Sorgenvoll blickt Rosemarie Tischler vom Tierschutzverein Staßfurt auf das Jahr 2010 zurück. Sowohl finanziell als auch personell sind die Tierschützer im vergangenen Jahr an ihre Grenzen gestoßen. Die Kapazitäten der Tierauffangstation waren oftmals erschöpft, ebenso die Kraftreserven der ehrenamtlichen Tierschützer, die rund um die Uhr ihre Einsatzbereitschaft zeigen mussten.

Staßfurt. Es sind scheinheilige Ausreden bisweilen sogar dreiste Lügen, die Rosemarie Tischler aufgetischt bekommt, wenn mal wieder jemand eine Katze oder gar einen Hund bei ihr abgibt. "Mein Kind hat eine Allergie, ist die gängigste Ausrede", erzählt sie. Gleich an zweiter Stelle komme, dass das Tier herumstreune und scheinbar niemanden gehöre. Doch was viele unterschätzen, die Tierschützerin hat im Laufe der Jahre gelernt, Wahrheit von Lüge zu unterscheiden.

"Viele Tiere hätten ohne uns keine Chance zu überleben"

An einen Fall kann sich Rosemarie Tischler noch sehr gut erinnern: "Da wurde ein Kind geschickt und sollte eine Katze abgeben. Es stellte sich raus, dass die Katze weg musste, weil die Mutti lieber eine Perser-Katze hätte." Solche Fälle ärgern die 69-Jährige immer ganz besonders. Doch was soll sie machen. "Viele Tiere hätten ohne uns keine Chance zu überleben.

Insgesamt 82 Katzen und vier Hunde hat Rosemarie Tischler im vergangenen Jahr in ihrer Tierauffangstation aufgenommen. Einige davon sind sogar einfach ins Kellerloch geschmissen worden. Andere wurden aus Gründen wie Allergie oder Umzug abgegeben.

Zum Team der Tierauffangstation gehören neben Rosemarie Tischler auch Helga und Werner Lothar, Christine Lampe, Dagmar Globke, Sieglinde Perrin und Sieglinde Sühring. Gemeinsam betreuen sie momentan 27 Katzen und drei Hunde. Dazu gehört neben der gängigen Pflege auch die medizinische Notversorgung. So wurde beispielsweise im Mai des vergangenen Jahres ein schwerverletzter Kater zu Rosemarie Tischler gebracht. "Wir mussten ihn gleich operieren lassen, sonst hätte er nicht überlebt", erzählt sie. Inzwischen ist der Kater wieder wohl auf. Er hat zwar keinen Schwanz mehr, ein liebevolles Zuhause hat er dennoch gefunden. Ebenso wie 64 andere Katzen, die die Tierschützer 2010 vermittelt haben.

Ein großes Problem war im vergangenen Jahr und ist nach wie vor die Finanzierung der Tierauffangstation. "Ohne Spenden, hätte die schon längst geschlossen", so Tischler. Besonders Impfungen und Kastrationen belasten den Geldbeutel der Tierschützer.

Daher ist das Team über jede Unterstützung dankbar. Vom Deutschen Tierschutzbund hatten sie beispielsweise 2000 Euro bekommen und konnten einige Zeit lang jeden Monat mindestens drei Katzen operieren lassen. Eine Kastration kostet schließlich rund 100 Euro.

"Ein herzliches Dankeschön an alle, die uns unterstützen"

Einige Tiere, die nicht mehr vermittelbar sind – darunter zwei alte Straßenkater, zwei dreibeinige und eine blinde Katze – erhalten bei Rosemarie Tischler das Gnadenbrot. Hierbei helfen vor allem die Futterspenden in den Spendenboxen bei Edeka, Real, der Bäckerei Rost und bei Zoo Nicolaus. "Ein herzliches Dankeschön an alle, die uns unterstützen", so die Tierschützerin.

In die Zukunft sieht die Staßfurterin sorgenvoll – das fehlende Geld immer im Blick. "Wir brauchen dringend neue Katzenhäuser", gesteht sie. Und weil im vergangenen Jahr enorm viele Katzenbabys abgegeben wurden, möchte sie in diesem Jahr wieder so viele Katzen wie möglich kastrieren und die Katzenhalter verstärkt über Kastrationen aufklären, um zu vermeiden, dass wieder so viele ungewollten Jungtiere ausgesetzt werden.