Wie halten sie es mit der Wirtschaftsförderung, mit Ordnung und Sauberkeit in der Stadt? Hat ein Jugendbeirat in Staßfurt eine Chance? Und wie stehen sie zur Versatzanlage? Ein aufschlussreiches, unterhaltsames Montagabendprogramm erlebten über 300 interessierte Bürger im Salzlandtheater beim Wahlforum mit allen sieben OB-Kandidaten.

Staßfurt l Zweieinhalb Stunden lang moderierte René Kiel und drehte souverän die Sand-Uhr, um die Redezeit für jeden Bewerber zu begrenzen. Und er sparte auch nicht mit Späßen. Das entkrampfte die Spannung angenehm, die sich erfahrungsgemäß mit abnehmender Zeit bis zur Wahl erhöht.

Kiel ließ zu Beginn von jedem Kandidaten Fragen ziehen, die sie mehr oder weniger richtig beantworteten. So lag René Zok mit einigen Hundert über dem Stand der Einwohnerzahl (28 300 zu 27 600). Hartmut Wiest meinte, dass der 1. Juli der erste Arbeitstag für den neuen OB wäre (7. Juli). Sven Wagner wusste mit der Jahreszahl 1852, dem Beginn des Weltkalibergbaus in Staßfurt, etwas anzufangen. Simona Rössing lag mit der Arbeitslosenquote von 6,9 Prozent im Salzlandkreis ziemlich daneben (13,1). Eric Maindok schätzte die Pro-Kopf-Verschuldung der Stadt auf rund 900 Euro (920). Johann Hauser wusste, dass der OB 7000 Euro brutto verdient und Christian Boos, dass Staßfurt 14 Ortsteile hat.

Wer sie sind und warum sie ins Rathaus wollen, darüber wurde bereits ausführlich berichtet. Die nächsten Gedanken drehten sich um die hohe Arbeitslosigkeit und niedrige Kaufkraft, und wie das geändert werden sollte. "Gewerbetreibende brauchen zufriedene Mitarbeiter", meinte Boos (CDU). "Und die bekommt man durch eine schöne, saubere Stadt, die sich zudem verkaufen muss." Hauser (FDP) würde das Image der Stadt verbessern wollen, Gewerbegebiete füllen und die Probleme der Gewerbetreibenden ernst nehmen. Für Maindok (UBvS) beginnt die Wirtschaftsförderung einer Stadt mit Werbung, und das nicht mit der "Staßfurter Mauer". Rössing (parteilos, für die Linke) meint, der OB müsse Kontakt suchen zur Wirtschaft - mit einem Stammtisch zum Beispiel und sich fragen, was die Verwaltung den Unternehmen für Aufgaben abnehmen könne. Vorzeitige Schulabgänger müssten mitgenommen werden. Wagner (SPD) würde der Stadt ein schöneres Gesicht geben wollen, den Unternehmerstammtisch fortsetzen und eine Abteilung Wirtschaftsförderung gründen installieren. Wiest (parteilos) kündigt an, in den alten Bundesländern "Klinken putzen" zu gehen, da der Branchenmix an Gewerbe in Staßfurt noch nicht gegeben sei. Und Zok (parteilos) würde den 17 Unternehmerstammtischen weitere folgen lassen, den Berufsorientierungstag fortsetzen, auch die extern und erfolgsorientiert ausgerichtete Neuansiedlungssuche.

Zahlreiche Bürger nutzten die Gelegenheit, ihre Meinungen kund zu tun und auch zu erfahren, wie die Kandidaten zu ihren Fragen stehen. Siegfried Mahlfeld stellte die "Gretchenfrage" zu einem der brennendsten Themen, die Dickstoff-Versatzanlage. Christian Boos: "Wir sind an Gesetze gebunden. Aber wir können mitentscheiden über Wege, die Sicherheit." Johann Hauser: "Ich habe das dumpfe Gefühl, dass wir nur Beiwerk sind. Die Stellungnahme der Stadt sollte gesetzeskonform alle Möglichkeiten ausnutzen." Eric Maindok: "Ich habe Widerspruch eingelegt. Die Kavernen können alternativ als Gasspeicher genutzt werden." Simona Rössing: "Ich bin eindeutig dagegen und nicht so gesetzesgläubig. Bei 100 Juristen gibt es 200 Meinungen. Ich sehe nicht, dass wir da nichts machen können." Sven Wagner: "Ich werde nicht dafür sein, wenn Schäden nicht ausgeschlossen werden können." Hartmut Wiest: "Wege-Unterlagen und Havarie-Pläne fehlen. Eine vernünftige Stellungnahme ist nötig." René Zok: "Ich nehme die Bedenken ernst. Als Behördenleiter habe ich mich an Gesetze zu halten. Gehen Sie am 31. März zur Erörterung."

Daniela Linge vom Förderverein Grundschule Löderburg interessierte der Umgang mit dem Sanierungsstau der Schule. Irgendwie werde man ein Türchen aufstoßen, erklärte der CDU-Kandidat. Als die Stark-III-Maßnahmen beantragt wurden, sollte die Schule ja noch geschlossen werden. Der FDP-Vertreter meinte, dass mit Stark III und Grundschule Löderburg "permanent umgegangen werden muss". Der UBvS-Bewerber sei von Anfang an gegen Schulschließungen gewesen. Ein OB sollte auch für seine Bürger kämpfen und "nicht nach oben buckeln". "Nicht kaputtsparen, sondern nach Finanzreserven suchen", bemerkte die Parteilose mit Linke-Unterstützung. Der SPD-Mann will es nochmal mit Stark III versuchen oder "eigene Finanzmodelle finden." Der parteilose Kandidat aus Leopoldshall meint, Löderburg habe Umlandfunktionen für Orte von Athensleben bis Staßfurt. "Wir haben mit dem Förderverein die Aufgaben abgesteckt und ich bin guter Hoffnung, dass es etwas bringt", erklärte der Amtsinhaber.

Anette Pekrul fragte nach einem Stadtjugendrat, was alle Kandidaten befürworteten.

Mehr Ordnung und Sauberkeit forderte Karl-Heinz Schneider. Und wie sie die Bevölkerung einbeziehen würden, wollte Ulla Magenheimer erfahren. Die Antworten reichten vom guten Vorbild (Boos) bis zu drastischer Strafe (Wiest).

Julia Nitsche forderte mehr "Hunde-Toiletten". Auch mehr Personal für die Jugendarbeit, da sie sonst Probleme mit Drogen in der Stadt befürchte.

Monika Kuske fragte nach der Asylpolitik der Stadt. Zok sieht die Stadt ziemlich allein gelassen, wobei die AG Ausländer, engagierte Bürger und freie Träger mit Sprachlehrern gute Ansätze seien. Wiest meint, die Bundesrepublik dürfe die Bevölkerung mit dem Ehrenamt nicht überfordern. Wagner sieht die Sprache als wichtigsten Punkt und eine gut überlegte Verteilung der Asylbewerber, damit keine Brennpunkte entstehen. Man dürfe "möglichst nicht sämtliche Kulturen integrieren und an einem Ort unterbringen wollen", sagte Rössing. Staßfurt solle auch einen Ausländerbeauftragten wie Aschersleben einstellen, verlangt Maindok. Hauser meint, man werde von der Zuwanderungswelle überrollt. Die Stadt solle in die Offensive gehen. Boos: "Wir dürfen keine Ghettos bilden. Das Ehrenamt ist wichtig und nicht zu unterschätzen.

   

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