Das deutschlandweit bekannte Strandsolbad in Staßfurt wird nicht privatisiert. Das teilte Oberbürgermeister René Zok (parteilos) in der jüngsten Stadtratssitzung mit.

Staßfurt l Nach der Beschlussfassung des Stadtrates am 4. Dezember des vergangenen Jahres für dieses Objekt ein so genanntes Interessenbekundungsverfahren durchzuführen, hatte die Stadtverwaltung eine Veröffentlichung auf der Internetseite der Stadt und am 3. Januar eine Hinweisbekanntmachung in der Volksstimme veranlasst.

"Daraufhin meldete sich nur ein Bewerber", berichtete Zok. Obwohl das Schreiben des Mannes vom 30. Januar bei der Stadt erst am 2. Februar und damit nach dem vorgegebenen Termin eingegangen war, war die Verwaltung im Interesse des Bewerbers von einer fristgerechten Bewerbung ausgegangen.

"Nach Durchsicht und Bewertung der vorliegenden Bewerbung muss festgestellt werden, dass in vier von fünf Punkten die Anforderungen an eine Bewerbung nicht erfüllt wurden. Insofern muss konstatiert werden, dass das Interessenbekundungsverfahren für das Strandsolbad schon in der ersten Stufe gescheitert ist", sagte Zok und fügte hinzu: "Die Stadt wird also weiter das Strandsolbad als öffentliche Einrichtung in eigener Trägerschaft betreiben."

Der Vorschlag zur Privatisierung kam von der FDP-Fraktion des Stadtrates. Bei einer Beratung im März des vergangenen Jahres hatte sich der Ausschuss für Kultur- und Bildung darauf verständigt, vor der geplanten Verpachtung zunächst erst einmal herauszufinden, ob es für das Objekt Bewerber gibt und wenn ja, welche.

Als Vorbild galt der Löderburger See, den der Gastwirt Michael Schnock und seine Frau im Jahr 2006 übernommen hatten und seitdem erfolgreich führen.

CDU und SPD hatten damals darauf verwiesen, dass das Betreiben des Strandsolbades ein Zuschussgeschäft für die Stadt ist. Im Jahr 2012 war ein Fehlbetrag von 59 000 Euro und 2013 ein Defizit von rund 40 000 Euro entstanden. 2015 rechnet die Stadt mit einem Zuschussbedarf in Höhe von 75 000 Euro. "In der derzeitigen wirtschaftlichen Situation der Stadt Staßfurt übersteigt die Betreibung des Bades ihre Leistungsfähigkeit. Ein privater Betreiber kann dieses Angebot gegebenenfalls wirtschaftlicher zum Wohle der Einwohner vorhalten", waren sich Christ- und Sozialdemokraten im vergangenen Jahr einig.

Die Linken hingegen hatten mit der geplanten Verpachtung ihre Bauchschmerzen. Sie klopften deshalb zustimmend auf ihre Tische, als Oberbürgermeister René Zok am vergangenen Donnerstagabend in seinem Bericht an den Stadtrat seine Entscheidung verkündete, dass die Kommune das Vergabeverfahren einstellt.

Das Strandsolbad ist das einzige Binnensolfreibad in Mitteleuropa. Es entstand als Folge eines Tagesbruchs der Saline Leopoldshall im ausgehenden 19. Jahrhundert. Im Mai 1929 wurde die in Notstandsarbeiten errichtete Badeanstalt feierlich der Öffentlichkeit übergeben.

Das natürliche Freibad mit seinem klaren Wasser, das seit je her von der Stadt Staßfurt betrieben wird, hat einen durchschnittlichen Salzgehalt von 2,1 Prozent Massenanteil. Wegen seiner gesundheitsfördernden Wirkung erfreut sich der 125 Meter lange und 104 Meter breite Kunstsee bei vielen großen und kleinen Badefreunden großer Beliebtheit.

Das Strandsolbad Staßfurt verfügt über einen Strand mit anliegenden Rasenflächen. Weiterhin sind dort eine Schwimmplattform mit Rutsche und Spielplatz sowie ein Imbiss mit Sonnenterrasse vorhanden. Dabei handelt es sich um einen Saisonbetrieb, der nur über die Sommermonate geöffnet ist.

Zur Beseitigung von Hochwassserschäden hatte die Stadt 2011 und 2012 dort rund 78 500 Euro investiert, um die Anlage wieder auf Vordermann zu bringen und noch attraktiver zu machen.