Wie noch vor einem halben Jahrhundert pflügten am Sonnabend Pferdegespanne den Boden bei Westeregeln um. Acht Teilnehmer kämpften sich durch den Bördeboden im Wettstreit um die beste Ackerfurche.

Westeregeln l Wie ein Zeitsprung mutete der Gespannpflug-Wettbewerb in Wester- egeln am Wochenende an. Auf einem Ackerstück unweit der Gemeinde rangen acht Gespannführer um höchste Anerkennung beim Ziehen der Furchen auf dem Acker.

Das Pflügen mit Pferden ist zu einem sehr seltenen Hobby geworden. Dementsprechend reisten die Teilnehmer auch aus anderen Bundesländern nach Westeregeln an. Dabei müssen die Starter neben den Pferden auch die übrige Ausrüstung mitbringen. Gestellt wird lediglich die zu pflügende Fläche.

Martin Lange vom Reit- und Fahrverein Westeregeln hat den Wettstreit organisiert. Seit Jahren kennt er die Szene. Die Pächtergemeinschaft Börde-Westeregeln stellt den Boden zur Verfügung. Die Landwirte der Region schauen sich an, wie der Boden einst bearbeitet wurde. Christian Meyer ist einer von ihnen. Neben dem abgesteckten Wettbewerbsfeld haben die Landwirte ihre modernen Maschinen aufgefahren. Nur heute pflüge kaum ein Landwirt noch seine Felder, sagt er. Nur bei einigen Früchten mache ein Pflügen noch Sinn. In der modernen Landwirtschaft, in der der Landwirt mehr Unternehmer und Firmenchef ist, zählt vor allem Effizienz und Kostenersparnis.

Wie mühevoll einst das Ziehen der Furche mit Pferden war, ließ sich am Sonnabend bestens beobachten. Auf einer abgesteckten Parzelle mussten die Pflüger ein möglichst gleichmäßiges Bild erzeugen. Eine dreiköpfige Jury wachte mit Argusaugen über jede Furche. Für jede Abweichung drohte Punktabzug.

Strikte Punktewertung

Neben 100 möglichen Punkten drohten bis zu 52 Punkte Abzug. Schon ein Abweichen der Tiefe brachte schnell ein Defizit in das Punktekontor. Unter Beobachtung stand außerdem die Ökonomie. Wer mehr als eine Leerfahrt über die Scholle machen musste, um weiter zu pflügen, büßte ebenfalls Punkte ein. Abzug war außerdem sicher, wenn ein Assistent helfen musste.

Für die Teilnehmer an dem Wettbewerb war es neben einer großen Konzentrationsaufgabe vor allem der Spaß, der sie nach Westeregeln führte.

Beachtenswert fanden die Zuschauer vor allem das Zusammenspiel von Mensch und Tier. Ein gutes Ergebnis beim Gespannpflügen ist nur möglich, wenn die Tiere auf jedes Kommando unmittelbar reagieren. Heinz Haenschke machte gut vor, wie das funktioniert. Der Starter aus Wellen hat nach eigener Aussage schon mehrere Titel geholt. Sehr erfahren ist er beim Gespannpflügen.

Horst Hornickel und Werner Rößler aus Wiederstedt bei Hettstedt hatten am Nachmittag sichtlich größere Probleme bei der Lösung der gestellten Aufgabe. Um es spannender zu machen, hatte sich die Jury entschieden, die Bedingungen etwas zu verschärfen. Dafür gibt es die Möglichkeit, den Teilnehmern ein trapezförmiges Stück Land zu geben. Die Keilform macht die Aufgabe schwerer, wer trotz der Schräge die Furchen parallel gezogen werden müssen, schätzten die beiden Wiederstedter die Aufgabe als sehr schwierig ein.

Zu gewinnen gab es übrigens einen Pokal. Am 20. September treffen sich die Hobby-Pflüger wahrscheinlich in Freckleben bei Aschersleben zur offenen Meisterschaft wieder.

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