Was wird aus der alten Zuckerfabrik in Hecklingen? Seit Jahren verfällt die Industrieruine mehr und mehr. Die Volksstimme hat im Rathaus nachgefragt. Außerdem schwebt im Zusammenhang mit dem Leader- Förderprogramm der Europäischen Union derzeit die Vision eines Mega-Projektes im Raum.

Hecklingen l Alte Schornsteine, zerschlagene Fenster, eingefallene Mauern, Müll, Schutt, Steine - Wer in Hecklingen aus Staßfurt kommend einfährt, muss einen Anblick in Kauf nehmen, der kein schönes Bild der Begrüßung bietet. Das Gelände der alten Zuckerfabrik verfällt seit Jahren mehr und mehr.

Im Rathaus ist das Problem bekannt. Die Stadt ist aber nicht der Eigentümer der Fläche. "Das Grundstück ist herrenlos", erklärt die Leiterin des Hauptamtes Nancy Funke. Vor Jahrzehnten habe es einen Eigentümer gegeben, der auf dem Gelände eine Kinderspielstadt bauen wollte. "Doch die Pläne verliefen im Sand."

In Hecklingen könnte das Förderprogramm Leader der Europäischen Union jetzt eine neue Idee aufgreifen. Leader steht für Liaison entre actions de développement de l`économie rurale (Verbindung zwischen Aktionen zur Entwicklung der ländlichen Wirtschaft). Dazu muss eine lokale Aktionsgruppe anerkannt sein. Staßfurt, Hecklingen und die Egelner Mulde haben sich zur Region "Börde-Bode-Auen" zusammengeschlossen.

"Der Grundgedanke ... ist, dass ... eine Eigenheimsiedlung für Familien auf der einen Seite und ein Komplex mit betreuten Seniorenwohnungen auf der anderen entsteht."

Im Fall der Zuckerfabrik würde es sich um ein Mega-Projekt handeln. Stadtrat Roger Stöcker hat dazu eine Vision für Leader entwickelt. Öffentlich hat er sein Vorhaben während einer jüngst zurückliegenden Leader-Beratung in Hecklingen zwar noch nicht thematisiert. Der Leiterin der Projektgruppe Gudrun Viehweg schilderte er seine Pläne aber schon. Während der kommenden Sitzung soll darüber gesprochen werden.

Worum geht es dabei? Stöcker erklärt: "Der Grundgedanke hinter dem Projekt Generationsübergreifendes Wohnen in der alten Zuckerfabrik ist, dass die Industriebrache mithilfe von EU-Fördermitteln abgerissen wird und auf dem Gelände eine Eigenheimsiedlung für Familien auf der einen Seite und ein Komplex mit betreuten Seniorenwohnungen auf der anderen entsteht."

Das Projekt sei natürlich eine riesige Maßnahme, die nicht von heute auf morgen umzusetzen ist.

"Dennoch sollten wir uns auch an solche Projekte herantrauen, wenn wir nicht noch in 100 Jahren auf die maroden Relikte der Vergangenheit schauen wollen", meint der Kommunalpolitker.

"Das Projekt würde zwei Probleme auf einmal lösen. Zum einen wäre die marode Industriebrache weg und zum anderen könnten wir dem demografischen Wandel und der Alterung unserer Gesellschaft mit einem nachhaltigen Konzept begegnen", sagt Stöcker.

Auf seine Vorstellungen angesprochen, erklärte Leader-Expertin Gudrun Viehweg gestern der Volksstimme, dass die Projektidee prinzipiell in die richtige Richtung geht.

Leader-Expertin kann dazu noch nichts sagen

Um das Projekt zur Förderung zu bringen, sei es aber nötig, die Idee Schritt für Schritt weiter zu entwickeln - Vom Nachhaltigkeitskonzept, über einen Finanzplan bis hin zu baulichen Unterlagen und einem Kostenplan.

Im Moment kann die Beraterin noch keine Prognose zur Zuckerfabrik abgeben, weil sich die Leader-Interessengruppe "Börde-Bode-Auen" derzeit um die offizielle Anerkennung des Landes bemüht.

Vertreter aus Städten und Gemeinden, Vereinen und private Personen, Unternehmer und Mitwirkende aus Institutionen arbeiten darin mit.

Die lokale Aktionsgruppe "Börde-Bode-Auen" war in den letzten sieben Jahren schon erfolgreich. Insgesamt flossen 4,2 Millionen Euro in Projekte im ländlichen Raum. Sollte der Interessengruppe jetzt erneut die Anerkennung als lokale Aktionsgruppe gelingen, könnte Gudrun Viehweg zufolge nochmal soviel Geld akquiriert werden.

"Erst die anerkannte Leader-Region `Börde-Bode-Auen` könnte erneut Fördermittel beantragen"

Die Anerkennung hängt aber von einem Konzept ab, mit dem sich "Börde-Bode-Auen" erneut bewirbt und das heute beim Landesverwaltungsamt in Halle eingereicht wird. Seit Dezember wurde an darin geschilderten lokalen Entwicklungsstrategien gearbeitet. Zwei Vorgaben des Landes wurden in einem Gliederungsvorschlag berücksichtigt.

"Wir haben uns in unserem Konzept auf zwei Handlungsfelder konzentriert", erklärt Gudrun Viehweg. Einmal Naherholung und Kultur. Zum anderen sei es um den Schwerpunkt " vitale Städte, lebendige Dörfer und lebenswerte Region" gegangene. Projektideen seien in diesem Zusammenhang schon gesammelt worden. Hier spielt Stöckers Vision der Zuckerfabrik ein.

Viele weitere Projekte dürften aber ebenfalls diskutiert werden. Die Mitglieder der potenziellen neuen Aktionsgruppe haben sich bereits darauf verständigt, dass die Bode beim Thema Tourismus eine zentrale Rolle spielen soll. Hier sei die Kooperation mit drei angrenzenden weiteren Leader-Regionen angedacht. Es gehe etwa um den weiteren Ausbau und die Vermarktung des Bode-Radweges sowie des Flusslaufes.

Ob das eingereichte Konzept der Interessengruppe zum Erfolg geführt wird, entscheidet ein externes Gremium. Gudrun Viehweg rechnet aber mit einer erneuten Anerkennung der Leader-Region. Ob es dazu kommt, entscheidet sich voraussichtlich im August.

"Erst dann wäre die lokale Aktionsgruppe berechtigt, erneut Fördermittel über Leader zu beantragen", so Gudrun Viehweg, und erst dann könnte darüber gesprochen werden, ob die Wohn-Vision auf dem Gelände der alten Zuckerfabrik in Hecklingen eine Chance haben könnte.

   

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