Hubert Nettekoven wurde am Dienstag in Hecklingen als neues Mitglied des Stadtrates vereidigt und gestaltet damit wieder das Geschehen in der Gemeinde Hecklingen mit. Dass er im Stadtrat als Mitglied der Freien Wählergemeinschaft Hecklingen genauso konsequent handelt wie in seinem Leben, darf man hoffen. Denn privat und beruflich – wie er der Volksstimme in einem Gespräch verriet – scheint es ganz nach dem Motto "ganz oder gar nicht" zu gehen.

Gänsefurth/Hecklingen. Auf seinem Hof in Gänsefurth stehen über zwanzig Pferde, etwa zehn Reitturniere organisiert er hier jährlich, ist mit seinem Hof im Pferdesport deutschlandweit bekannt und in seinen zwei Reithallen trainieren regelmäßig Dressur- und Springreiter. Aber er sagt: "Ich steige auf kein Pferd mehr".

Denn wenn er das tun würde, würde er es richtig machen wollen: "Ich übernehme die ganze Organisation auf dem Hof. Da bleibt keine Zeit mehr, um richtig zu trainieren", sagt Hubert Nettekoven.

"Richtig trainieren" wäre bei ihm nämlich wie er es früher tat: "Da bin ich acht bis zehn Pferde pro Tag geritten." Als er noch ein Teenager war, nahm er bei zahlreichen Meisterschaften im Springreiten teil. Er wurde Landesmeister im Rheinland und mit 16 Jahren hat er Silber geholt bei der gesamtdeutschen Meisterschaft im Springreiten.

Genauso wie der Hof Nettekovens jetzt auf die Arbeit mit dem Pferd ausgerichtet ist, war es auch der Hof seiner Eltern: Hubert Nettekoven ist in Meckenheim, einem Ort in der Nähe von Bonn, aufgewachsen, wo bereits seine Eltern einen Pferdehof betrieben und ihn zum Land- und Pferdewirt ausbildeten. Das war auch die Zeit der Medaillen im Pferdesport. "Dann entschied ich mich mit meinem Bruder, dass er den Hof meiner Eltern übernehmen soll und stieß auf Gänsefurth."

Die Stadt Hecklingen suchte damals einen Käufer für das Gut und das umliegende Land, aber auch jemanden, der Arbeitskräfte bindet und den Tourismus in der Gegend fördert. Im Herbst 1991 übernahm er schließlich das Gut und investierte bis heute vier Millionen Euro.

"Als Stadtrat werde ich versuchen, Betriebe zu unterstützen und Investoren heranzuholen"

Und mit diesem Hof hat der 48-Jährige voll zu tun: "Ich übernehme alles Organisatorische, meine Frau ist im Stall der Boss", erklärt er. Zum Hof gehören Äcker und Grünland, wo Hafer, Gerste und Stroh geerntet werden - als Futtermittel für die eigenen Pferde und zum Verkauf. "Die Landwirtschaft ist dabei immer noch die Haupteinnahmequelle", sagt Nettekoven. Dazu kommen dutzende Pferdeboxen, in denen 15 "Gäste" stehen, also Tiere, die von ihren Besitzern hier einquartiert werden und sieben eigene Pferde. Ebenfalls sind die dazugehörende Gasstätte und die Frühstückspension unter seiner Obhut.

Für den gesamten Betrieb braucht er sieben festangestellte und drei auszubildende Mitarbeiter – entsprechend seiner politischen Devise, Arbeit für die Region zu schaffen: "Als Stadtrat werde ich versuchen, Betriebe zu unterstützen und Investoren heranzuholen. Deutschland lebt schließlich vom Mittelstand", bezeichnet der 48-Jährige sein Anliegen für Hecklingen.

Schließlich bleibt noch die Pferdeausbildung und -zucht: "Wir bilden junge Pferde aus und bieten sie dann zum Verkauf an", sagt Nettekoven. Für die Verkaufs-Shows kommen Pferdekäufer aus ganz Deutschland und schauen sich an, was die jungen Stuten oder Hengste in Dressur oder Springen schon drauf haben. Dank seiner vielen Kontakte – er ist zum Beispiel Vorsitzender des Hannoveraner Zuchtverbands – ist der Hof bei solchen Schauen voll.

Bei Turnieren, die er hier ausrichtet, kommen Dressur- und Springreiter teilweise aus ganz Deutschland und lassen den Hof auf Hochtouren laufen. So kann Nettekoven trotz Reitverzichts ganz seiner "Berufung" nachgehen - der Arbeit mit den Pferden, deren "Leistungsbereitschaft und verschiedenen Charaktere" ihn faszinieren. Und zu guter Letzt hat er auch noch seine Familie im Rücken: Frau Martina, die im Dressurreiten aktiv ist, Sohn Alexander (17), der ebenfalls Landwirt lernt und Sohn Hubert (20), zurzeit noch bei der Bundeswehr, die ihn alle unterstützen können, wenn er im Stadtrat bei der Frage "Ganz oder gar nicht?" wieder aufs Ganze gehen möchte.