Kinder aus Groß Börnecke, Schneidlingen und Cochstedt sprechen in der Schule Plattdeutsch. Die Mundart kommt an. Das freut Männer und Frauen, die "opp Platt" in ihrer Freizeit gern "spräken", weil ihre Familien daheim früher schon so gesprochen haben.

Groß Börnecke l "Das Plattdeutsche ist eine Mischung aus vielen verschiedenen Einflüssen im europäischen Raum - ich höre Holländisch, Dänisch, Englisch", sagt Thomas Werner. Wenn er vom normalen Hochdeutsch in die Mundart verfällt, ist das für ihn ganz normal. Auch Klaus Schönemann kann Plattdeutsch sprechen. Seit seinem achten Lebensjahr ist ihm der manchmal witzig klingende "Dialekt" vertraut. Damals habe sich ein jeder im Haushalt, dort wo er lebte, so unterhalten.

Die Männer treffen sich regelmäßig mit weiteren Leuten der Region rund um Cochstedt. "Jeschichten" werden "jelesen", Neuigkeiten ausgetauscht, "opp platt" natürlich. Zur Gruppe gehört auch die Cochstedterin Anita Schröder. Gemeinsam mit Thomas Werner und Klaus Schönemann möchte sie die liebste Mundart pflegen und dafür Sorge tragen, dass weitere Generationen die Tradition erhalten.

Daher wurde jetzt am Grundschulzentrum "Bördeblick" ein Pilotprojekt gestartet. 26 Kinder der vierten Klasse aus Groß Börnecke, Schneidlingen und Cochstedt nehmen seit knapp vier Monaten daran teil. Sie werden von den drei "Platt-Spräkern" unterrichtet.

Gestern lasen alle zusammen das Märchen der Bremer Stadtmusikanten. Dazu malten die Kinder Bilder. Denn im Rahmen der Arbeit wird eine Fibel zum Lernen der Sprache produziert. Darum kümmert sich Thomas Werner. "Es gibt acht Bundesländer, in denen Platt zum Kulturgut gehört. Dazu gehört auch Sachsen-Anhalt", weiß er. Anita Schröder kann berichten, dass Plattdeutsch nicht gleich Plattdeutsch ist. "Wir sprechen das Ostfälische Platt." Dazu wiederum gehöre das Harzer Platt, das Börde-Platt und das Platt der Altmark. Die Kinder finden den Unterricht der etwas anderen Art jedenfalls toll. "Mein Papa spricht ab und an auch Platt", erzählt der kleine Paul. Und Bennet aus der vierten Klasse findet die neue "Sprache" schön: "Viele wissen gar nicht, dass es sie gibt", meint er. Schließlich übersetzte Anita Schröder für die Volksstimme noch einen Satz: Sie sagt: "Plattdeutsch spräken makt Spaß" und die Kinder erklären der Redakteurin, wie das geschrieben wird.

 

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