Zu einem schweren Verkehrsunfall kam es gestern bei Schönebeck. Auf der Umgehungsstraße stießen aus bisher noch ungeklärter Ursache ein Auto und ein Transporter zusammen. Dabei wurde eine Frau schwer, zwei Männer leicht verletzt.

Schönebeck l Die Wetter- und Sichtbedingungen sind an diesem Mittwochmorgen nicht unbeherrschbar. Die Sonne ist gerade vor 20 Minuten aufgegangen und steht hinter den Wolken. Die Temperatur ist jenseits des Gefrierpunktes, milde 5 Grad Celsius. Die Straße ist trocken. Trotzdem kommt es in diesem Moment auf der Umgehungsstraße von Schönebeck, der Bundesstraße 246a, zwischen der Kreuzung nach Felgeleben und dem Kreisverkehr nach Barby, zu einem schweren Verkehrsunfall, bei dem insgesamt vier Fahrzeuge beteiligt sind.

Der Unfall passiert unweit der landwirtschaftlichen Brücke. Also in unmittelbarer Nähe, wo es bereits im Juni des vergangenen Jahres zu einen schweren Verkehrsunfall kommt. Damals stoßen ein BMW und ein Taxi zusammen, ein Mann stirbt. So wie im Juni 2014 als auch gestern rätseln die Polizisten, warum das jeweilige Auto in den Gegenverkehr gerät.

Die Unfallhergänge von Juni 2014 und Februar 2015 ähneln sich: Gestern kommt kurz vor 7 Uhr ein VW aus Richtung Kreisverkehr nach Barby. Wie Joachim Beckert vom Polizeirevier des Salzlandkreises gestern Nachmittag mitteilt, gerät die Fahrerin mit ihrem Auto nach links auf die Gegenfahrbahn und fährt dort verhängnisvoll in den Gegenverkehr. Im gleichen Moment kommt ihr ein Kleintransporter mit Anhänger entgegen. Beide Fahrzeuge krachen mit ihrer hohen Geschwindigkeit fast ungebremst aufeinander und stoppen abrupt.

Wenige Sekunden später kommt es dort zu einem Auffahrunfall zwischen zwei weiteren Fahrzeugen.

Hinter dieser kleine Kolonne befindet sich zum gleichen Zeitpunkt ein 40-Tonnen-Laster. Der Fahrer sieht voraus nur den Qualm des Zusammenstoßes und steigt mit voller Kraft auf die Bremse. "Ich bin froh, dass ich da nicht noch reingefahren bin", gibt er später der Volksstimme zu Protokoll.

Um kurz nach 7 Uhr gehen bei den Kameraden der Freiwilligen Feuerwehren Tischlerstraße und Bad Salzelmen der Pieper. Sie werden zu der Unfallstelle beordert. "Wir sind insgesamt mit 24 Kameraden rausgefahren", berichtet Stadtwehrleiter Ronald Mühlsiegel auf Anfrage der Volksstimme. Schnell haben die Kameraden die Technik bereit, um den verunglückten VW aufzuschneiden. Beide Türen werden entfernt, die A-Holme durchtrennt und das Dach zurückgeklappt. Zudem wird auf der Fahrerseite noch der B-Holm von unten abgeklemmt.

"Die beiden Feuerwehren haben gezeigt, dass sie ein eingespieltes Team sind", so der Stadtwehrleiter. "Jeder Kamerad hat genau gewusst, was zu machen ist. Alles geht sehr konzentriert zu."

In kurzer Zeit haben die Kameraden Platz geschaffen, damit Notarzt und Rettungssanitäter die schwerverletzte Frau versorgen können. Währenddessen landet ein Rettungshubschrauber auf der Bundesstraße und bringt die Verletzte anschließend in die Magdeburger Uniklinik. Die beiden Arbeiter aus dem Transportfahrzeug werden ins Schönebecker Klinikum eingeliefert. Die beiden Fahrer des nachfolgenden Auffahrunfalls bleiben unverletzt.

Die Aufräumarbeiten dauern bis 11.15 Uhr an, danach wird die Vollsperrung der Bundesstraße aufgehoben.

Für die erfahrenen Polizisten beginnt jetzt die Ermittlungsarbeit. Sie müssen versuchen zu klären, warum die Autofahrerin in dem schwarzen VW auf die Gegenfahrbahn geriet. Und sie werden sicherlich den Unfall vom Juni 2014 nochmals mit dem von gestern vergleichen: Warum kommt es innerhalb von nur acht Monaten an fast gleicher Stelle zu zwei schweren Verkehrsunfällen mit ähnlichen Folgemustern?

Nach ersten Einschätzungen der Experten des Polizei- revieres in Bernburg ist die Stelle kein Unfallschwerpunkt.

Auch aus Sicht der Landesstraßenbaubehörde gibt es an jener Stelle keine Auffälligkeiten. "Alle Parameter und Trassierungsvorschriften wurden eingehalten", informiert Uwe Langkammer, amtierender Präsident der Straßenbaubehörde auf Nachfrage.

Unterdessen verweist Stadtwehrleiter Ronald Mühlsiegel nochmals auf etwas, was sowieso selbstverständlich sein sollte: "Kommen andere Autofahrer auf eine Unfallstelle zu, sollten sie so weit wie möglich rechts an den Straßenrand heranfahren und nie bis zu Unfallstelle vor, um Rettungsfahrzeugen den nötigen Platz zu lassen", fordert er nochmals auf.

Bilder