Die Modellflieger in Egeln feiern im April ihren 60. Geburtstag. Viele Höhen hat der Flugmodell-Club bereits erlebt. Heute zählt der kleine Verein nur noch wenige Mitglieder, die sich dem anspruchsvollen Hobby widmen.

Egeln l Unter den Modellfliegern ist die Kleinstadt Egeln rund um den Erdball bekannt. Denn in der jüngeren Vergangenheit gab es auf den Egelner Wiesen mehrere Weltcups. Die Elite der Modellflieger traf sich ein Dutzend Mal in der Bodestadt, um die besten Modellbauer zu ermitteln.

Ernst Herzog ist einer der emsigen Modellbauer. 1955 war er dabei, wie der Modellbau in Egeln aus der Taufe gehoben wurde. Er erinnert sich noch, wie er damals mitgeholfen habe, als die Station der jungen Naturforscher und Techniker in Egeln eingezogen ist. Landesweit machten in der damaligen DDR solche Stationen auf, um bei Kindern und Jugendlichen die Lust an technischen Hobbys zu fördern.

Der 25. April ist das Gründungsdatum des Modellsports in der Kleinstadt. Vor den Toren Egelns ließen die Jugendlichen bald ihre Flieger in den Himmel steigen. Bis heute haben sich einige Egelner das Hobby bewahrt.

Im Kinder- und Jugendzentrum befindet sich die Werkstatt der Hobbyflieger. Dabei macht allerdings das Fliegen nur einen kleinen Teil aus. Vorrangig geht es den Modellfliegern um das gemeinsame Bauen der Flieger. Wochenlang dauert die Montage eines der Flugzeuge. Auf einen Antrieb verzichten die Modellbauer. Nur die aufsteigende warme Luft trägt die Flieger in den blauen Himmel.

Fein säuberlich stehen die besten Flugzeuge, demontiert, in der Werkstatt. Auf etwas mehr als 400 Gramm bringen es die großen, mehr als zwei Meter Spannweite messenden Segler. Bei den Wettbewerben kommt es darauf an, dass die Flugzeuge, einmal in den Himmel geschossen, mindestens drei Minuten fliegen. Dauert der Flug kürzer, gibt es Punktabzug. Dauert er länger, müsse der Pilot weiter laufen, um sein Modell zu holen, schildert Ernst Herzog.

40 Jahre hat er sich mit der Ausbildung der Jugendlichen in dem Verein beschäftigt. Unzählige Modelle hat er in seinem Leben bereits gebaut. Trotzdem lässt ihn das Hobby nicht los. Aktuell bastelt er gerade an einem neuen Flieger.

Ins Ausland hat ihn sein Hobby bereits vor dem Fall der Mauer gebracht. Denn es gibt in vielen Ländern begeisterte Modellflieger. Hier knüpfte er ebenso Kontakt zu westdeutschen Modellbauern, die er in den ehemals sozialistischen Nachbarländern bei Wettkämpfen traf.

Die sechs Jahrzehnte andauernde Geschichte der Modellflieger hat Ernst Herzog jetzt in einem ersten Band für die Nachwelt erhalten. Viele Fotos hat er aus den vergangenen Jahrzehnten in seinem Besitz. Nur in einer ganz kleinen Auflage ist das Buch erschienen. "Ich plane insgesamt vier Bände über den Modellflug in Egeln", zeigt er auf die Manuskripte auf seinem Wohnzimmertisch. Einen ganzen Ordner hat er mit Urkunden voll. Die Preise und Ehrungen der vielen Wettkämpfe sind hier gestapelt, zeigt er.

Heute kämpfen die Modellbauer gegen den Untergang ihres kleinen Vereins an. Aktuell hat der Club noch elf Mitglieder. Allerdings betätigen sich nur noch fünf von ihnen aktiv im Verein, sagt Ernst Herzog. Die anderen seien als passive Mitglieder im Verein. Heute übt das Hobby längst nicht mehr die Faszination auf Kinder und Jugendliche aus, wie noch vor einigen Jahrzehnten. Wer sich dennoch damit beschäftigt, muss vor allem viel Geduld mitbringen. Damit die Flugzeuge sich gut in der Luft halten, müssen sie vor allem was die Gewichtsverteilung angeht, ausbalanciert sein. Dabei spielt das Gesamtgewicht des Flugzeugs keine so große Rolle, sagt er.

In der Werkstatt hat Ernst Herzog noch einige große Flügel im Regal liegen. Daraus will er einen Nurflügler bauen. Die Flugeigenschaften der Nurflügler sind berühmt. Zahlreiche Vorbilder in der Technik gibt es dazu, verweist er auf bekannte Flugzeuge. Sein Modell soll auch einen Motor bekommen. Ab und zu wolle er dann den Motor starten, wenn das Flugzeug in der Luft sei. So könne er bestimmt stundenlang fliegen, freut er sich schon auf den Einsatz des Modells.

Selbst ist er übrigens noch nicht in ein Flugzeug gestiegen. Obwohl als sicherstes Verkehrsmittel bekannt, reist er lieber auf festem Boden. "Meine Frau ist schon mehrfach geflogen", sagt er. Trotz jahrzehntelanger Erfahrung mit Flugzeugen traut er den Verkehrsfliegern nicht ganz über den Weg. Als erfahrener Modell-Segler weiß er: "Wenn da das Triebwerk ausgeht, fliegen die nur noch wie ein Stein." Seine Segelflugzeuge werden nur von der durch die Sonne umweltfreundlich erwärmten Luft angetrieben.