Das Projekt Ortsumgehung Rathmannsdorf ist endgültig gestorben. Trotz begonnener Planungen verwirft das Land den Neubau der Straße. Der Ortschaftsrat macht sich jetzt umso mehr Sorgen.

Rathmannsdorf l Auf Nachfrage der Volksstimme teilt die oberste Landesbehörde, das Landesverwaltungsamt, mit, dass es eine Ortsumgehung Rathmannsdorf nicht mehr geben wird. Genauer erklärt Sprecherin Gabriele Städter, dass "die Vorhabenträgerin, die Landesstraßenbaubehörde Sachsen-Anhalt, das Vorhaben des Neubaus der L 71 Ortsumgehung Rathmannsdorf endgültig aufgegeben hat. Es soll nicht mehr umgesetzt werden."

Zuvor hatte das Land bereits mit den Planungen begonnen. Mindestens 3000 Euro wurden im Jahr 2013 dafür ausgegeben. So wurde die Trasse entworfen. Der Plan zur Ortsumgehung wurde ausgelegt und Einwendungen eingeholt. In einer öffentlichen Bekanntmachung, unter anderem in der Volksstimme, überraschte das Landesverwaltungsamt jetzt mit der Aufhebung dieses "Planfeststellungsbeschlusses".

Das ist eine schlechte Nachricht"

Die Sprecherin des Landesverwaltungsamtes teilt auch mit: "Der genannte Planfeststellungsbeschluss wurde von Seiten des Landesverwaltungsamtes als zuständige Planfeststellungsbehörde aufgehoben. Mit der Aufhebung enden die Wirkungen des Beschlusses, das Baurecht für die Straße besteht also folglich nicht fort. Für die betroffenen Grundstückseigentümer endet damit auch die sogenannte enteignungsrechtliche Vorwirkung des Beschlusses."

Ortsbürgermeister Klaus Magenheimer (Die Linke) hatte zwar im Frühjahr mit Oberbürgermeister René Zok (parteilos) einen Termin im Verkehrsministerium des Landes, bei dem ihm angedeutet wurde, es sehe vorerst schlecht aus mit der Ortsumgehung, "aber so endgültig war das noch nicht", erklärt der Ortsbürgermeister auf Nachfrage der Volksstimme und reagiert bestürzt: "Das ist eine schlechte Nachricht. Wir waren voller Hoffnung".

Im Ministerium sagte man ihm damals, es seien keine Finanzen für das Projekt vorhanden - die Kosten wurden auf 3,8 Millionen geschätzt - und auch kein Bedarf. "Das Verkehrsaufkommen sei angeblich zu gering und momentan auch wesentlich weniger als damals, als die Planungen zur Straße begonnen haben", erinnert sich Magenheimer an das Gespräch.

Nach dem Termin im Ministerium in Magdeburg sollte mit Vertretern der Landesbehörden in Rathmannsdorf ein Termin stattfinden. Über diesen sei aber niemand vom Ortschaftsrat informiert worden. Magenheimer weiß allerdings, dass es einen Termin gegeben haben muss, denn es gab Abstimmungen über Ausbesserungen an der jetzigen Ortsdurchfahrt. "Erst vor kurzem wurde der Belag teilweise erneuert und es wurden einige Schilder aufgestellt, die auf Einengungen in der Straße hinweisen", berichtet Magenheimer aus dem Ort.

"Aber das reicht nicht", sagt der Ortsbürgermeister. "Die Bürger von Rathmannsdorf sind stark betroffen vom Zubringerverkehr der A 14 und der B 6. Die enge Ortsdurchfahrt bereitet Probleme." An den Häusern zeigen sich Risse. Der Lkw-Verkehr sei nach wie vor ein Problem und bekommt jetzt durch die Transporte zur Dickstoffversatzanlage in Staßfurt eine neue Dimension.

Auch Ortschaftsratsmitglied Florian Lehmann (Feuerwehr) sagt: "Das ist sehr schade, dass die Ortsumgehung doch nicht kommt". Auch er habe nach dem Termin im Ministerium schon gehört, dass sich die Rathmannsdorfer keine großen Hoffnungen machen sollen.

Ortschaftsrat René Hondscha (parteilos) ist enttäuscht: "Das wurde uns ja schon prophezeit." Schade sei dies aber umso mehr, wenn jetzt "die Lkw für die Dickstoffversatzanlage durch unseren Ort donnern", meint er. Die Enge in den Kreuzungen der Landesstraße mit der Bernburger Straße und der Klausstraße sei erdrückend. Bordsteine seien heruntergefahren.

Im Staßfurter Rathaus ist man "stinksauer"

Auch René Hondscha betont, dass sich die Lkw-Fahrer trotz aller Bemühungen nicht an die Route halten, die die Betreiberfirma der Dickstoffversatzanlage vorschreibt: "Sie könnten von der Autobahn auf der Ortsumgehung an Hohenerxleben vorbeifahren, um nach Staßfurt zu kommen, aber sie fahren trotzdem durch Rathmannsdorf."

Wegen des Verkehrsaufkommens hat der Ortschaftsrat in seiner jüngsten Sitzung eine Tonnagebegrenzung für den Ort gefordert und damit die Verwaltung beauftragt. Über den Stand zu dieser Forderung "haben wir bis jetzt noch nichts gehört", informiert Klaus Magenheimer. Man hoffe aber auf die Umsetzung, um eine kleine Abhilfe zu schaffen "Wir werden uns nicht damit abfinden, wie es jetzt ist", zeigt sich Magenheimer entschlossen.

"Im Staßfurter Rathaus war man über diese Entscheidung `stinksauer`!", teilt Fachbereichsleiter Wolfgang Kaufmann mit. Denn dies hat negative Auswirkungen auf den Verkehr in ganz Staßfurt. Das Land teilt der Volksstimme mit: Die Ortsumgehung sollte Folgemaßnahme der B6-Fertigstellung sein, wobei sich das erwartete hohe Verkehrsaufkommen allerdings nicht eingestellt hat. Wenn es aber um das Ausgeben von Steuergeldern gehe, müsse der Bedarf für die Ortsumgehung auch real vorhanden sein.

(Mehr zu diesem Thema in einer der nächsten Ausgaben.)