Löderburg/Giersleben l "Mein Kumpel hat mich ermuntert, doch der Zeitung darüber zu berichten", steht Bruno Klein in seinem Vorgarten und möchte gar keine große Sache daraus machen, als er auf die Kreise zeigt. Es sind Stellen, auf denen das Gras besonders kräftig wächst. "Das erste Mal", versichert der Löderburger. Zuvor war dort nie so etwas zu sehen. Klein wohnt seit 1967 in dem Haus an der Staßfurter Straße. Anfangs wurde die Fläche als Gartenbeet genutzt. Zuletzt standen zwei Tannen dort, die er aber vor vier Jahren gerodet hatte. Die Vermutung sogenannter "Hexenkreise" liegt nah, aber Pilze, die von den ehemaligen Wurzeln stammen könnten, zeigten sich bislang nicht. Außerdem passen die Standorte der Baumstümpfe nicht zu den Kreisen.

Material-Entnahmegruben zur Solegewinnung?

Piet Fürchtenicht in Giersleben, dessen Familie kürzlich über mehrere derartige Kreise berichtet hatte, lassen die Gebilde jedenfalls keine Ruhe. "Es war schon jemand mit einem Metalldetektor da. Aber mehr als ein Stück Silberpapier kam nicht zum Vorschein", erklärt der Giersleber. Im Sommer werde er versuchen, das Geheimnis vielleicht mit einem Drei-Meter-Bohrer zu lüften.

Die Untere Denkmalschutzbehörde des Salzlandkreises meint, dass es sich bei den Kreisen eventuell um Bewuchs-Anomalien handeln könnte. "Die können durch frühere Eingriffe in den Boden durch menschliche Tätigkeit entstanden sein, aber auch auf natürliche Art - und unter besonderen klimatischen Voraussetzungen zeitlich unregelmäßig erkennbar sein", übermittelt Alexandra Koch, Presssprecherin des Landkreises. Solche Kreise könnten über Jahre auch gar nicht auftreten. In der Regel seien die Bewuchsunterschiede deutlicher wahrnehmbar, je größer der Unterschied ist zwischen der Wasserhaltekapazität des natürlichen Bodens und der Bereiche, die durch Veränderungen geprägt wurden.

"Solche Befunde sind zum Beispiel im Bereich Löderburg, westlich des Löderburger Sees auf dem Acker deutlich zu beobachten", so Koch. Nach derzeitiger fachlicher Interpretation handele es sich um sogenannte Material-Entnahmegruben, eventuell zur Solegewinnung, die in der Regel "fundleer" und in ur- und frühgeschichtlichen Zeiten entstanden sind. Eine genauere Datierung sei auf Grund der Fundleere meist schwierig.

Es bestehe natürlich Interesse bezüglich einer Inaugenscheinnahme dieser Fehlwuchsstellen, erklären die Bodendenkmalpfleger. Abhängig von der Größe dieser Kreise wäre auch eine Befundzuordnung denkbar (zum Beispiel Kreisgräben ehemaliger Grabanlagen der Bronze- oder Eisenzeit, Material-Entnahmegruben oder andere Siedlungs- oder Grabbefunde aus ur- und frühgeschichtlichen Zeiten wie auch aus der Zeit des Mittelalters und der frühen Neuzeit).

"Untersuchungen an diesen Befunden, die zu Eingriffen führen wie Grabungen oder Bohrungen, aber auch der Einsatz von Metalldetektoren bedürfen einer denkmalrechtlichen Genehmigung", ergänzt übrigens die Untere Denkmalschutzbehörde. Die Erforderlichkeit einer solchen Untersuchung sei im Denkmalschutzgesetz begründet. Grundsätzlich sei der Erhalt der Befunde zu gewährleisten - am besten, wenn nicht eingegriffen werde.