In Hecklingen ärgern sich Sportler über den ungepflegten Zustand im Hecklinger Weinbergsgrund. Aus Naturschutzsicht handelt es sich um ein wertvolles Gebiet. Müll, der dort abgekippt wird, ist den Walkern deshalb ein Dorn im Auge.

Hecklingen l Seltene Pflanzen gedeihen im Weinbergsgrund. Das Frühlingsadonisröschen (siehe Infokasten) ist eine davon. Auf der Suche nach den ersten gelben Blüten des Jahres suchte sich Günther Tappenbeck aus Neundorf kürzlich den Weinbergsgrund aus, um seinen liebsten Sport und das Genießen des Natur in Einklang zu bringen. Dass, was er sah, schockierte den Nordic-Walker, der seit einigen Monaten nicht mehr dort war: "Es begrüßt das verrostete Schild mit `Landschaftschutzgebiet - Befahren verboten!`. Den Weg, der sich dann anschließt, der über zehn Jahre wie ein Wiesenweg ausgesehen hat, gibt es nicht mehr. Zu sehen ist eine ausgefahrene, häufig genutzte Fahrspur - Ackerfahrzeuge?" In seinem Brief, den er der Redaktion geschickt hat, berichtet er davon, dass im Weinbergsgrund Baumfällarbeiten durchgeführt wurden. Ihm kommt es so vor, dass kein System dahinter steckt. Und noch eine Entdeckung der unschönen Art stimmt ihn missmutig: "Im oberen Teil des Grundes steht ein Wohnwagen mit Harzer Kennzeichen. Vielleicht wird die Wiese bald Campingplatz?", fragt er ironisch.

Tappenbeck hat den schlimmen Zustand beim Ordnungsamt der Stadt Hecklingen angezeigt und ist dazu persönlich ins Rathaus gegangen. Dort wurde ihm mitgeteilt, dass es sich beim Weinbergsgund nach wie vor um ein Landschaftsschutzgebiet handelt. Zuständig sei die Untere Umweltschutzbehörde, so die Information.

"Das Problem ist bei der Stadt bekannt", sagt die Leiterin des Bau- und Ordnungsamtes der Stadt Hecklingen Sigrid Bleile der Volksstimme. Sie weiß von unbekannten Müllsündern, die dort illegal Abfälle entsorgen. Dass das Problem sich derzeit zuspitzt ist ihr nicht bekannt. Sie hat zugesagt, sich umgehen zu kümmern. Dazu möchte sie sich auch mit der Unteren Naturschutzbehörde in Verbindung setzen.

Die Volksstimme hat beim Landkreis ebenfalls nachgefragt. Pressesprecherin Alexandra Koch weiß um die Bedeutung des Gebietes. "Bei dem Weinbergsgrund bei Hecklingen handelt es sich tatsächlich um ein aus Naturschutzsicht äußert wertvollen Bereich. Der Weinberggrund ist ein sehr artenreiches Gebiet und beherbergt eine große Zahl seltener und geschützter Tier- und Pflanzenarten, welche besondere Ansprüche an ihre Lebensräume stellen."

Denn der Weinbergsgund sei ein FFH Gebiet, also ein Landschaftsschutz, das nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie ausgewiesen wurde, und deshalb als Flächennaturdenkmal einem besonderen Schutz unterliegt. Darüber hinaus befindet sich der Weinberggrund innerhalb des Landschaftsschutzgebietes "Bodeniederung".

Alexandra Koch kann informieren: "In den vergangenen Jahren wurden im Weinberggrund Maßnahmen zur Entbuschung durchgeführt um besonders wertvolle Flächen zu erhalten und zu entwickeln. Diese Arbeiten sind regelmäßig durch den Salzlandkreis betreut worden, sodass inzwischen ein aus Naturschutzsicht guter Zustand erreicht worden ist." Die Mitarbeiterin der Landkreisverwaltung berichtet weiter, dass der Weinbergsgrund dem Feld- und Forstordnungsgesetz nach tatsächlich nicht von jedermann befahren werden darf. Ausgenommen sind zum einen Personen mit Einwilligung des Grundeigentümers oder des Nutzungsberechtigten, jedoch nicht zu motorsportlichen Zwecken.

Personen, die im Rahmen der befugten Jagdausübung, unterwegs sind, dürfen aber mit Autos hier lang, ebenso Bedienstete von Behörden und Personen mit behördlichem Auftrag, soweit das Befahren zur Erfüllung ihres Dienstes erforderlich ist.

Der Fachdienst Umwelt und Natur der Landkreisverwaltung geht davon aus, dass die Fahrspuren, die im Weinberggrund festgestellt wurden, durch die Firmen, die die Entbuschung durchgeführt haben beziehungsweise durch Jäger verursacht wurden. "Sollten im Weinberggrund Privatfahrzeuge festgestellt werden, wird die Feststellung der Autokennzeichen und eine entsprechende Anzeige empfohlen", rät die Pressesprecherin.

Sie muss außerdem bestätigen, dass Müllablagerungen im Weinberggrund bereits in der Vergangenheit immer wieder festgestellt wurden. Aus Sicht des Salzlandkreises wird kritisiert, dass unbekannte Bürger ihren Müll in der freien Landschaft abkippen.

Sollten erneut Ablagerungen speziell im Weinberggrund festgestellt werden, kann dies auch im Fachdienst Natur und Umwelt im Salzlandkreis bei der Umweltinspektorin Simone Vehse unter der Telefonnummer (03 47 1)6 84 19 35 gemeldet werden. Eine Beräumung soll dann nach einer Begehung durch den Kreiswirtschaftsbetrieb organsiert werden.

Unabhängig davon verweist die Pressesprecherin noch auf einen großen Frühjahresputz.Einen solchen organisiert der Landkreis am 8. Mai in Zusammenarbeit mit den Kommunen.

   

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