Schönebeck/Staßfurt l Wenn es nach den Gewerkschaften in Deutschland geht, dann war die Einführung des gesetzlichen Mindestlohns ein Erfolg. Die von einigen Experten und Politikern vorhergesagte Katastrophe ist ausgeblieben.

Das bestätigt Udo Gebhardt vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) in Sachsen-Anhalt im Volksstimme-Gespräch: "Im Gegenteil, Sachsen-Anhalt hatte nach 100 Tagen gesetzlichen Mindestlohn 17 Prozent weniger Arbeitslose als zur gleichen Zeit im Vorjahr." Auch im Salzlandkreis sind die Arbeitslosenzahlen gesunken, wie aus den just zum Monatswechsel veröffentlichen Arbeitsmarktdaten hervorgehen.

Der oftmals - und auch im nebenstehenden Beitrag von Carmen Neugebauer - monierte Mehraufwand an Bürokratie sei kein "Monster" sondern laut Gebhardt "kinderleicht und simpel". Der DGB-Chef Sachsen-Anhalts weiter: "Ein Unternehmen, das dies nicht glaubt leisten zu können, stellt sich selbst ein Armutszeugnis aus."

Zudem sei "ein Mindestlohngesetz ohne Arbeitszeiterfassung ein totes Gesetz". Schließlich erfolge die Bezahlung ja auf Stundenbasis. Und diese funktioniere in den Augen Gebhardts eben nur, "wenn die Arbeitszeit erfasst wird".

Für den Gewerkschafter besteht durch den Mindestlohn auch keinerlei Gefahr für einen Ansteig der Schwarzarbeit. Ein direkter Zusammenhang sei auch in anderen Ländern "noch nie nachgewiesen worden". Und weiter: "Also ist der Mindestlohn offen- bar nicht der Grund allen Übels." Abhängig sei es von den Beschäftigungsverhältnissen.

Fakt sei, "dass billig, billig, billig kein gutes Geschäftsmodell ist, weder beim Bäcker, noch beim Friseur".

In Deutschland befinde sich der Arbeitsmarkt derzeit in einer Umstrukturierung - auch zu mehr Qualität. "Der Mindestlohn ist ein kleiner Schritt dahin", sagt Gebhardt weiter. Dennoch gilt: "Auch vom Mindestlohn wird man noch lange nicht reich."