Die Entwicklung des Fernsehgerätewerkes in Staßfurt seit der Übernahme durch die Technisat-Gruppe in Daun im Jahr 1998 hat FDP-Generalsekretär Christian Lindner Montagabend bei seinem Besuch in der Salzstadt beeindruckt.

Staßfurt. "Das ist eine echte Erfolgsgeschichte, dass es möglich geworden ist, an diesem Standort jetzt wettbewerbsfähig zu produzieren und Arbeitsplätze zu sichern. Davon brauchen wir mehr in den neuen Bundesländern, auch in Sachsen-Anhalt – wettbewerbsfähige Arbeitsplätze, die den Menschen eine echte Chance geben", sagte Lindner nach dem Betriebsrundgang.

Zu DDR-Zeiten, so erfuhr der FDP-Generalsekretär wenig später vom Vorsitzenden des Vereins Freunde der Staßfurter Rundfunk- und Fernsehtechnik, Franz Korsch, gab RFT als größter Arbeitgeber in Staßfurt rund 3500 Menschen und in Halle noch einmal 1000 Lohn und Brot. Die Jahresproduktion erreichte über 500 000 Geräte, die nicht nur in den Ostblock, sondern auch in den Westen geliefert wurden. Doch nach der Wende war es damit schnell vorbei.

"Technisat war damals unsere letzte Rettung", sagte Rüdiger Behrens, der jahrelang in diesem Betrieb gearbeitet hatte. Von dem einstigen DDR-Kombinat Rundfunk und Fernsehen mit Stammsitz in Staßfurt, zu dem insgesamt 25 Betriebe der Branche gehörten, habe kein einziges Unternehmen überlebt.

Heute beschäftigt Technisat am Standort Staßfurt knapp 280 Mitarbeiter. Hinzu kommen noch 14 Lehrlinge und zwei Studenten. "Wir legen großen Wert darauf, unseren Nachwuchs selbst auszubilden", sagte die Werksleiterin für den Vertrieb und den kaufmännischen Bereich Elisabeth Engel.

Und auch die Produktion hat inzwischen wieder eine beachtliche Größenordnung erreicht. "In zwei Schichten werden heute pro Tag 500 LCD-TV-Geräte mit Multituner und Flachbildschirmgrößen von 55 bis 115 Zentimeter gefertigt", sagte Behrens.

FDP-Kreischef Johann Hauser regte an, dass der Deutsche Bundestag bei der Neuausrüstung der Abgeordnetenbüros Fernsehgeräte in Staßfurt ordern sollte. Das sei vor wenigen Jahren bereits passiert. Damals habe man einen Auftrag von 500 Stück vom Parlament bekommen, erinnert sich Behrens.

"Einer davon steht in meinem Büro", sagte Lindner der Volksstimme.

Im Rundfunk- und Fernsehmuseum, das rund 400 Exponate zählt, wurde der FDP-Politiker vom Männerchor des Staßfurter Handwerks mit einem Ständchen begrüßt.

In dem anschließenden Gespräch mit Firmen- und Vereinschefs berichtete Siegfried Wirtschok über die Anstrengungen des Vereins Zukunftsorientierte Energieregion für Staßfurt, rund 80 kommunale Objekte zu untersuchen, um diese dann auf einen sparsamen Energieverbrauch umrüsten zu können. Doch dafür fehlten die Fördermittel. Die Stadt könne das Geld aufgrund ihrer Haushaltsprobleme nicht allein aufbringen.

"Bei der energetischen Sanierung wird sich in den nächsten Jahren etwas tun. Das wird noch in dieser Legislaturperiode kommen. Da wird sich der Staat ein Stück beteiligen müssen", sagte Lindner.

Und von der Stadtwerkechefin Doris Eckstein auf die hohen Netzentgelte angesprochen, die der Stromkonzern Eon verlangt, meinte der FDP-Politiker, dass man sich über die eneuerbaren Energien freue. Daraus ergäben sich aber erhebliche technische Folgeprobleme.

"Wir bezahlen im Osten durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz zu viel Geld für den Strom", beklagte auch der Chef des Sodawerkes Ulrich Eichhorn. Mit einem 120 Millionen Euro teuren Pilotprojekt teste RWE derzeit in Staßfurt, wie man die Energie aus Windkraftanlagen speichern könne, fügte er hinzu.

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