Das ständig steigende Grund- beziehungsweise Oberflächenwasser macht auch den Grundstücksbesitzern, Landwirten und Kleingärtnern im Altkreis Staßfurt zu schaffen. Einige Ursachen, zum Beispiel die vernachlässigte Pflege einiger Gräben und Vorfluter, sind hausgemacht.

Staßfurt. Das Hochwasser geht immer weiter zurück. Doch das Grund- und Oberflächenwasser läuft einfach nicht ab. Wie jeder mit bloßen Auge sehen kann, stehen noch immer tausende Hektar Acker- und Grünflächen im Wasser. Aber auch die Keller von Wohnhäusern und etliche Kleingartenanlagen sind noch immer in Mitleidenschaft gezogen.

Einige Grabenanlagen sind völlig mit Eschen und Eichen zugewachsen, welche bereits einen Stammumfang von über zehn Zentimetern erreicht haben. "Das heißt, dort ist in den letzten 20 Jahren keine Grundräumung durchgeführt worden, sonst hätte dieser Baumbestand nicht aufwachsen können", kritisierte der Landtagsabgeordnete Johann Hauser (FDP), der sich intensiv mit diesem Thema beschäftigt.

Hinzu kommt die Stilllegung von zahlreichen Wasserwerken mit Brunnen in der Nachwendezeit. Im Verbandsgebiet des Wasser- und Abwasserzweckverbandes Bode-Wipper Staßfurt waren es allein zehn mit einer Jahreswasserentnahmemenge von insgesamt 4,5 Millionen Kubikmetern. Diese befanden sich in Egeln, Hakeborn, Etgersleben, Hecklingen, Neundorf, Wolmirsleben, Schneidlingen, Förderstedt, Groß Börnecke und Güsten.

Hauser: "Da braucht man sich über die momentane Entwicklung in diesem Bereich nicht mehr zu wundern. Das ist praktisch das I-Tüpfelchen zum Absaufen."

Seit 2000 bezieht der Verband das Trinkwasser ausschließlich aus der Colbitz-Letzlinger-Heide. Dafür musste damals eigens eine rund zehn Millionen Euro teure Leitung verlegt werden. Bis zu diesem Zeitpunkt wurden pro Jahr zirka eine Million Kubikmeter Trinkwasser aus der Rappbodetalsperre eingekauft und der Rest, rund 2,4 Millionen Kubikmeter, ab 1996 ausschließlich aus dem Wasserwerk Groß Börnecke.

"In den letzten 20 Jahren ist keine Grundräumung durchgeführt worden"

Dessen drei Brunnen hatten in den letzten drei Betriebsjahren von 1998 bis 2000 eine Fördermenge von insgesamt 285 Kubikmetern pro Stunde. Nun läuft das gute, aber sehr harte Wasser ungenutzt davon.

"Jetzt ist der optimale Zeitpunkt, aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen, um es zukünftig besser zu machen", sagte Hauser. Die auf Landesebene beschlossene Gründung von sieben Facharbeitskreisen, den sieben Flussbereichen entsprechend, bezeichnete er als richtig. "Das muss aber unmittelbar geschehen und nicht erst Ende Februar oder Anfang März. Wir dürfen keine Zeit mehr vergeuden", so Hauser.

Die Arbeitskreise sollen unter der Gesamtleitung des Landesverwaltungsamtes, mit dem Landesbetrieb für Hochwasserschutz, den jeweiligen Unterhaltungsverbänden, mit dem zuständigen Fachreferat des Kreises, den betroffenen Landbewirtschaftern und mit den jeweiligen Berufsvertretungen geführt werden. Wichtig findet Hauser, dass auch die Abwasserzweckverbände einbezogen werden.

"Es gilt nun, regionale Ansatzpunkte etwaiger Problemlösungen zu erarbeiten und für eine praxisgerechte Umsetzung zu sorgen. Also ein Netzwerk von Praktikern, Wissenschaftlern, Verwaltungsfachexperten und Juristen", sagte der FDP-Politiker.