Massive Vorwürfe musste sich Verbandsgemeindebürgermeister Michael Stöhr bei der Jahreshauptversammlung der Feuerwehr Wolmirsleben anhören. Stöhr reagierte gelassen auf die Attacken.

Wolmirsleben l Die Jahreshauptversammlungen der Freiwilligen Feuerwehren dienen in erster Regel dazu, Bilanz zu ziehen und Auskunft über den Stand von Ausbildung und Ausrüstung zu geben. In Wolmirsleben versammeln sich die Mitglieder der freiwilligen Feuerwehr traditionell im Gemeindesaal des Adlers zu ihrer Jahreshauptversammlung.

Es ist die erste Jahreshauptversammlung für die erst vor wenigen Wochen berufenen Wehrleiter Andy Braune und seinen Stellvertreter Thomas Braune.

71 Mitglieder verzeichnet die Feuerwehr. 26 davon dienen in der Gemeindeeinrichtung als aktive Mitglieder und nehmen demzufolge an Einsätzen teil. Ausgerüstet ist die Freiwillige Feuerwehr Wolmirsleben mit einem Tragkraftspritzenfahrzeug (TSF/W) sowie einem Kleintransporter, der vor allem die Beförderung der Feuerwehrleute absichern soll.

Im vergangenen Jahr wurden die Wolmirslebener Feuerwehrleute 15 Mal zu Einsätzen gerufen. Einmal handelte es sich um einen Brandeinsatz, bei den übrigen Einsätzen leisteten die Kameraden vor allem Hilfeleistungen, zieht Andy Braune am Wochenende Bilanz. Rund 500 Stunden, hat er ausgerechnet, seien die Feuerwehrleute im Einsatz gewesen. Dazu kommen Dienst- und Ausbildungsstunden für die Truppe, zählt er auf.

Dann wendet er sich den Problemen zu. Da ist einerseits die Löschwasserversorgung, erinnert er. Obwohl Wolmirsleben durch die Bode und zahlreiche Gewässer in der Gemarkung als wasserreich gilt, bleibe das Nass in der Praxis kaum nutzbar für die Feuerwehr, schildert er. Denn es fehlen die Zugänge für die Feuerwehren. Aufstellorte für die Pumpen oder Saugstellen, an denen die Feuerwehrleute problemlos die offenen Gewässer anzapfen können, seien in der Kommune nicht vorhanden.

Sorgen machen sich die Feuerwehrleute vor allem beim Brandschutz um die Kindereinrichtungen. Davon gibt es gleich drei im Ort. Neben einem Kindergarten stehen zwei Schulen in der Gemeinde. Außerdem befinden sich zahlreiche größere Anlagen in der Gemeinde sowie Mastanlagen und landwirtschaftliche Betriebe, erinnert Andy Braune.

Die Risiken im Ort stellt er der Ausrüstung gegenüber. Reicht für die stattliche Ansammlung von Schulen, Kindertagesstätte und größeren wirtschaftlichen Einrichtungen ein Einsatzfahrzeug, welches relativ sparsam ausgestattet ist? Der Wehrleiter verneint die Frage während der Jahreshauptversammlung. Ein Tanklöschfahrzeug 4000, erinnert er, sollte die Feuerwehr Wolmirsleben einst bekommen. Damit wären zumindest die Löschwassersorgen bis zum Aufbau längerer Wegestrecken überbrückbar. "Nichts ist geschehen", wendet er sich während der Versammlung an Verbandsgemeindebürgermeister Michael Stöhr.

Doch damit nicht genug: Anschließend wirft der Wehrleiter der Verbandsgemeinde vor, bei der Erarbeitung der Risikoanalyse die Feuerwehr nicht ausreichend einbezogen zu haben. Bei einer kürzlich anberamten Aussprache, sprudelt es aus Andy Braune heraus, sei ihm sogar das "Wort entzogen" worden. "Die Einheitsgemeinde verstößt dauernd gegen Gesetze", wirft er anschließend dem Verbandsgemeindebürgermeister vor. Was nütze die beste Ausbildung, wenn die Technik und Ausrüstung der Feuerwehr nicht zum Gefahrenpotenzial in der Kommune passen, fragt er in die Runde.

Damit die Feuerwehr eine Schutzfunktion für die Einrichtungen in der Kommune erfüllen könne, fordert er die sofortige Umsetzung eines Löschgruppenfahrzeuges von der Stadt Egeln nach Wolmirsleben. Außerdem müsse die Verbandsgemeinde der Feuerwehr Wolmirsleben ein Schlauchboot zur Verfügung stellen, fügt er hinzu.

Gelassen reagiert Verbandsgemeindebürgermeister Michael Stöhr auf die minutenlangen Vorhaltungen: "Das bin ich nicht anders gewöhnt hier", sagt er. "Wir haben leider im Rathaus keine Gelddruckmaschine", beginnt er seine Grußworte. Dann erinnert er daran, dass die Verbandsgemeinde die Atemschutzgeräteträger in der jüngsten Vergangenheit besser ausgestattet habe. "Für weitere Ausrüstung wird es in der Zukunft schwierig werden", erklärt er. Denn die Kommunalaufsicht hatte die Verbands- und Mitgliedsgemeinde kürzlich darauf hingewiesen, dass Investitionen nicht mehr einfach aus der Umlage an die Gemeinde bezahlt werden dürfen. Zukünftig dürfe die Verbandsgemeinde für notwendige Investitionen nur noch die Investitionspauschale der Kommunen benutzen, heißt es aus Bernburg.

Knapp 450 000 Euro stehen allen Kommunen dabei zur Verfügung. Wenn sich die Ansicht des Egelner Bürgermeisters durchsetze, der symbolisch ein Prozent abgeben wolle, bedeute dies für die Verbandsgemeinde ein Investitionsvolumen von 4500 Euro, machte er deutlich. Davon müsse die Verbandsgemeinde Investitionen in den Feuerwehren, Schulen, Kindereinrichtungen und in der Verwaltung schultern. Viel werde dort nicht für die Wünsche der Feuerwehren übrig bleiben, warnte Stöhr vor überzogenen Forderungen.