Die 7. Staßfurter Aktionstage "Staßfurt - eine Stadt für alle" bieten in dieser Woche viel Programm. Beim großen Bürgerforum wurden verschiedene gesellschaftliche Felder beleuchtet, in denen Inklusion fruchtet oder wo noch Bedarfe bestehen. Daraus werden konkrete Ziele für Verwaltung und Stadtrat formuliert.

Staßfurt l "Staßfurt soll eine Stadt für alle sein - doch wo ist Handlungsbedarf?" - Christine Fischmann, Gleichstellungs- und Inklusionsbeauftragte in der Bodestadt, stellt diese Frage zu Beginn. Und lädt ein, einmal das gewohnte Schubladen-Denken beiseite zu legen, sich auf andere Ansätze einzulassen. Kreativ soll es zugehen beim Bürgerforum während der 7. Staßfurter Aktionstage "Staßfurt - eine Stadt für alle". Die Gedanken sollen frei sein, Ideen keine Grenzen gesetzt werden.

So ist es nur ganz konsequent, dass das Duo Ana Anda aus Karlsruhe zu Beginn des Treffens (Nach-)Denkansätze der künstlerischen Art gibt. Passt das gesellschaftliche Streben nach Perfektion und Leistung eigentlich dazu, was die Gesellschaft ausmacht? Liegt nicht in ihrer Vielfalt ihre große Chance?

"Wir verbinden das mit der Bitte, dass die Politik schaut, wie diese Punkte in ein Leitbild einfließen können."

In verschiedenen Gruppen haben sich die über 100 Teilnehmer der Veranstaltung mit unterschiedlichen Themen auseinandergesetzt. Arbeitswelten, Kinder- und Jugendarbeit, Schule, Kindertagesstätten, Sport, Kultur und Gemeinwesen wurden in Gruppen und mit jeweils einem Experten als Leiter diskutiert. "Wir haben ausgelotet, welche Möglichkeiten es in diesen Handlungsfeldern gibt", sagt Christine Fischmann nach dem Forum.

Die Ergebnisse seien nicht allgemein, sondern ganz konkret für Staßfurt formuliert. "Da geht es zum Beispiel um Behördenwege: Wie erreichen Menschen mit eingeschränkter Mobilität Ämter und Dienstleister?", nennt Christine Fischmann die Fragestellung einer Arbeitsgruppe. Was bedeutet Barrierefreiheit? Zugang zu Räumen und Angeboten, sicherlich! Doch: "Die Rampe vor dem Rathaus nützt nichts, wenn der Blinde zum Beispiel den Wahlschein nicht ausfüllen kann, weil es ihn nicht in Brailleschrift gibt", führt die Inklusionsbeauftragte weiter aus. Der öffentliche Personennahverkehr; Finanzierung und personelle Ausstattung in den Schulen, in denen Kinder mit und ohne Behinderungen gemeinsam lernen; akustische Ampelanlagen; Sport-, Kultur- und Theatergruppen für alle bilden weitere Schwerpunkte der Runden. "Wir haben aus den Gruppen viel mitgenommen", sagt Christine Fischmann. Das Inklusion Netzwerk Staßfurt, das die Aktionstage auf die Beine gestellt hat, will nun alles auswerten und in einem Zielpapier zusammenfassen. Das soll dem Oberbürgermeister und dem Stadtratsvorsitzenden während der nächsten Sitzung des Stadtrates überreicht werden. "Wir verbinden das mit der Bitte, dass die Politik in der Stadt schaut, wie diese Punkte in ein Leitbild für Staßfurt einfließen können", sagt die Gleichstellungs- und Inklusionbeauftragte.

Sie ergänzt aber gleich, dass das Papier allein nicht alles sein dürfe. "Ausgehend von der Politik, aber auch von gesellschaftlichen Gruppen muss ein Umdenken erfolgen, eine Art Paradigmenwechsel: Es gibt so viel Potenzial in der Stadtgesellschaft, es gibt so viele, die auch mitmachen und gestalten wollen. Das ist nicht nur eine Frage des Geldes. Sondern der Teilhabe und des Teilhabenlassens."

   

Bilder