Ein Anbau der Schneidlinger Wasserburg ist nicht mehr zu retten und soll abgerissen werden. Dazu hat der Kreis den Eigentümer aufgefordert. Sollten ausstehende Abstimmungen zu weiteren baulichen Plänen in den nächsten Wochen zu keinem Ergebnis kommen, hat der Kreis angekündigt den Abriss per Ersatzvornahme durchzusetzen.

Schneidlingen l Der gegenüber dem Spielplatz befindliche Anbau der Wasserburg Schneidlingen ist stark einsturzgefährdet. "Teile der Dachkonstruktion und die gesamten Deckenbereiche sind bereits eingestürzt. Aufgrund des schlechten Zustandes ist eine Sicherung nicht mehr möglich", teilt die Pressesprecherin des Landkreises Alexandra Koch auf Nachfrage der Volksstimme mit.

Jetzt habe der Landkreis in Abstimmung mit dem Landesamt für Denkmalpflege gegenüber dem Eigentümer den Abriss dieses Anbaus verfügt, erklärt Alexandra Koch. Weiterhin seien Sicherungsarbeiten am Treppenturm und dem daran anschließenden Anbau angeordnet worden.

"Mit dem Eigentümer besteht entsprechender Kontakt. Da dieser jedoch weitergehende Maßnahmen in diesem Bereich der Burg beabsichtigt, sind hier noch entsprechende Untersuchungen und Abstimmungen, insbesondere zu denkmalrechtlichen Belangen, erforderlich."

Aus diesem Grunde sei der Gefahrbereich zunächst mittels Bauzaun abgesperrt worden. Diese Absperrung sei jedoch nur als vorübergehende Maßnahme gedacht.

Zum Abriss wird es aber auf jeden Fall kommen. Das macht die Information der Pressesprecherin deutlich: "Sollte bezüglich der Planungen des Eigentümers in den nächsten Wochen kein Konsens hergestellt werden können, wird der Landkreis die erlassene Verfügung im Wege der Ersatzvornahme durchsetzen."

Eigentümer der Wasserburg in Schneidlingen ist seit Juni 2011 der Geschäftsmann Klaus Peter Glaser aus München. Der geschäftsführende Gesellschafter der Glaser Consulting GmbH ersteigerte das sanierungsbedürftige Burgensemble für 19 000 Euro. Im August 2011 stellte der Ersteher seine Pläne der Presse vor. Er kündigte eine Millioneninvestition an. Der gebürtige Hesse erklärte vor knapp drei Jahren, dass er in Schneidlingen eine Herberge mit Burgschänke entstehen lassen will, die auch für private Zwecke genutzt werden kann. Weiterhin sprach er von Büro- und Seminarräumen, die nach dem Um- und Ausbau in die Burg einziehen sollen. Der Stadt wolle er ein Amts- und Schreiberhaus zur mietfreien Nutzung überlassen, außen sei eine parkähnliche Anlage geplant, hieß es damals.

"Sollte bezüglich der Planungen des Eigentümers in den nächsten Wochen kein Konsens hergestellt werden können, wird der Landkreis die erlassene Verfügung im Wege der Ersatzvornahme durchsetzen."

Zu einem möglichen Abriss des Anbaus steht die Antwort einer Presseanfrage beim Besitzer derzeit aus. Der Rechtsanwalt des Eigentümers Matthias Kupplich erklärte der Volksstimme , dass die Anfrage an Klaus Peter Glaser weitergereicht wurde. " ...wegen einer Antwort (werden wir) wieder auf Sie zukommen ...", heißt es in einer E-Mail vom 2. Februar.

Zu dieser Zeit kursierten bereits Gerüchte im Ort, dass der Anbau der Burg nicht mehr zu retten ist und abgerissen werden muss. Das Interesse der Bevölkerung ist groß. Ein Leser vermutete Mitte Februar richtig, dass der Abbruch des Anbaus aufgeschoben zu sein scheint. Damals war der Bauzaun vom Landkreis aufgestellt worden. "Der Zugang zum Amtshof ist abgesperrt", teilte der Schneidlinger der Redaktion mit.

Die Pläne des Investors scheinen weiter in der Schwebe zu hängen. Im September 2014 berichtete die Volksstimme, dass Unstimmigkeiten zu offenen Grundstücksfragen der Grund dafür sind.

Denn Klaus Peter Glaser wollte damals angrenzende Flächen erwerben.

Dazu teilte die Leiterin des Bau- und Ordnungsamtes der Stadt Hecklingen Sigrid Bleile vor knapp einem halben Jahr mit, dass ein Ortstermin mit Klaus Peter Glaser und Vertretern der Stadt Hecklingen am 13. August 2013 stattfand. Danach sei der Stadt vom Anwaltsbüro des Eigentümers ein Vertragsentwurf (Letter of Intent) zugesandt worden.

Weder der Stadtrat noch der Ortschaftsrat Schneidlingen konnten dem Papier in der vorgeschlagenen Form zustimmen. Denn, so Sigrid Bleile, "der vorliegende Vertragsentwurf, sah inhaltlich auch die Übertragung beziehungsweise den Verkauf zahlreicher öffentlicher Flächen vor."

Danach hätte die Stadt auch den zur Burg angrenzenden Spielplatz an Klaus Peter Glaser verkaufen sollen. "Der Stadtrat lehnte die Übertragung dieser Flächen aber ab."

Unter Einbeziehung aller Hinweise und Ergänzungen aus den Vorberatungen wurde ein neuer Vertragsentwurf erarbeitet, dem auch der Stadtrat zustimmte. Im April dieses Jahres ließ die Stadt dieses Papier dem Anwalt von Klaus Peter Glaser zukommen.

Weitere Gespräche sollen stattfinden

Er lehnte das Schriftstück für seinen Mandanten mit Antwortschreiben vom 8. Mai ab. Auf die Frage, wie weit die Pläne des Eigentümers, die Burg zu einer Herberge umzubauen, vorangeschritten sind, antwortete Anwalt Matthias Kupplich der Volksstimme damals: "Nach Rücksprache mit meiner Mandantin gestatte ich mir, zur abschließenden Beantwortung der von Ihnen aufgestellten Fragen den letzten Schriftverkehr mit der Stadt Hecklingen zur Verfügung zu stellen."

Das Schreiben bestätigt, dass Stadt und Eigentümer nicht dieselbe Meinung teilen.

Anwalt Matthias Kupplich schreibt, dass sein Mandant, das Angebot der Stadt, also den genannten überarbeiteten Vertragsentwurf zu den Grundstücksangelegenheiten, nicht annehmen kann. "...da der Inhalt ...den zwischen Ihnen und meiner Mandantin getroffenen Vereinbarungen erheblich entgegen steht und das Gesamtprojekt wohlwissentlich verhindert wird." Wie geht es jetzt weiter? Dazu teilte Sigrid Bleile am Montag mit, dass die Stadt dazu in Kontakt mit dem Eigentümer steht.

"Es soll zu weiteren Gesprächen kommen." Diese führt die Verwaltung aber nicht direkt mit dem Besitzer, sondern ebenfalls mit seiner Anwaltskanzlei.

 

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