Egelner Stadträte haben sich mit den Vereinsvorsitzenden der Kleingartenvereine getroffen. Das Gespräch zeigte, die Vereine kämpfen gegen Leerstand und Überalterung.

Egeln l Der durchschnittliche Kleingärtner in der Stadt Egeln hat die 60 längst überschritten. Vor allem Senioren kümmern sich aus Gewohnheit um ihre kleine Scholle in einer der Kleingartenkolonien in der Bodestadt. Nachdem der Stadtrat eine Pachterhöhung für die Kleingärten im vergangenen Jahr verhinderte und Bürgermeister Reinhard Luckner (UWGE) auftrug, mit den Vereinen zu sprechen, kam es am Mittwoch zum Gipfel im Rathaus. Die Vereinsvorsitzenden der Kleingartenvereine stellen in der gut einstündigen Veranstaltung ihre Situation dar. Bis auf eine Ausnahme, erfuhren die Stadträte, kämpfen die Vereine vor allem mit Mitgliederschwund, Überalterung und Leerstand. Im Durchschnitt sind 30 Prozent der Pachtgärten ungenutzt. Die Vereine pflegen die unbewirtschafteten Flächen mit. In der Kleingartenanlage an der Wasserburg bewirtschaften 45 Vereinsmitglieder die 98 Parzellen, sagt Vorsitzender Klaus Gräser. Tendenz weiter fallend. Jeder aufgegebene Garten, jeder weitere Mitgliederschwund verteuere die Pachtgärten für die verbliebenden Mitglieder, machen er und die anderen Vereinsvorsitzenden deutlich. Auch wenn die Stadt bislang nur drei Cent pro Quadratmeter Pacht verlangt, zahlen die Gartennutzer doch bereits jetzt schon ein Vielfaches davon. Denn die ungenutzten Flächen müssen ja mitbezahlt werden. Bis zu sechs Cent pro Quadratmeter, hat es ein Vereinschef ausgerechnet, müssen die Kleingärtner bereits jetzt schon mehr bezahlen, damit der Verein seine Rechnungen begleichen kann.

Auf der Suche nach neuen Gartenfreunden haben die gartenvereine bereits die einst ehernen Vorschriften über Bord geworfen. Spielgeräte oder ein Pool im Garten sei längst kein Problem mehr, schildert einer der Vorsitzenden. Ein anderer Verein versuchte sogar in den Magdeburger Supermärkten neue Gartenfreunde zu rekrutieren. Die Aktion sei ein Flop gewesen, gesteht der Vereinschef ein. Nicht eine Anfrage habe es gegeben.

Aufmerksam verfolgen die verbliebenen Gartenfreunde die Pachtdiskussion in Egeln. In den Vereinen, beschreibt einer, werde diskutiert, die Kleingärtnerei aufzugeben, wenn die Stadt jetzt doppelt soviel Pacht haben wolle. Durch den Leerstand wirkt sich die Pachterhöhung wie ein Bumerang aus, haben die Vereine ausgerechnet. Schnell könnte sich die Pachtsumme für die Gartenvereine verdreifachen, schilderte ein Gartenfreund.

Die Egelner Stadträte nannten am Mittwochabend keine Zahlen zu künftigen Pachtbeträgen. Womöglich komme der Stadtrat nicht um eine Erhöhung umhin, sagte Jürgen Riehl (UWGE). Die Kommunalaufsicht des Landkreises verlange von der Stadt, die Einnahmesituation zu verbessern, erinnerte er. Der Stadtrat wolle guten Willen zeigen und womöglich die Pacht um einen kleinen Betrag erhöhen. Nun sollen weitere Gespräche im Stadtrat folgen.