Viele kleine Schritte sind notwendig bis die Bagger tatsächlich anrollen: Jetzt liegen die Pläne für die Ortsumgehung Brumby aus, gegen die noch Einsprüche möglich sind.

Brumby l Planerisch ist die Ortsumgehung Brumby auf der Zielgeraden. Nachdem das Vorhaben zum Neubau öffentlich ausgelegt wurde und Bürger oder Träger öffentlicher Belange Einwände abgeben konnten, hat die Planungsbehörde, das Landesverwaltungsamt, alle Belange analysiert und den Planfeststellungsbeschluss angefertigt. Dieser wurde vom Präsident des Landesverwaltungsamtes Thomas Pleye vor zwei Wochen persönlich in Brumby übergeben.

Nicht sehr wahrscheinlich, aber dennoch möglich ist, dass Beteiligte den Rechtsweg gegen den Planfeststellungsbeschluss beschreiten. Die Einwände der Behörden und Bürger wurden durch das Landesverwaltungsamt bereits eingeholt. Sieht einer der Beteiligten seine Interessen in den Plänen dennoch nicht ausreichend berücksichtigt, besteht die Möglichkeit zu klagen, also gerichtlich gegen den Planfeststellungsbeschluss vorzugehen. Verkehrsminister Thomas Webel und die Bürgerinitiative Brumby hoffen, dass keine Klage das Vorhaben nach hinten verschiebt. Wenn alles glatt läuft, kann im Mai Baurecht für die Ortsumgehung geschaffen werden.

Der Planfeststellungsbeschluss liegt seit Dienstag für den Zeitraum von zwei Wochen bis Montag, 27. April, im Staßfurter Rathaus aus. Einsehbar ist das Dokument für alle Bürger dort montags von 9 bis 12 Uhr, dienstags von 9 bis 12 Uhr und 13 bis 18 Uhr, donnerstags von 9 bis 12 Uhr und 13 bis 16 Uhr und freitags von 9 bis 12 Uhr (Haus 1, Zimmer 210, Steinstraße 19 in Staßfurt).

Mit dem Planfeststellungsbeschluss ergehen auch straßenrechtliche Entscheidungen, unter anderem, dass die zu bauende Ortsumgehung als Landesstraße gewidmet wird oder dass die jetzige Hauptstraße Brumbys zur Gemeindestraße wird. Die Ortsumgehung soll 3461 Meter lang sein und von der Autobahnauffahrt bis zur ehemaligen Kanonenbahn führen. Geplant ist auch der Bau eines Radwegs.

Zu den notwendigen Verwaltungsschritten gehört auch ein sogenanntes Flurbereinigungsverfahren - ein kompliziertes Prozedere, um die Flächen, die Grundstücksbesitzer wegen des Straßenbaus abgeben müssen, neu zu verteilen. Das Verfahren läuft parallel zum Bau und kann sieben bis acht Jahre dauern, schätzt der Verkehrsplaner der Stadt, Günther Roddewig. "Bei einem Flurneuordnungsverfahren werden alle Flurstücke im Verfahrensgebiet neu angeordnet", erklärt er. Das Verfahrensgebiet ist das Gebiet der neuen Ortsumgehung. "Sinn und Zweck des Ganzen ist es, die Lasten für die Bodenerhebung gleichmäßig zu verteilen." Das heißt: Wenn Hauseigentümer mit zugehörigem Grundstück oder Ackerbesitzer durch den Bau der Ortsumgehung Flächen verlieren, bekommen sie innerhalb des Verfahrensgebiets gleichwertige Flächen als Ausgleich. Die Flächen werden neu zusammengefasst und geordnet sowie neu zu errichtende Feldwege geplant.

"Verschiedene Faktoren werden dabei aufgenommen, zum Beispiel der Bodenwert", so Roddewig. Verliert ein Grundstückseigentümer ein Stück Land, kann er als Ersatz auch ein größeres Stück Land mit geringerer Qualität oder ein kleineres Stück Land mit höherer Qualität erhalten. Grundstücksverkäufe oder -verpachtungen sind für die betroffenen Grundstücksbesitzer während des Verfahrens weiterhin möglich, so Roddewig.

Verantwortlich für die Neuordnung ist das Amt für Landwirtschaft, Flurneuordnung und Forsten Mitte. Dieses entscheidet darüber, wie die Flächen neu angeordnet werden. In einer sogenannten "Teilnehmergemeinschaft" haben Grundstückseigentümer aber Stimmrecht.

Die Teilnehmergemeinschaft für das Verfahren zur Ortsumgehung Brumby soll sich am Montag, 27. April, ab 18 Uhr im Brumbyer Bürgerhaus zum ersten Mal treffen und einen Vorstand wählen. Das Amt bittet die betroffenen Grundstücksbesitzer teilzunehmen. Die Teilnehmergemeinschaft wird sich zu Beginn des Verfahrens mehrmals treffen, dann nur noch bei Bedarf. Nur die bei dem Termin anwesenden Teilnehmer oder Bevollmächtigten können den Vorstand wählen.