Wenn ab dem 30. März regelmäßig Maschinen der irischen Fluggesellschaft Ryanair auf dem Verkehrsflughafen Cochstedt landen und starten, dann müssen Gebäude und Umfeld von Polizisten bewacht werden. Diese zusätzlich Aufgabe ohne zusätzliches Personal stößt bei der Polizeigewerkschaft des Landes auf Kritik.

Von Olaf Koch

Cochstedt. Wolfgang Ladebeck ist sauer. Der stellvertretende Bundesvorsitzende und Landesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft sieht Probleme auf die Beamten im Streifendienst zukommen. Der Grund: Mit dem ersten Flug der irischen Flug- gesellschaft Ryanair muss der Verkehrsflughafen in Cochstedt mit mehreren bewaffneten Polizeibeamten geschützt und gesichert werden. "Und das geht wieder auf die Kosten der Kollegen im Salzlandkreis, weil es kein zusätzliches Personal für diese zusätzliche Arbeit gibt", schimpft der Gewerkschafter.

Ab dem 30. März nimmt Ryanair den regelmäßigen Flugbetrieb am Flughafen im Salzlandkreise auf. Um 18.35 Uhr soll die erste Maschine - an diesem Tag aus Girona bei Barcelona - landen. Von da an werden die vier vorläufigen Ziele (Alicante, Barcelona, Gran Canaria und Malaga) jeweils zweimal in der Woche bedient.

Während für die Passagierkontrollen nach dem Luftsicherheitsgesetz das Ministerium für Landesentwicklung und Verkehr zuständig ist, das diese Aufgabe an Dritte übertragen kann, sollten Orte, an denen Sicherheitskontrollen stattfinden, von bewaffneten Polizeivollzugsbeamten geschützt werden. Darauf verwies das Innenministerum auf eine entsprechende Anfrage der Volksstimme. "Auf Grundlage dieser Vorschrift wird die Landespolizei im jeweils erforderlichen Umfang am Verkehrsflughafen Magdeburg/Cochstedt tätig", so Martin Krems, Pressesprecher des Innenministeriums.

Die für diese Arbeit notwendigen Polizeibeamten sollen überwiegend aus dem Polizeirevier Salzlandkreis rekrutiert und nur im Bedarfsfall von Beamten der zentrale Dienste der Polizeidirektion Nord hinzugezogen werden. Und genau dieser Fakt ist für den Polizeigewerkschafter Ladebeck das Problem. "Schon jetzt gibt es die Kritik, dass zu wenig Streifenbeamte im Landkreis unterwegs sind. In Zukunft sollen also noch weitere abgezogen und in Cochstedt eingesetzt werden?", fragt Wolfgang Ladebeck.

Die Flughafen in Cochstedt eingesetzten Polizeibeamten versehen ihren sonstigen Dienst in den Organisationseinheiten des Polizeireviers Salzlandkreis, demzufolge auch in den Kommissariaten. "Grundsätzlich wird die Präsenz der Polizei in der Fläche durch eingesetzte Beamte am Verkehrsflughafen nicht geringer", meint der Pressesprecher der Polizeidirektion Nord, Thomas Kriebitzsch. Durch entsprechend "bedarforientierte Dienstplanung in den Organisationseinheiten" seien die "temporären Lücken" während der Flugzeiten geschlossen, so der Pressesprecher.

Nach Einschätzung des Innenministeriums sind zwei Polizeibeamte für den Dienst am Flughafen vorgesehen. Die Dienstzeit wird zwei Stunden dauern. Die Maschinen von Ryanair haben eine Bodenstandzeit von rund 30 bis 40 Minuten. "Gegenwärtig besteht auf Grund des vorgesehenen Flugaufkommens und des zeitlich und inhaltlichen Aufgabenspektrums keine Notwendigkeit für zusätzliches Personal", sagt das Innenministerium. Auch das Einrichten einer Polizeistation erscheint derzeit nicht sinnvoll.