Nach wie vor beschäftigt der fehlende Nachwuchs und damit verbundener Leerstand die Vorstandsarbeit der Kleingartenvereine und ihres Regionalverbandes. Das wurde einmal mehr auf der Gesamtvorstandssitzung in Staßfurt deutlich.

Staßfurt l "Von 976 leer stehenden Gärten werden 90 Prozent trotzdem gepflegt. Das entspricht einer Leistung von 132 000 Euro. Wir haben 20 Lauben zurückgebaut - 60 000 Euro." Mit diesen Zahlen ging der Vorsitzende des Regionalverbands der Kleingärtner auf die Organisation des Rückbaus ein, der nach wie vor ein Schwerpunktthema der Kleingärtner ist, auch nach sechs Jahren, seit dem das Kleingartenentwicklungskonzept durch den Regionalverband und den Stadtrat beschlossen wurde. Es seien die Vereinsmitglieder, die sich um den Leerstand kümmern, so Eberhard Kanitz. Von der Politik seien bislang nur "leere Worte" gekommen. Dennoch seien die Kleingartenvereine für den Rückbau verantwortlich. "Dazu bedarf es keiner besonderen Beschlussfassung", machte Kanitz deutlich. Notfalls müssten Ex-Pächter zur Verantwortung gezogen werden, wenn erforderlich, bis vor Gericht. Der Regionalverband biete dabei jederzeit Hilfe an.

Letztendlich würden auch kleine Schritte zählen, wenn jeder Verein auch nur eine Laube pro Jahr abreiße. Einen bereits diskutierten "Rückbau-Cent" wolle man auf keinen Fall einführen. "Wir haben unsere Leistungsgrenze erreicht", stellte der Verbandschef fest. "Wenn die Stadt Fläche benötigt, geht das nur gemeinsam", erklärte er noch. Die Vereine sollten zudem ihre Anlagen öfters öffnen, ging er auf den Hinweis Oliver Wal-thers (Kleingartenverein 1987 e.V.) ein, wonach "manche Gartenanlagen gesichert sind, wie Fort Knox". Das ermögliche Interessenten nicht gerade, sich Gärten anzusehen. Walther habe die Erfahrung gemacht, dass Spaziergänger nach leeren Gärten fragen. In seinem Verein gebe es keinen. Und er kritisierte, dass gerademal drei Gärten für das gesamte Stadtgebiet auf der Homepage des Regionalverbands angeboten würden. Zudem sollten die Gärten nicht zu "grünen Arbeitszimmern" werden, sondern zu "grünen Wohnzimmern". "Wer also einen Pool bauen will, sollte genauso willkommen sein, wie jemand, der nur Gemüse anbaut." Klaus Karpe vom Kleingartenverein Eisenbahn relativierte: "Ein bisschen sollte schon noch angebaut werden. Aber ich bin auch lieber für Erholung als für Leerstandsgärten." Dazu sagte Eberhard Kanitz, dass niemandem vorgeschrieben werde, ob der Weg gerade angelegt werden muss. Und wenn eine Familie einen Pool bauen will, warum nicht?"

"Ein Mal im Frühjahr verbrennen dürfen, würde den Vereinen ungemein und sofort helfen."

In der Diskussion erntete Erwin Thurm viel Beifall, als er die Themen Grüngut-Entsorgung und Gartenabfall-Verbrennung ansprach. "Wenn ich Grünzeug vor meine Haustür schleppe, wird es abgeholt, vorm Garten nicht. Und ein Mal im Frühjahr verbrennen dürfen, würde den Vereinen ungemein und sofort helfen. Wer räumt denn auf? Nur ein paar ,Bekloppte`." Und der Unrat in der Feldflur würde auch wieder weniger werden.

Darauf reagierte Oberbürgermeister René Zok: "Es gab mal einen Landratskandidaten, der den Kommunen die Entscheidung überlassen wollte, ob und wann verbrannt werden darf. Wir dürfen nicht müde werden, den Landkreis daran zu erinnern." Zum Rückbau bemerkte Zok - auch auf die Kritik von Wolfgang Just (Licht und Sonne e.V.), man habe "zehn Jahre gemeinsam geschlafen" - dass er keine Möglichkeit eines Rückbaufonds der Stadt sehe. Schon die Entscheidung des Stadtrats, auf Pachten für Leerstandsgärten zu verzichten, sei im Falle einer Haushaltskonsolidierung vom Landkreis anfechtbar.

Zur Versammlung wurden noch die neuen Wertermittler des Regionalverbands berufen. Zudem ehrte der Vorstand Gerhard Kahle für 50-jährige Mitgliedschaft im Regionalverband beziehungsweise im Verband der Kleingärtner, Siedler und Kleintierzüchter.

   

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