Staßfurt l Ende der vergangenen Woche hatte Dieter Naumann, der seit 2005 an der Spitze der Gesellschaft stand, noch einen positiven Jahresabschluss für das vergangene Jahr mit einem Überschuss von 500 000 Euro vorgelegt. Das hat ihm aber nicht geholfen, denn Mittwochabend wurde er in einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung "vorläufig von seinen Aufgaben entbunden", wie Aufsichtsratschef René Zok (parteilos) gestern in einer dünnen Pressemitteilung informierte.

"Übergangsweise nimmt ein neuer Geschäftsführer beziehungsweise bis dahin die Prokuristin Angelika Berger die Aufgaben wahr", fügte Zok hinzu. Was der Grund für diesen Rauswurf war, war offiziell nicht zu erfahren.

Zoks Stellvertreter, Hans-Georg Köpper, schrieb in seiner Information an die Mitglieder der Gesellschafterversammlung, die Abberufung und die Freistellung von seiner Verpflichtung der Dienstleistung sei aus "wichtigem Grund" erfolgt. Die Entscheidung sei Naumann gestern um 7 Uhr im Dienstzimmer des Oberbürgermeisters bekanntgegeben worden.

Nach Volksstimme-Informationen waren einige Stadträte im Aufsichtsrat unzufrieden mit der Arbeit des Geschäftsführers. "Da kam einiges zusammen", sagte ein Kommunalpolitiker hinter vorgehaltener Hand. Von dem vom Stadtrat 2013 beschlossenen Restrukturierungskonzept, mit dem das Unternehmen auf wirtschaftlich sichere Füße gestellt werden soll, sei noch nicht viel umgesetzt worden.

Was man ihm konkret vorwirft, das weiß auch Dieter Naumann nicht. "Ich bedauere, dass man nicht bereit war, einen anderen Weg zu finden. Wenn man nicht miteinander arbeiten kann, gibt es für Erwachsene auch andere Möglichkeiten eines geordneten Übergangs. Aber offensichtlich hat man einen anderen Weg gewählt", sagte Naumann gestern Nachmittag der Volksstimme. Aufgrund des zu erwartenden Rechtsstreites mit der Stadt wollte er es dabei aber belassen.

Der Aufsichtsrat hatte Naumann, der das Unternehmen nicht mehr betreten darf und auch sein Dienst-Handy abgeben musste, erst im September des vergangenen Jahres den Geschäftsführer-Vertrag noch für zwei Jahre verlängert.

Der Oberbürgermeister sagte, er sei vom Aufsichtsrat beauftragt worden, die notwendigen Schritte einzuleiten und zu prüfen, ob man einen Interims-Geschäftsführer einsetzen soll, der das Unternehmen für eine gewisse Zeit führen soll. "Dazu gibt es heute Mittag eine Beratung im Rathaus", sagte Zok. Er hatte gestern Morgen um 8 Uhr die Mitarbeiter der Wohnungs- und Baugesellschaft mbH über die Entscheidung des Aufsichtsrates informiert. "Ich habe sie aufgerufen, ihre Arbeit fortzusetzen", sagte er. Eine Mitteilung sei auch an den Hauptgläubiger des Unternehmens, die Norddeutsche Landesbank, gegangen.

Den Umbau der Gesellschaft, die derzeit über einen Bestand von rund 2700 Wohnungen verfügt, werde man so wie vom Stadtrat beschlossen, umsetzen. Der Aufsichtsrat habe dazu keine Änderung beschlossen. "Für mich war das überraschend, dass das in der Sitzung passiert, weil wir gerade erst im September die Verlängerung seines Vertrages um zwei Jahre beschlossen hatten", sagte Zok, auf den Rauswurf angesprochen.

"Über die Dinge, die hinter verschlossenen Türen gesagt werden, kann ich auch unter Hinweis auf das laufende Verfahren nichts sagen", hielt sich auch das Aufsichtsratsmitglied Klaus Stops (CDU) bedeckt.