Unbekannte haben den Spielplatz in der Neun- dorfer Straße in Staßfurt verunstaltet. Der zuständige Stadtpflegebetrieb hat Anzeige bei der Polizei erstattet.

Staßfurt l "Ich liebe Dich, Fabi. Du bist alles für mich!" - ein wunderschöner Liebesgruß, über den sich der Adressat einfach nur freuen kann. Ganz und gar nicht zum Lachen ist Brigitte Hirschfeld zumute, wenn sie diese und andere innige Sprüche lesen muss. Denn mit ihnen haben sich unbekannte Schmierfinken auf den Geräten des Spielplatzes in der Neundorfer Straße verewigt. Für die öffentlichen Spielflächen in Staßfurt zeichnet der Stadtpflegebetrieb verantwortlich, dessen Leiterin Brigitte Hirschfeld ist. Sie ist wütend über die Verunstaltungen und dem damit verbundenen Mehraufwand für ihre Mitarbeiter. "Wie niveaulos und primitiv sind Menschen, die sich so verewigen müssen?", fragt die Chefin des Betriebs.

Nach den Wintermonaten wurde der Spielplatz gerade wieder hergerichtet. "Mit viel Mühe, Kosten und Zeitaufwand wurden die Spielgeräte vor Wochen in der Werkstatt des Stadtpflegebetriebes aufgearbeitet. Fehlende, zerstörte Teile wurden extra hergestellt, mit Farbe besprüht und sehr mühevoll wieder aufgebaut", berichtet Brigitte Hirschfeld. Alles müsse passen und den Anforderungen von externen Prüfern standhalten. Mitarbeiter Gunter Lucke, so die Chefin, engagiere sich besonders und stecke all seine Kraft in die Arbeiten.

"Wenn wir wegsehen, passieren vielleicht demnächst andere kriminelle Taten."

Ein Teil der Öffentlichkeit respektiert das offensichtlich nicht. Denn genau 13 Tage war der Spielplatz erneuert, jetzt sind die Geräte mit Schriftzügen beschmiert.

Brigitte Hirschfeld sagt, dass diese Form von Vandalismus nicht nur nach sich ziehe, dass man einen Teil des Stadtbildes verunstalte und ein Angebot für die jüngeren Staßfurter einschränke. Es gehe auch um die Motivation ihrer Mitarbeiter ganz allgemein. "Ich kann sie nicht mehr begeistern an diesen `Tatorten` wieder von vorn zu beginnen. Andere Arbeiten, die genauso wichtig sind, bleiben liegen. Das ist wie mit dem Hamster im Rad: Kaum hat man etwas geschaffen, wird es zerstört." Dazu gehörten auch Verunreinigungen durch Hundedreck, Zerstörungen an Bänken und Geräten. 77 000 Euro sind in diesem Haushaltsjahr für Ertüchtigung und Ersatzbeschaffungen von Geräten auf allen öffentlichen Spielplätzen eingeplant. "Das Geld könnte sinnvoller ausgegeben werden als für Vandalismusbeseitigung."

Der Stadtpflegebetrieb hat im aktuellen Fall Strafanzeige bei der Polizei gestellt. "Wenn wir wegsehen, passieren vielleicht demnächst andere kriminelle Taten, die vielleicht unsere Stadt noch viel negativer darstellen."

Die Polizei bestätigt die Anzeige. "Die Kriminalpolizei hat die Ermittlungen aufgenommen", sagt Einsatzleiter Mark Schröder. Es geht um Sachbeschädigung. Zwar seien keine Geräte zerstört worden. Aber weil der Reparaturaufwand sehr hoch ist, gehe man diesem Tatvorwurf nach. Bei den Schmierereien sind viele Namen zu erkennen. "Die Untersuchungen zielen darauf, Zusammenhänge herzustellen und eventuell Personen zu befragen", so Mark Schröder. Wichtig sei, dass Anzeige erstattet worden ist, so könnte die Polizei möglicherweise auch Bezüge zu ähnlichen Taten herstellen, die bereits aufgenommen sind.

Brigitte Hirschfeld vom Stadtpflegebetrieb hofft, dass es möglicherweise Zeugen gibt, die Aussagen machen könnten. Sie bittet aber auch alle Staßfurter, die solche Beobachtungen machen, Zivilcourage zu beweisen und den Taten Einhalt zu gebieten. "Man muss sich nicht in Gefahr bringen, aber man kann die Polizei informieren." Die Spielgeräte werden nach einer Überprüfung gestern als funktionssicher eingestuft, so die Leiterin des Stadtpflegebetriebs. Wachsamkeit sei trotzdem geboten, meint Brigitte Hirschfeld: "Was ist morgen und wem passiert dann vielleicht ein gesundheitlicher Schaden?" Das hat dann mit Liebe und entsprechenden Grüßen nun wirklich nichts mehr zu tun.

 

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