In einer Kleingartenanlage am Egelner Stadtrand müsste die Kommune dringend Bäume beschneiden und fällen lassen. Bislang gingen zwei Jahre ins Land, ohne einen Handschlag. Denn das Geld für die Arbeiten ist nicht da.

Egeln l Der Ast eines Baumes sowie ein kleiner Baum liegen auf dem Dach einer Gartenlaube am Stadtrand von Egeln. Der Vorfall hat sich nicht kürzlich ereignet, sondern liegt bereits rund zwei Jahre zurück. Eigentlich müsste die Kommune handeln und zumindest den Ast absägen, meint der zuständige Bürgermeister Reinhard Luckner. Doch bislang ist nichts geschehen.

Eine Gefahr bestehe nicht grundsätzlich, meint er. Zumindest habe er keine entsprechenden Erkenntnisse. Ohne Gefahr im Verzug, wie es so schön heißt, kann die Kleinstadt kaum etwas ausrichten. Neben dem Problem mit dem Ast auf der Gartenlaube gibt es noch weitere Bäume, die der Bürgermeister absägen lassen müsste. Denn sie stehen in einem Graben, welcher die Stadt vor Hochwasser schützen soll. Das Gelände ist deshalb nur schwer zugänglich.

Zwei Kostenangebote hat der Bürgermeister bereits eingeholt. Zwischen 11 000 und 21 000 Euro bewegen sich die Kosten für die Entfernung der Bäume, sagt er. "Es geht ja nicht nur darum, die Bäume abzusägen. Es geht auch darum, das Holz abzutransportieren und zu entsorgen", beschreibt er. Der feuchte Untergrund in dem Graben lasse den Einsatz schwerer Technik kaum zu. Hin und her habe er bereits überlegt. Auch an die freiwillige Feuerwehr habe er bereits gedacht. Im Rahmen einer Übung könnten die Kameraden die Bäume absägen. Der Transport des Holzes wäre damit aber immer noch nicht gelöst.

Vor allem aber macht die Geschichte in Egeln klar, dass längst die klamme Finanzlage die Kleinstadt fast handlungsunfähig macht, meint Luckner. Solange die Bürger in der Kleingartenanlage durch lockere Äste bedroht werden, könne er kaum etwas machen. Die Finanzlage der Kleinstadt ist so schlecht, dass selbst notwendige Baumfällarbeiten unterbleiben müssen. "Erst wenn Gefahr für Leib und Leben droht, kann die Stadt handeln", hatte sich Luckner seinen ehrenamtlichen Job einst ebenfalls anders vorgestellt. Um jede kleine Ausgabe muss der Stadtchef mit dem Landkreis ringen. Seit über ein Jahr verfügt die Stadt bereits über keinen genehmigten Haushalt mehr. Den letzten Etatentwurf lehnte die Kommunalaufsicht erwartungsgemäß ab, weil ein Haushaltsausgleich nicht zu erzielen war. Ohne eine schwarze Null oder einen Überschuss hat die Stadt kaum Chancen in der Zukunft, einen Jahresetat durch die Prüfung der Kommunalaufsicht zu bekommen. Denn in den vergangenen Jahren haben sich trotz vorläufiger Haushaltsführung, Haushaltssperren und Sparrunden Millionenbeträge angesammelt, die fehlen.

Langsam geht dem Bürgermeister von Egeln die Fantasie aus, wie er trotz der klammen Kassen noch etwas in seiner Stadt bewegen kann. Dabei müssen die Bäume beräumt werden. Dass das Problem nicht erst seit gestern besteht, ist schon an der Größe der Gewächse abzusehen. Jahrzehntelang störte sich offenbar kaum jemand daran, dass die Pflanzen in den Entwässerungsanlagen gedeihen.

Als vor einigen Jahren Egeln von einem großen Hochwasser der Bode erwischt wurde, wurde den Bürgern klar, wie wichtig der Hochwasserschutz ist. Allerdings kostet er auch Geld.

"Ich will versuchen, ob ich mit der Forst etwas erreichen kann", hat der Bürgermeister noch nicht aufgegeben. Die Fort setzte zum Fällen von Bäumen schweres Gerät ein. Die Harvester kämpfen sich durch jedes Gelände. Vielleicht wäre dies das richtige Fahrzeuge für die knifflige Aufgabe, überlegt Reinhard Luckner.

Viel Zeit bleibt ihm eigentlich nicht mehr. "Die normale Fällzeit für Bäume ist schon wieder vorbei. Bis Ende Februar hätten wir ohne Probleme die Bäume fällen können", sagt er. Wenn er nun die Bäume fällen lassen wolle, müsse er erst noch eine Sondergenehmigung vom Landkreis einholen. Das mache die Aufgabe nicht unbedingt einfacher. Trotzdem wolle er nicht aufgeben und an dem Thema dran bleiben. Denn bald beginnt die Saison in den Kleingärten wieder.