Sie sind jung und wollen arbeiten. Die Geschwister Mirsada, Emrana, Scurta und Muhamed suchten Kontakt und fanden ihn im Heimatverein Ränzelstecher Güsten-Osmarsleben. Gern würden sich die 18- bis 26-Jährigen noch mehr integrieren.

Staßfurt l Ein besonderes Bildnis von der Ränzelstechersage schmückt seit kurzem die Heimatstube. Die Figuren sind aus Wollfäden gelegt. Mirsada Selimi heißt die Künstlerin, die den Heimatverein damit erfreute. Vielleicht auch als kleines Dankeschön dafür, dass die 26-Jährige hier ein Stück Geborgenheit für sich und ihre Geschwister gefunden hat. Die Selimis stammen aus Mazedonien, wo sie auf Grund ihres albanischen Namens verfolgt wurden, wie sie erzählen.

Seit nunmehr zwei Jahren sind sie in Deutschland, seit einem Jahr wohnen sie in Güsten. "Ich habe sechs Monate Deutsch-Kurs in Schönebeck", erzählt die älteste der drei Schwestern, "aber danach zu Hause, viel vergessen, weil zu wenig Kontakt." Das soll sich ändern. Mit Hilfe des Heimatvereins. Um ihre Deutschkenntnisse zu festigen, haben die Selimis zudem das Angebot, die Sprechstunde von Pfarrer Tesdorff zu nutzen.

Mirsada hat Architektur studiert, was ihr ebenfalls Türen öffnet. Ihr künstlerisches Geschick bewies sie zum Beispiel schon dem Güstener Bürgermeister. Ihn porträtierte die junge Frau in Schützentracht. Das Gemälde ist sehr gelungen. Ihr Ziel ist es jedenfalls nicht nur, ihr Deutsch zu festigen, sondern auch das Studium zu beenden. Am liebsten würde sie später aber als Sozialpädagogin tätig sein. Im nächsten Monat kann Mirsada eventuell ein Praktikum machen.

Derweil würden ihre jüngeren Schwestern Emrana (22) und Scurta (21) gern als Köchinnen arbeiten. Bislang hat das noch nicht geklappt. Muhamed (18) lernte ein Jahr in einem Wirtschaftsgymnasium. Sein Hobby: Volleyball. Die Heimatvereinsmitglieder wollen nun versuchen, ihm einen Verein zu vermitteln, in dem diese Sportart betrieben wird. Mitglieder sucht schließlich heutzutage jeder Verein.

Gabriele Kirchschlager ist besonders fasziniert von Emrana, die nach eigenen Aussagen sieben Sprachen spricht. "Was das für ein Potenzial ist", so die Vereinsschatzmeisterin begeistert. Und Maria Born findet es als schöne Erfahrung, die vier Geschwister kennengelernt zu haben.

Derweil arbeitet Mirsada an ihrem nächsten Kunstwerk. Sie will Deutschland ein Gesicht geben. Auf einer Deutschlandkarte ist bereits zu sehen, wo Augen, Mund und Nase ihren Platz haben werden.

Bilder