalt und in der Volksstimme bekannt gemacht.

"Die Schweine werden nachts nicht verladen. Futter kommt 7 Uhr."

"Der Genehmigungsantrag und die dazugehörigen Unterlagen lagen ... in der Zeit vom 23. Januar 2014 bis einschließlich 24. Februar 2014 im LVwA in Halle, in der Stadt Staßfurt und im Bauamt der Gemeinde Bördeland aus", teilt das LVwA als Genehmigungsbehörde mit.

Die Ehepaare Venzke und Schulze haben ihre Einwendung fristgerecht abgegeben, mit den Hauptargumenten Gülle, Geruch, Lärm. Das war die einzige Einwendung, die es gab, teilt das LVwA mit. Der Erörtungstermin, wo Antragsteller und Einwender ihre Positionen vor dem LVwA darstellen konnten, fand am 1. April im Gemeindehaus Brumby statt.

"Das war unmöglich. Es ging um Glöthe und der Termin fand in Brumby statt, dazu noch in der Woche, am Vormittag von 10 bis 12 Uhr", erklärt Roswitha Venzke. Sie konnte erst 11 Uhr da sein, weil sie terminlich auf Arbeit eingebunden war. Als sie ankam, war der Spiegelsaal leer. "Wenn bis 12 Uhr drin steht, muss bis 12 Uhr jemand da sein", schimpft sie.

Ingo Wöhler war ab 10 Uhr da und sagt, es war keiner der Einwender anwesend, weshalb der Termin nach einer Stunde abgebrochen worden sei.

Die Nachbarn haben beim LVwA Widerspruch gegen die Art und Weise des Termins eingelegt und fordern einen Nachholtermin. "Bis heute haben wir keine Antwort erhalten", so Roswitha Venzke.

Ob die Einwendung der Nachbarn für die Behörde ausschlaggebend sind, ist noch unklar. "Aufgrund von baurechtlichen Nachforderungen konnte die Antragsprüfung bisher nicht abgeschlossen werden", teilt das LVwA mit. Details in den Bauplänen müssen überarbeitet werden (Volksstimme berichtete).