Roland Kluge feiert eben noch Straßenfest mit seinen Nachbarn in Amesdorf, beendet die Fußballsaison 2013/14 mit seinem Warmsdorfer Sportverein als Aktiver. Keine Anzeichen einer Krankheit. Plötzlich die schreckliche Diagnose für den 50-Jährigen: Leukämie. Ein halbes Jahr später ist endlich ein Stammzellenspender gefunden. Die Therapie schlägt an.

Amesdorf/Warmsdorf/Güsten l Eveline Kühlhorn zögert nicht lange, als sie um ein Gespräch gebeten wird. Sie ist als Betreuerin für ihren Bruder eingesetzt. Und die Güst`nerin weiß, dass es Roland Kraft geben wird, wenn er sich auf diesem Wege bedanken kann bei allen, die ihn in irgendeiner Weise bislang unterstützt haben.

Kraft wird der 50-Jährige noch viel brauchen. Die Stammzellen schlagen an. Doch übern Berg sei er noch nicht, auch wenn er die Intensivstation mittlerweile verlassen konnte, so Rolands Schwester.

Roland "Fummel" Kluge ist bekannt. Nicht nur als Spieler seines Warmsdorfer SV. Er trainiert den Nachwuchs mit. Fußball war sein Leben. Der 50-jährige Familienvater arbeitet im Astratürenwerk in Güsten, versteht sich mit der Nachbarschaft, feiert gern, ist immer vorn dabei, wenn es irgendwas zu organisieren gibt wie das Hammelspießbraten des Vereins. Er ist ein Sportsfreund, ein Kumpel.

Bis Roland mit Familie und Freunden nach Österreich in den Sommerurlaub fährt, ist alles ganz normal. Er beendet als aktiver Spieler die Fußballsaison 2013/14. Er feiert im Juli Straßenfest mit seinen Nachbarn in Amesdorf. "Roland hat sich riesig auf den Urlaub gefreut", erinnert sich seine Schwester.

Dann in Österreich sei es ihm plötzlich nicht gut gegangen. Doch er wollte erst zu Hause zum Arzt. Schließlich sei alles schnell gegangen. Vom Krankenhaus Aschersleben ging`s gleich am nächsten Tag nach Magdeburg. In der Uni-Klinik dann die Diagnose: Blutkrebs im höchsten Stadium.

"Wenn alles gut geht, wollen wir wissen, wer der Spender ist."

"Den Ärzten haben wir es zu verdanken, dass Roland noch lebt", ist Eveline Kühlhorn überzeugt. Die Suche nach einem geeigneten Stammzellenspender begann sofort. Die Geschwister ließen sich testen, kamen aber nicht in Frage. Anfang Dezember ging es ihm immer schlechter.

Sein größter Wunsch war es, Weihnachten mit der Familie zu feiern, so Schwester Eveline. Ende Dezember fiel er ins Koma. Dann die erlösende Nachricht: Es ist ein Spender in den USA gefunden. Rolands Schwester spricht von letzter Rettung. Am 21. Januar startet die Therapie. Und die Stammzellen schlagen an.

Zwischenzeitlich hatte der Sportverein einen Spendenaufruf gestartet. Während eines Turniers Ende Januar in Aschersleben ließen sich 34 Männer und Frauen testen. "Auch wenn Roland einen anderen Spender gefunden hat, vielleicht kommen die Tests anderen Patienten zu Gute", meint Eveline Kühlhorn und möchte die Gelegenheit nutzen, allen Freunden, Bekannten und Familienmitgliedern zu danken, die bislang zu ihrem Bruder standen, ihm die Daumen drückten, die dafür sorgten, dass dessen 16-jähriger Sohn oder andere Familienmitglieder Roland täglich in Magdeburg besuchen konnten und können.

"Es war ein hartes halbes Jahr. Aber wir glauben fest daran, dass er wieder auf die Beine kommt", erklärt Rolands Schwester.

Und sie spricht vom größten Wunsch, den die Familie hat: "Wenn alles gut geht, wollen wir wissen wer der Spender ist. Nach zwei Jahren wäre es wohl möglich, haben wir erfahren."