Güsten l Güsten hat großen Bedarf an Tagespflegeplätzen für Senioren, unterstreicht Bürgermeister Helmut Zander die Bemühungen der Stadt, im Rahmen des Förderprogramms "Kleine Städte und Gemeinden" für diesen Bereich zu planen (wir berichteten). "Auch ringsum sind alle Kapazitäten ausgeschöpft", so der Bürgermeister. Selbst Bernburger müssten schon bis nach Halle fahren.

Zwei Objekte hat die Stadt nun in die ersten Planungen mit aufnehmen lassen. Es sind das Pfarrhaus der katholischen Kirche im Rosental und das Gebäude Hallesche Straße 3, gleich links daneben, das der Verbandsgemeinde Saale-Wipper gehört. "Die katholische Kirche steht dem Vorhaben offen gegenüber", so Zander. Das Objekt soll auch in deren Eigentum bleiben. Das Haus der Verbandsgemeinde will die Stadt kaufen.

Auch der Pfarrer des evangelischen Pfarrbereichs Güsten kann die Pläne der Stadt nur begrüßen. Arne Tesdorff: "Bei der demografischen Entwicklung kann man relativ sicher vorhersagen, dass allein die Anzahl der stationären Pflegeplätze in wenigen Jahren bei Weitem nicht mehr ausreichen wird." Das sehe er schon anhand seiner Gemeindemitglieder. Kurzzeitpflege sei für Güstener und Einwohner der Ortsteile größtenteils nur in Bernburg möglich. Diese reiche über sechs Wochen und benötige nicht den Status einer Pflegestufe. Meist werde die Kurzzeitpflege im Anschluss eines Krankenhausaufenthalts genutzt. Nicht selten auch, um zu entscheiden, ob die Betroffenen wieder selbst zurecht kommen oder nicht.

"In jedem Fall ist es sehr wichtig, dass die Senioren ihr Umfeld kennen."

"In jedem Fall ist es sehr wichtig, dass die Senioren ihr Umfeld kennen." Damit will Tesdorff sagen, dass es nur hilfreich wäre, im gewohnten sozialen Umfeld bleiben zu können.

Hinzu komme, dass der Wohnraum in Güsten häufig nicht nur auf einer Etage organisiert ist. "Es fehlt jetzt einfach schon an altengerechten Wohnungen." Als Pfarrer komme er viel rum und muss zum Beispiel auch erleben, dass Rentner teilweise noch die Kohlen über enge Treppen nach oben schleppen. "Oft ist es in den Dörfern so, dass die Leute bis ins hohe Alter in ihren Geburtshäusern wohnen. Nicht zuletzt, weil sie auf die Nachfolge der Kinder und Enkel hoffen. Diese Hoffnung erfüllt sich leider nicht oft. Die Alten hängen aber dennoch daran."

Das Thema Tagespflege wäre auf jeden Fall auch eine Alternative für pflegende Angehörige, die noch berufstägig sind. "Dafür gibt`s in Bernburg viele positive Beispiele", so Tesdorff, der mit der Kanzler von Pfau`schen Stiftung selbst eine Tagespflege mit aufgebaut hat. Der ASB betreibt in Alsleben ein ähnliches Haus. Güsten und seinen Ortsteilen fehlt so etwas komplett.

Die Umsetzung der anfangs erwähnten Pläne im Förderprogramm sind nach gegenwärtigem Stand bis 2019 vorgesehen.