Die Stadtverwaltungen Staßfurt und Hecklingen sind sich nach Jahren einig geworden, die nach einem Prüfbericht für desolat befundene Bodebrücke im Verlauf des Europaradweges R1 zwischen Staßfurt und Gaensefurth zu ersetzen. Die neue Aluminiumtrogbrücke soll 48 000 Euro kosten. Jetzt schlägt dem Vorhaben an beiden Ufern der Bode massive Kritik entgegen.

Staßfurt/Hecklingen. Im beiden Stadträten hagelte es Kritik. Der Hecklinger Stadtrat nahm das Thema nach Protesten von Abgeordneten von der Tagesordnung (Volksstimme berichtete). Im Stadtrat Staßfurt schlug Heinz-Jürgen Czerwienski (CDU) Alarm. Er sprach von einem technischen Meisterwerk, das zur Industriegeschichte der Stadt gehöre. Die Konstruktion der 100-jährigen Stahlbogenbrücke sei genietet und befinde sich in relativ gutem Zustand.

"Nur die Holzbohlen, die nicht quer sondern falscherweise längs verlegt wurden, können doch nicht der Grund für einen Abriss sein", setzte sich Czerwienski gegen einen möglichen Fehler ein, den man mit vorzeitigen Abrissen wie beim Eulenturm gemacht habe. "Denkmal- und Geschichtsfreunde wehren sich dagegen", kündigte der Stadtrat und Vorsitzende des Geschichtsvereins Staßfurt an.

Oberbürgermeister René Zok zeigte dafür Verständnis, erklärte aber, dass die Brücke bereits vor seiner Zeit Thema gewesen sei, dass die Städte Staßfurt und Hecklingen aber erst jetzt Einigkeit erreicht hätten über das Ersatzvorhaben. "Der letzte Prüfbericht von 2007 erbrachte die Note 4 für das Bauwerk. Es ist quasi nicht zu retten", sagte Zok, "Demnach sind die Brückenauflieger desolat, die Verkehrssicherheit ist fast nicht mehr gegeben. 2009 befasste sich der Bauausschuss bereits mit den Planungen für eine Brücke aus Aluminium. Ein Planungsauftrag wurde nicht vergeben, weil keine Mittel im Haushalt eingestellt waren."

Das sehe jetzt anders aus. Hecklingen würde 60 Prozent tragen, gemeinsame Fördermittel gebe es. Zok bedauerte es auch, dass in den vergangenen Jahren nichts für den Erhalt der Brücke getan wurde.

"Wir können es nicht akzeptieren, dass die Brücke ohne Not abgerissen wird"

Unterdessen haben die Vorsitzenden des Bergmannsvereins, des Geschichtsvereins und des Kulturbundes Staßfurt Gerald Meyer, Heinz-Jürgen Czerwienski und Karl Wächter ihren Protest gegen den geplanten Abriss kundgetan. Unterstützt werden sie durch den Leiter des Stadt- und Bergbaumuseums Michael Scholl, den Leiter des Arbeitskreises Junkerswerke Bernburg-Strenzfeld und die Mitglieder des Museumsbeirates Hans-Jürgen Bethmann, Rüdiger Grünefeld und Martin Liefhold.

Sie nennen das Argument der Hecklinger Verwaltung, die Brücke sei wegen der häufigen Ausbesserungsarbeiten am Bohlenbelag zu einem Ärgernis geworden, "haarsträubend". "Wir können es nicht akzeptieren, dass die Brücke, eine tadellose Nietkonstruktion, die 1910 errichtet wurde und ein wichtiges Bauwerk der 1856 errichteten Rossbahn darstellt, ohne Not abgerissen werden soll." Die Brücke sei ein Beispiel hoher Ingenieurs- und Handwerkskunst und Teil der Rossbahn, die mit zu wirtschaftlicher Blüte Staßfurts beitrug.

"Der Abriss wäre zudem eine Respektlosigkeit gegenüber den Erbauern", so die Unterzeichner des Protestbriefes. Nur permanente Vernachlässigung hätte dazu geführt, dass das Bauwerk unansehnlich geworden und oberflächlich korrodiert sei.