Cochstedt l In Cochstedt plant der Landwirt Hans-Heinrich Voges den Bau eines großen Hühnerstalls. Dazu soll ein unter Denkmalschutz stehender Gebäudekomplex der ehemaligen LPG an der Friedensstraße genutzt werden. Voges erklärte gestern im Volksstimme-Gespräch, dass er den Innenraum des derzeit nicht genutzten Hauses herrichten will. Äußerlich werde sich an dem Objekt nicht viel verändern. Vorläufig wolle er einen Stall für rund 4600 Hennen bauen. Darauf angesprochen, ob die Zahl der Tiere sich in Zukunft erhöhen könnte, erklärte Voges, dass es vorläufig bei dem angedachten Bestand bleiben soll. Was in ferner Zukunft mit dem Stall passiere, könne er im Moment nicht abschätzen, immerhin sei er mit 79 Jahren nicht mehr der Jüngste. Voges berichtet, dass er seit zehn Jahren in Cochstedt lebt. Als Landwirt sei er überwiegend im Ackerbau tätig.

Die Pläne seiner Hühnerfarm sind 170 Cochstedtern aber ein Dorn im Auge. Sie haben sich mit ihrer Unterschrift dagegen ausgesprochen, weil sie sich mit der Lage des Stalls nicht einverstanden erklären wollen.

Bürger, Ortschaftsräte und Bauausschuss sind dagegen

"Es kann nicht sein, dass eine Hühnerfarm gebaut wird, wo zirka 50 Meter weiter weg eine Kindertagesstätte steht und daneben Sport getrieben wird", ist der Cochstedter Sven Writte empört. Sein Haus steht in einem Wohngebiet wenige Schritte entfernt. Auch sein Nachbar Georg Drexel hat Sorge, dass der Hüherstall üble Gerüche mit sich bringt. "Gestank, Krach, schlechte Luft", bringt er die Ängste vieler Einwohner auf den Punkt. Mit ihrer Meinung stehen sie nicht allein.

Ortschaftsräte in Cochstedt haben das Vorhaben abgelehnt. Mitglieder des beratenden Bau- und Ordnungsausschusses der Stadt Hecklingen waren ebenfalls nicht dafür. Der Landkreis hat den Bauantrag zur Haltung von 4609 Legehennen zum Zweck der Eierproduktion jetzt aber genehmigt. Das fehlende Einvernehmen der Gemeinde wird mit der Baugenehmigung ersetzt. Pressesprecherin Alexandra Koch erklärte, dass die Genehmigungsbehörde rechtlich nicht die Möglichkeit gehabt habe, den Bauantrag abzulehnen.

In einer schriftlichen Stellungnahme der Landkreisverwaltung wird weiterhin darauf verwiesen, "dass aufgrund der geringen Anzahl an Hennen ... keine gravierenden Geruchsemissionen zu erwarten (sind)."

Ortsbürgermeister Wolfgang Weißbart begrüßt den Bau der Legehennenanlage. Entgegen der Meinung der Mehrheit seiner Räte sieht er in der Hühnerfarm für Cochstedt einen Lichtblick, weil der Landwirt was aus dem denkmalgeschützten Haus machen wolle. 4600 Hühner, das sei seines Erachtens keine Massentierhaltung, zumal Cochstedt ein landwirtschaftlich geprägter Ort sei.

Am Dienstag entscheidet sich, wie der Stadtrat in Hecklingen dazu steht. Hinter verschlossener Tür soll das Thema beraten werden.

Die Hoffnungen vieler Einwohner ruhen auf einer ablehnenden Haltung, sagt Georg Drexel. Er hat im Namen der Bürger bereits Widerspruch gegen die Baugenehmigung eingereicht und den Landrat persönlich angeschrieben.

Drexel meint, dass mit der Anlage nur drei Arbeitsplätze geschaffen werden. Landwirt Hans-Heinrich Voges konnte dazu gestern keine Information geben. Auf die Investitionssumme angesprochen, erklärt er, dass er sich jetzt zunächst einmal Kostenvoranschläge einholen möchte.

 

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