Am 7. Juni sind die Einwohner der Stadt Hecklingen aufgerufen, einen Bürgermeister zu wählen. Vier Bewerber wollen den Job im Rathaus. Am Donnerstagabend stellten sie sich auf einem Wahlforum im Stadtsaal Stern den Bürgern vor.

Hecklingen l Etwa 90 Bürger verfolgten das einzige Wahlforum in Hecklingen am Donnerstagabend im Stadtsaal. René Kiel übernahm die Moderation der Veranstaltung und wollte gleich wissen, warum die Kandidaten Bürgermeister der hoch verschuldeten Kleinstadt werden wollen.

Uwe Epperlein (WGH) hat seine Bewerbung eingereicht, um die Stadt für Familien lebenswert zu machen und das Rathaus neu aufzustellen, sagt er. Er sei angetreten, um eine bürgerfreundliche Verwaltung aufzubauen, die Wirtschaft zu unterstützen, die Schullandschaft zu erhalten, den Senioren eine Stimme zu geben und die ärztliche Versorgung zu verbessern.

Hans-Rüdiger Kosche (CDU) würde als Amtsinhaber gern Bürgermeister bleiben, bekennt er. Als seine Ziele benennt er den Erhalt der Schulen, die Stärkung der Feuerwehren sowie die Absage einer Nachveranlagung der Bürger mit Abwasserbeiträgen. Außerdem sehe er noch viele Aufgaben beim Ausbau der Infrastruktur, erklärt er.

Manfred Teela (Die Linke) möchte die finanzielle Situation der Stadt neu aufstellen. Neben vielen schönen Ecken in der Stadt gebe es aber auch noch viele Ecken, in denen etwas getan werden müsse, schildert er. Er wolle die Menschen in der Stadt zusammenführen, sagt er.

Kay Watermann (parteilos) widerspricht seinen Vorrednern. Er habe ein anderes Selbstverständnis von der Verwaltung als seine Mitbewerber, sagt er. Ihn nerve, dass die Bürger sich kaum noch vom Sofa locken ließen, bekennt er. Er wolle mehr mit den Bürgern sprechen und sie aktiver beteiligen, kündigt er an.

Eines der größten Probleme der Kleinstadt sind die immensen Schulden. Wie die Bewerber diese Last von der Stadt nehmen wollen, fragt René Kiel.

Kay Watermann will sich zunächst einen Überblick verschaffen und mit dem Land über eine Entschuldung verhandeln. Möglicherweise müsse die Stadt dafür auch das Tafelsilber abgeben, meint er.

Manfred Teela sieht die Stadt bereits auf dem Wege, dass die Schulden verschwinden. In der Stadt will er nach Einsparungen suchen und möglicherweise Umschichtungen im Haushalt vornehmen.

Hans-Rüdiger Kosche hat die Schuldenlast auf die Bürger umgerechnet. Sie beträgt 786,75 Euro, sagt er. Das sei ein relativ geringer Schuldenstand, schätzt er ein. Er erinnert daran, dass Entscheidungen im Abwasserzweckverband die Stadt in die finanzielle Schieflage gebracht haben. Im Landesprogramm Stark IV sieht er eine Alternative, um langfristig eine Perspektive zu haben.

Uwe Epperlein sieht bei dem Thema Gesprächsbedarf mit dem Land. Stark IV ist für ihn ebenso ein Thema. Allerdings erteilt er neuen Sparrunden in der Stadt eine Absage. Im Gegenteil müsse die Kommune langsam wieder investieren, sieht er die Aufgabe.

Ein weiteres Thema ist der demografische Wandel. Wie sie der alternden und schrumpfenden Bevölkerung begegnen wollen, fragt René Kiel.

Für Kay Watermann ist das ein großes Thema. Die Stadt werde in den kommenden Jahren rund 1500 Einwohner verlieren, sagt er. Er sehe darin aber auch die Chance, etwas Neues zu machen. Er will die Stadt zu einem Energiezentrum umbauen. Die Energiewende ist für ihn die große Chance dabei.

Demografische Entwicklung ist ein Hauptthema

Manfred Teela sieht die Probleme mit dem demografischen Wandel ebenfalls. Seine Erfahrung aus dem Berufsleben ist aber, schildert er, dass sich die Unternehmen behelfen und notfalls die Arbeiter mit Bussen zu den Werken fahren.

Junge Leute zu halten, setze voraus, dass ausreichend Ausbildungsplätze in der Region zur Verfügung stehen, sagt Hans-Rüdiger Kosche. Um das zu erreichen, werde im Rathaus auch ausgebildet.

Uwe Epperlein sieht die Frage der Schulstandorte sowie den Öffentlichen Personnenahverkehr als wichtig an. Außerdem müsse durch veränderte Bauleitplanungen den jungen Menschen ermöglicht werden, für wenig Geld ein Grundstück zu erwerben, um darauf ein Haus zu bauen.

Dann bekommen die Bürger das Wort. René Lohse erkundigt sich, wie die Bewerber künftig politische Entscheidungen transparent darstellen wollen.

Kay Watermann sagt, er wolle künftig vieles anders machen. Auf regelmäßigen Bürgerveranstaltungen wolle er mit den Bürgern in den Dialog treten.

Manfred Teela will die Verwaltung digitalisieren und die Mitarbeiter der Verwaltung mehr motivieren. Außerdem wolle er in die leerstehenden Rathäuser der Ortsteile mehr Leben bringen und sich dafür einsetzen, dass es einen Öffentlichen Personennahverkehr gibt, mit dem Bürger auch Stadtratssitzungen erreichen können.

Über die Homepage der Stadtverwaltung, entgegnet Hans-Rüdiger Kosche, können die Bürger jetzt bereits jederzeit mit der Verwaltung in Kontakt treten. Die Mitarbeiter im Rathaus, widerspricht er, seien motiviert und leisten eine gute Arbeit.

Die öffentliche Verwaltung sei ein Dienstleister und nicht für sich selbst da, stellt Uwe Epperlein klar. Er wolle als Bürgermeister die Verwaltungsmitarbeiter führen und kontrollieren, kündigt er an. Um den Bürger mehr zu beteiligen, könnten Ratssitzungen in Zukunft vielleicht online geschaltet und über Internet verfolgt werden, schlägt er vor.

Einen Aufreger gibt es anschließend, als Florian Siebold sich an Uwe Epperlein richtet. Er will von ihm wissen, wie er das Rathaus leiten wolle, wenn er nicht seine Immobilien in Ordnung halten könne.

Das sei starker Tobak, entgegnet Uwe Epperlein. Er habe die Immobilien gekauft, um sie zu entwickeln. Da das nicht funktioniert habe, sei er nun in Verkaufsverhandlungen, sagt er.

Roger Stöcker will von den Bewerbern wissen, ob sie sich wirklich zutrauen, mit dem Finanzministerium über eine Entschuldung zu verhandeln.

Er würde nicht hier sitzen, wenn er sich dies nicht zutrauen würde, sagt Kay Watermann. In den Verhandlungen müsse aber der Mut aufgebracht werden, über alles zu verhandeln, macht er deutlich. Alle Eckpunkte müssten zuvor auf den Tisch, erklärt er.

Manfred Teela will das Tafelsilber der Kommune nicht hergeben. Die Kommune sei auf weitere Hilfen angewiesen. Er rechne aber nicht damit, nach einer Verhandlung mit einem Koffer voller Geld aus dem Finanzministerium zu kommen, erklärt er.

Hans-Rüdiger Kosche macht auf die unangemessene Finanzausstattung der Kommunen aufmerksam. Er erinnert daran, dass der Stadtrat in der jüngeren Vergangenheit von den Bürgern immer mehr verlangte. Preise seien erhöht worden, die Nutzung der Sporthalle koste den Bürgern Geld, zählt er auf. Nur die Steuern in Zukunft zu erhöhen, sei für ihn zu platt. Er wolle im kommunalen Bereich nicht weiter sparen, kündigt er an.

Uwe Epperlein traut sich ebenso Verhandlungen mit dem Finanzministerium zu. Seine Strategie könne nur sein, die Dinge anzusprechen, sagt er. Ebenso spricht er sich gegen weitere Steuererhöhungen aus. Allerdings lade er gern den Stadtrat Roger Stöcker ein, ihn bei den Verhandlungen mit dem Finanzministerium zu begleiten, sagt er.

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