Hoffnung geben. Das ist das Ziel, das ein im Salzlandkreis neu gegründeter Verein verfolgt. "Green Bike – Drive for Kids" nennen sich die zehn Frauen und Männer, die aufgrund ihrer eigenen Erfahrungen anderen Menschen helfen wollen, denen das Schicksal negativ mitspielt.

Salzlandkreis. Stolz stehen sie da. Hinter ihrem Plakat haben sie sich der Reihe nach aufgestellt. Es ist das erste Mal, dass sie sich und das Transparent der Presse vorstellen. Es ist frisch gedruckt und zeigt das, wofür diese Frauen und Männer stehen. Sie wollen anderen Menschen helfen. Deshalb haben sie im Salzlandkreis den Verein "Green Bike – Drive for Kids" gegründet. Es ist eine bunt durchmischte Truppe, die sich für Menschen einsetzt, die wegen Drogen, Alkohol, Missbrauch oder einer schweren Krankheit an ihre eigenen Grenzen stoßen oder keinen sozialen Halt finden.

"Grün ist die Farbe der Hoffnung", begründet Matthias Riemer schlicht den Grund für den Vereinsnamen. Die Hoffnung ist aber nicht nur im Namen inbegriffen. Sie zieht sich durch das Pressegespräch hindurch, in dem einige der zehn Mitglieder über ihre Beweggründe berichten, sich derart ehrenamtlich zu engagieren.

"Wir wollen Menschen, die den Zonk gezogen haben, zeigen, dass sie trotzdem noch Ressourcen haben", sagt Trixi Ziener. Die Schönebeckerin hat selbst eine Krebserkrankung durchleben müssen. Sie weiß, welche Wege man im medizinischen System gehen muss und wie machtlos sich Familienagehörige und Freunde fühlen können. Matthias Riemer wiederum hatte in der Kindheit schweren körperlichen und seelischen Missbrauch erfahren. Nach einem schweren Motorradunfall wurde der heutige Bernburger medikamentenabhängig. 2006 fand er den Weg zurück auf die richtige Bahn. Seine Erfahrungen mit Alkohol und Drogen nutzt er heute in seinem Beruf als Erzieher. So wie seine Vereinskollegen will er sich allerdings darüber hinaus engagieren. Sie alle haben zwar ihr Päckchen zu tragen: Erfahrungen mit Drogen, Alkohol, Missbrauch, schweren Krankheiten. Was sie daraus gelernt haben, das wollen sie weitergeben, andere Menschen unterstützen. Egal welches Schicksal ihr Gegenüber getroffen hat.

Konkret wollen die Ehrenamtlichen, die aus allen Ecken des Salzlandkreises stammen, Knochenmark-Typisierungen und Blutspenden organisieren sowie Aufklärungsveranstaltungen in Bezug auf Drogen- und Alkoholmissbrauch umsetzen. "Wir sind vielschichtig, jeder hat so sein Steckenpferd", begründet Matthias Riemer die Aufgabenfelder, die sich der Verein gesetzt hat. Sie sind sich einig, an sozialen Problemen – welcher Art auch immer – soll kein Menschenleben scheitern. Auch deshalb gibt es bei den Green-Bikern so viele Punkte, an denen sie ansetzen wollen. "Ich möchte Suchtkranken helfen", sagt Christian Braunert. Aufgrund seiner eigenen Drogenkarriere hat er einen ganz anderen Blick für diese Problematik. Christian Schulze und Susann Riemer hingegen sind Altenpfleger, sie kennen sich vor allem in medizinischen Fragen aus.

"Unser Ansatz ist der, dass wir Hilfe zur Selbsthilfe geben wollen", wirft derweil Trixi Ziener in die Runde. "Denn", da sind sie sich einig, "wir sind alle nicht perfekt." Dafür haben die zehn Mitglieder aber jede Menge Herzblut. Das zeigt sich immerzu im Gespräch. Nach den ersten etwas zurückhaltenden Minuten, sprudelt es aus den Vereinsmitgliedern nur so heraus. "Angehörige von Kranken und Süchtigen müssen viel mehr aufgeklärt werden", fügt Trixi Ziener an und erntet ein zustimmendes Nicken von Christian Braunert. "Auf die Art können Familien gestärkt werden, damit sie dann auch als Stützpfeiler für die Betroffenen dienen können", nennt Christian Braunert seine Erfahrung. "Wir wollen unsere eigenen Erlebnisse einbringen, die nicht nur auf der Theorie der Lehrbücher basieren", bringt sich Matthias Riemer wieder ein.

Bevor die Green-Biker jedoch richtig handlungsfähig sind, müssen sie erst einmal auf große Sponsorensuche gehen. Ihr treffendes Argument dabei: "Bei uns werden die Spenden zielgenau eingesetzt, es ist also für jeden nachvollziehbar, wohin das Geld geht." Bestes Beispiel dafür sind die Typisierungsaktionen. Für das Aufnehmen allein eines Spenders in die weltweite Datenbank fallen rund 50 Euro Kosten an. Die will der Verein übernehmen. Und dass sich an diesen karitativen Initiativen auch tatsächlich Menschen beteiligen, zeigt die so genannte Blutrally, die der Verein bereits im Juni des vergangenen Jahres veranstaltet hatte. Da war der offizielle Akt der Vereinsgründung noch nicht einmal vollzogen. Zahlreiche Freunde, Bekannte und Freundesfreunde waren gekommen und hatten sich den kleinen Stich mit der großen Wirkung setzen lassen.

Der erste Termin für 2011 steht derweil auch schon fest. Am 11. Juni werden die Green-Biker mit dem Klinikum Halle-Kröllwitz zu Gast sein bei dem Motorradclub "Bull Skull MC Barby". Auf dem Clubgelände soll dann wieder das Blut fließen. Finanziert wird diese Aktion durch das Klinikum selbst.

Zu dieser und den bereits in Planung befindlichen Veranstaltungen sind im Übrigen nicht nur Biker eingeladen, betonen die Ehrenamtlichen. "Willkommen ist bei uns jeder, der das Herz für die Sache hat", sagt Trixi Ziener ganz klar. Ob Leute aus der Bikerszene oder nicht, "es ist einfach Zufall, dass wir uns so gefunden haben", ergänzt Matthias Riemer. Am Ende geht es um die Sache an sich, der Hilfe und Unterstützung anderer, denen das Leben nicht immer gut mitspielt. "Es kann jeden treffen", schließt Matthias Riemer ab. Man muss in dem Fall eben nicht allein gelassen werden.

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