Das Geschichtsbuch bleibt im Schrank, dafür öffnet sich die Museumstür - Kinder aus Groß Börnecke wandeln regelmäßig auf den Spuren der Vergangenheit. In der Heimatstube ihres Heimatortes gerät das Leben früherer Zeiten für sie nicht in Vergessenheit. Rundgänge locken mit Geräten, die schon fast ausgestorben sind.

Groß Börnecke. In der Wohnstube neben dem gusseisernen Ofen steht ein mit rotem Samt bezogenes Sofa, ein Spitzendeckchen liegt auf dem Tisch davor. In Regalen, auf Schränken und in den Ecken stehen unzählige kleine und große Raritäten. Zu einer jeden könnten Rosi Köhler und Maira Bauer vom Kultur- und Heimatverein Groß Börnecke den Kindern eine Geschichte erzählen. Eine Unterrichtsstunde wäre dafür zu knapp. Also wird zunächst das erklärt, was den jungen Besuchern als erstes ins Auge fällt.

Vom "Mußmixer" bis zur "Butter-Maschine"

Neugierige Blicke zieht ein Gegenstand auf sich, der über der Eingangstür zum Wohnzimmer in der Küche hängt. Ein Gerät ähnlich einer Sense, nur kleiner und aus Holz. "Der Mußrührer, für Pflaumenmus oder Rübensaft", klärt Köhler auf. Sie zeigt auf ein weiteres Unikum. "Heute wird es bei uns wohl nicht mehr genutzt, höchstens in den Bergen auf der Alm, wo die Bauern die frische Milch der Kühe weiter verarbeiten", schätzt Köhler. Sie spricht von einer "Zentrifuge", mit der einst Butter hergestellt wurde. Sogar die passenden Förmchen liegen daneben. Wie die Produktion vonstatten ging, daran kann sich die Frau vom Kultur- und Heimatverein selbst noch erinnern.

Und auch die Kleidung der Leute damals ist ihr nicht fremd. An die Besucher der Schulklasse gibt sie Wissen gern weiter. Der wuchtige Kleiderschrank der Schlafstube öffnet sich. Weiße Baumwoll-Spitze in Form von Nachthosen, wie Oma sie trug, schaut hervor. Die Kinder müssen lachen, als die Wäsche in ihrer vollen Pracht entfaltet wird. An der Schranktür sehen sie weitere Kleider. Jacketts und Westen aneinandergereiht sind erhalten geblieben. Keine gewöhnlichen Sachen, vielmehr Mode wie sie Mitglieder in den Dorfvereinen, Handwerker im Ort und Angestellte trugen - Von den Schützen über die Schalmeienkapelle bis hin zu einer Uniform der Polizei. Sogar die Garderobe eines Schornsteinfegers in voller Montur steht zur Schau.

Schließlich zeigt Rosi Köhler den Kindern ein weiteres Exponat. Es schreibt in Groß Börnecke ebenfalls Heimatgeschichte. Die Rede ist von einer Glocke. Mit ihr machten vor Jahren Bekanntmachungen die Runde im Ort. Mitarbeiter der Gemeinde klingelten vorher damit. "Und dann wurde eine Information des Bürgermeisters verlesen", erfahren die jungen Zuhörer. Sie lauschen gespannt und haben dann noch mehr Freude, selbst zu läuten. Natürlich nicht ohne eine Nachricht zu verbreiten. "Heute gibt es Schnitzel zum Mittag ... Heute essen wir Spaghetti....", jedes Kind, das läutet, fantasiert sich seine Mitteilung für das bevorstehende Mittagessen in der Schule.

Von dort aus startete die Exkursion. Nicht nur für die zweite Klasse. In dieser Woche haben sich insgesamt schon zwei Gruppen die Heimatstube angeschaut. Das freut den Verein, der sich über mangelndes Interesse an seiner Ausstellung, die im vergangenen Jahr startete, nicht beklagen kann.

Stube öffnet Türen wieder am 6. März

An den offenen Tagen kommen die Besucher zahlreich in das kleine Museum. Es hat immer am ersten Sonntag des Monats von 14 bis 18 Uhr geöffnet, das nächste Mal also am 6. März.

Dann kann es auch passieren, dass Gäste dem Verein Angebote für Leihgaben oder Geschenke unterbreiten. Die Mitglieder können nichts ausschlagen und sind an den vielen kleinen und großen Erinnerungen stets interessiert. Sie zu erhalten, liegt ihnen am Herzen. Daher ist der Raum der Heimatstube mittlerweile schon fast wieder zu eng. Man sei dabei, neue Unterstellmöglichkeiten für den Fundus zu erhalten. Was mit der Heimatstube in den letzten Wochen und Monaten auf die Beine gestellt wurde, freut die Abteilung Chronik. "Wir sind alle begeistert. Viele Besucher haben sich schon in unserem Gästebuch verewigt", freut sich Köhler über Lob und Anerkennung.

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