Dem Aufruf der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) zu einem Warnstreik in Magdeburg sind gestern auch zahlreiche Lehrer aus Staßfurt gefolgt. Betroffen davon waren das Dr. Frank-Gymnasium und die Sekundarschule Hermann-Kasten.

Staßfurt/Förderstedt/Hecklingen/Güsten l Am 16./17. März 2014 findet die vielleicht entscheidende Verhandlungsrunde um die Entgelte im Öffentlichen Dienst der Länder statt. Deshalb hatte die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) ihre Mitglieder an den Bildungseinrichtungen des Landes und somit auch des Salzlandkreises gestern zu einem Warnstreik auf dem Alten Markt in Magdeburg aufgerufen.

"Die Arbeitgeberseite unter Führung von Finanzminister Bullerjahn hat uns mit ihrer provokativen Blockadehaltung keine andere Wahl gelassen", erklärte der Vorsitzende des GEW-Kreisvorstandes Gerhard Müller. "Wir können es nicht hinnehmen, dass die Arbeitgeberseite wie bisher die Verhandlungen blockiert und Kürzungen der betrieblichen Renten vornehmen will. Insbesondere diese Ankündigung, Einschnitte in der betrieblichen Altersvorsorge vornehmen zu wollen, macht unsere Mitglieder regelrecht wütend."

Die GEW fordert wie die anderen Gewerkschaften des öffentlichen Dienstes 5,5 Prozent mehr Lohn, keine Kürzung der VBL-Betriebsrenten und besonders wichtig die seit Jahrzehnten verweigerte tarifliche und gerechte Eingruppierung der angestellten Lehrkräfte.

Müller: "Mit dem Warnstreik in Magdeburg wollen wir deshalb ein deutliches Signal senden, dass wir hinter den Forderungen der GEW stehen und damit für unsere tägliche Arbeit nicht nur Anerkennung und Wertschätzung, sondern auch eine gerechte Bezahlung einfordern."

Dem Aufruf der Gewerkschaft waren auch Lehrkräfte des Gymnasiums Dr. Frank in Staßfurt sowie 15 Lehrer der Sekundarschule Hermann Kasten gefolgt.

"Das, was hier gegenwärtig läuft, kann man nicht ohne Weiteres hinnehmen."

"Wenn ich angestellter Lehrer wäre, hätte ich meine Kollegen unterstützt", sagte die Leiterin der Kasten-Schule Verena Frank, die verbeamtet ist und demzufolge nicht streiken darf. "Das, was hier gegenwärtig läuft, kann man nicht ohne Weiteres hinnehmen", sagte sie am Morgen, nachdem ihre Kollegen in den Bus in Richtung Landeshauptstadt aufgebrochen waren. Damit zielte sie auf die Personalpolitik des Landes ab. Obwohl der Altersdurchschnitt der Pädagogen an ihrer Schule bei rund 50 Jahren liege, habe sie nur eine junge Kollegin erhalten. Es komme zu Ausfällen im Mathematikunterricht, sagte die Schulleiterin und ergänzte: "Wir machen aus dem, was wir haben, das, was wir können."

Aufgrund des Warnstreiks konnte gestern an der Sekundarschule kein planmäßiger Unterricht durchgeführt werden. "Darüber hatten wir die Eltern vorher informiert", so Frank. Obwohl die Schulpflicht weiterhin bestanden habe, habe das verbliebene Personal nur eine Betreuung der anwesenden Schüler anbieten können. Und die waren mit fünf Mädchen und Jungen von insgesamt 250 an einer Hand abzuzählen. "Wir hatten seit Beginn der Woche einen hohen Krankenstand", sagte die Schulleiterin.

Verena Frank, die auch noch Englisch-Unterricht gibt, hatte ihren Schülern für gestern entsprechende Hausaufgaben aufgegeben, so dass es für sie kein 100-prozentiger Ferientag war. David, Kevin und Jasmin hingegen hatten auch gestern den Weg zu ihrer Schule gefunden. Aber statt zu pauken konnten sie in aller Ruhe spielen.

"Der Unterricht läuft mit Einschränkungen. Wir haben in allen Klassenstufen entsprechenden Unterricht organisiert", teilte der Schulleiter des Gymnasiums, Steffen Schmidt, gestern Vormittag auf Anfrage der Volksstimme mit.

Allerdings gelte das nur von der ersten bis zur sechsten Stunde, fügte Schmidt unter Hinweis auf den hohen Krankenstand in seinem Haus hinzu. Derzeit seien nämlich insgesamt 14 Lehrer nicht im Dienst.

Streik für private und Grundschulen kein Thema

Für die Freie Sekundarschule in Güsten war der Streik gestern kein Thema, weil die Einrichtung privat geführt wird. Auch an den Staßfurter Grundschulen, den Grundschulen in Förderstedt, Güsten, Giersleben und Löderburg wurde gearbeitet.

In Hecklingen sagte Bürgermeister Hans-Rüdiger Kosche (CDU), dass seines Wissens nach keine Schulen bestreikt wurden. In Groß Börnecke lief der Unterricht nach Plan, auch in der privaten Sekundarschule "Leben lernen" fand der Unterricht statt.

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