Staßfurt/Schönebeck l Die Kreisverwaltung hat ein Betreuungskonzept für Asylbewerber und Flüchtlinge erarbeitet, das bei der nächsten Kreisstagssitzung am 4. März beschlossen werden soll. Markus Bauer sieht die Umsetzung des Konzepts als eine Art Modellprojekt an, dessen Erfolg oder Misserfolg nur in dessen Verlauf ermessen werden kann.

Betreuung vor Ort

Zum einen soll die Betreuung vor Ort verbessert werden, indem sich "Soziallotsen" in direktem Kontakt um die Asylbewerber kümmern, sie zu Ämtern und bei wichtigen Wegen begleiten. In Aschersleben, Bernburg, Schönebeck und Staßfurt soll es je drei geben, in Calbe zwei, in Saale-Wipper und Seeland einen. Die Oberbürgermeister und Verantwortlichen vor Ort sollen jetzt überlegen, wer sich für diese Tätigkeit in der Schnittstelle zwischen Asylbewerber und Behörden eignet.

Für die ehrenamtliche Arbeit gibt es eine Aufwandsentschädigung von 150 Euro im Monat. Die Soziallotsen sollen Büros in den Gemeindeverwaltungen bekommen und durch das Landesnetzwerk Migrantenorganisationen in Sachsen-Anhalt geschult werden. "Diesbezüglich sind wir weiterhin auf der Suche nach Partnern, zum Beispiel sind wir mit Studenten der Arabistik an der Uni Halle im Gespräch", so Landrat Bauer.

Deutschkurse und Projekte

"Die Betreuung ist uns 2014 weniger gelungen, weil wir erst einmal mit der Unterbringung zu tun hatten", sagt Reingard Stephan, Fachbereichsleiterin für Gesundheit, Ordnung und Sicherheit. Jetzt hat die Kreisverwaltung mit freien Trägern acht Projekte anberaumt, die teilweise schon begonnen haben. Dazu wurden 500000 Euro im Haushalt des Kreises bereitgestellt.

Die Projekte umfassen Deutschkurse an den Kreisvolkshochschulen, Deutschkurse bei der Staßfurter Urania, Projekte zur Integration, Sprachförderung bei Kindern, Erziehungshilfe, zum Nachholen von Bildungsasbschlüssen, ein Willkommensbüro des Kreises, ein Projekt zur Vorbereitung von Kindern auf die Schule mit Rückenwind e.V. und eines zur Sicherstellung von Vorsorge-, Beratungs- und Wohnraumangeboten.

Für die Sprachkurse, die als Grundkurs über drei Monate angesetzt sind und die Verständigung im Alltag ermöglichen sollen, werden noch weitere Dozenten gesucht. Ein neuer Sprachkurs der Kreisvolkshochschule beginnt morgen in der Pestalozzi-Schule in Staßfurt.

Förderung der Kinder

Neben einem Projekt zur Sprachförderung von Asylbewerberkindern mit dem Internationalen Bund Aschersleben, sollen Kinder die Deutschgrundkurse ebenfalls nutzen können. Petra Czuratis, Fachbereichsleiterin für Soziales, Familie und Bildung, informiert, dass die Kreisverwaltung im Gespräch mit dem Landesschulamt ist, um weitere Lehrerstunden abzufordern. So könnten neuankommende Kinder die deutsche Sprache zunächst in separatem Unterricht an den Schulen erlernen.

Nach anfänglichen Problemen habe sich für Kinder jetzt ein standardisiertes Verfahren zur Anmeldung an Schulen ergeben: Nach der Anmeldung im Einwohnermeldeamt folgt die schulärztliche Untersuchung und die Anmeldung an der Schule. Zur Zeit leben 135 Asylbewerberkinder im Alter von sieben bis 14 Jahren im Salzlandkreis, im Alter von 15 bis 18 Jahren sind es 40.

Unterbringung

Die Unterbringung der Asylbewerber müsse nach wie vor in Gemeinschaftsunterkünften und Wohnungen passieren, so Reingard Stephan (siehe Infokasten). Sie sagt auch: "Ausgehend von der weiter steigenden Anzahl an Flüchtlingen können wir auf die politische Einstellung mancher Menschen keine Rücksicht nehmen. Die Leute stehen vor der Tür und wir müssen handeln". Die Tendenz werde weiter zur Wohnungsunterbringung gehen und vermehrt auch in kleinen Städten und Ortschaften stattfinden.

Aufklärung

Landrat Markus Bauer betonte, dass "das Mitnehmen der Bürger vor Ort genauso wichtig wie das Mitnehmen der Asylbewerber" sei. Um eine "Neid-Debatte" zu verhindern, werde der Kreis Präventitionsmaßnahmen gegen Fremdenfeindlichkeit ergreifen. Mehrere Projekte seien beantragt, so Bauer.

Verwaltung

Um der Problematik gerecht zu werden, hat die Kreisverwaltung neben der seit August existierenden Stabsstelle für Asylbewerberfragen im Januar den Fachdienst "Ausländer- und Asylrecht" ins Leben gerufen. Sechs Mitarbeiter aus den Bereichen Soziales, Asyl und Unterbringung und Jobcenter nehmen sich der Thematik gesondert an. Die Leiterin des neuen Fachdienstes ist Ines Golenia.

Das Betreuungskonzept kann im Laufe der Zeit angepasst und verändert werden. Es soll durch Studenten der Uni Halle wissenschaftlich begleitet und ausgewertet werden. "2015 wird ein Jahr der Erfahrungen werden", sagt Markus Bauer. "Wie werden schauen, wie sich die Projekte machen." Habe das Konzept Erfolg, könne es anderen Landkreisen als Vorbild für den Umgang mit Flüchtlingen dienen.

Das Betreuungskonzept betrifft vor allem Menschen, die neu im Salzlandkreis ankommen, deren Asylverfahren also noch nicht abgeschlossen ist. Es gibt weiterhin ein Integrationskonzept und eine Integrationsbeauftragte des Kreises für Menschen mit dauerhaftem Aufenthaltsstatus.

Die zur Zeit unbesetzte Stelle des Ausländerbeauftragten des Salzlandkreises war bis 6. Februar ausgeschrieben. Die Stelle kann jedoch nicht zur nächsten Kreistagssitzung besetzt werden, da sich niemand beworben hat.

   

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